Zum Inhalt springen

Der bekannte Schriftsteller Leopold Schefer

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Der bekannte Schriftsteller Leopold Schefer
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[480] Der bekannte Schriftsteller Leopold Schefer in Muskau, der Jugendfreund des Fürsten Pückler, war nicht nur ein bedeutender humoristischer Dichter, sondern auch im Leben einer der liebenswürdigsten Humoristen, wie folgende charakteristische Züge beweisen. – Eines Tages erschien Schefer schon am frühen Morgen bei dem ihm befreundeten Bürgermeister der Stadt mit sorgenvoller Miene, hinter welcher der Schalk bei ihm lauerte. Auf Befragen, was ihn herführe, antwortete er: „Mir ist da eine Geschichte passirt, weshalb ich Ihren Rath in Anspruch nehmen muß. Denken Sie sich, heute Nacht ist bei mir ein armer Teufel eingekehrt, der nicht einmal ein Hemd auf dem Leibe hat und keinen Heller besitzt. Mich dauerte der arme Kerl, der vor Kälte zitterte und ganz erbärmlich heulte. Ich gab ihm ein Lager und nahm ihn bei mir auf, obgleich er ohne Paß, ohne jeden Ausweis zu mir gekommen ist. Was soll ich aber nun mit dem Vagabunden anfangen? Ich kann ihn doch nicht fortschicken, da er sonst keinen Menschen zu kennen scheint. Wenn ich ihn aber bei mir behalte, fürchte ich mit den Gesetzen oder gar mit der hochlöblichen Polizei in Kollision zu kommen und große Unannehmlichkeiten zu haben. Darum habe ich mich an Sie gewendet, damit Sie mir und dem armen Burschen helfen; denn fortschicken möchte ich ihn unter keiner Bedingung. Ich hoffe, daß Sie einmal aus alter Freundschaft für mich ein Auge zudrücken und den armen Schelm auch fernerhin dulden werden.“

Der Herr Bürgermeisier machte zu der polizeiwidrigen Rede des Dichters ein bedenkliches Gesicht und schüttelte sein wohlweises Haupt über die Zumuthung, einen notorischen Vagabunden, der eingestandenermaßen keinen Paß, keinen Ausweis, nicht einmal ein Hemde besaß, gegen die Gesetze zu dulden. Er verschwieg auch nicht seine Bedenken und wollte mit der ganzen Sache nichts zu thun haben. Indeß Schefer wußte so eindringlich zu bitten, daß der Herr Bürgermeister aus Rücksicht auf den Freund sich entschloß, diesen zu begleiten und selbst mit dem armen Burschen Rücksprache zu nehmen. Als Beide in das Haus des Dichters traten, führte dieser den Bürgermeister in das Schlafzimmer, wo seine Frau ihre Wochen abhielt, und indem er auf die Wiege zeigte, worin sein neugeborener Sohn lag, sagte er lachend: „Da, lieber Bürgermeister, ist der Vagabund, der heut direct vom Himmel in mein Haus gekommen ist!“

Schefer’s Nachbar in Muskau war der katholische Schullehrer, der eine Französin, eine fleißige und ordentliche Frau, geheirathet hatte. Ihre Freude und ihr Stolz war ein nettes Gärtchen, worin Beide fleißig arbeiteten; besonders aber bemühte sich die Frau Schullehrerin ein eigenes Spargelbeet anzulegen, was bekanntlich nicht leicht ist und wobei man lange Zeit warten muß, ehe man den Spargel stechen kann. Jahr aus Jahr ein warteten der Schullehrer und seine Frau auf ihren Spargel, aber wie sehr sie auch jeden Frühling suchten, nirgends wollte sich ein Spargelköpfchen zeigen, obgleich sie vor Sonnenaufgang schon aufstanden und mit Topf und Messer bewaffnet waren, um ihr Spargelgericht zu stechen. Endlich eines Morgens stößt die Frau Schullehrerin einen Freudenschrei aus und ruft ihren Mann herbei, um ihm das Wunder zu zeigen. Auf dem Beet steht Kopf an Kopf der schönste, weiße Spargel, den man sich nur wünschen kann. Auch die Nachbarn, welche das Ehepaar wegen ihrer vergeblichen Mühe öfters geneckt hatten, wurden herbeigeholt, darunter auch Leopold Schefer, der sein schelmisches Lächeln nicht unterdrücken konnte. Bei näherer Untersuchung ergab sich nämlich, daß ein Schalk bereits abgeschnittenen Spargel in die lockere Erde gesteckt und das schulmeisterliche Ehepaar in liebenswürdigster Weise getäuscht hatte. Der Schalk war aber kein Anderer als der bekannte Dichter des Laienbreviers.

So viele Bilder auch von Leopold Schefer existirten, so war doch keines recht getroffen, weil kein Maler den wechselvollen Ausdruck seines geistig belebten Gesichtes wieder zu geben vermochte. Auf wiederholtes Bitten seines jungen Freundes, des höchst talentvollen und leider früh verstorbenen Dichters Max Waldau (Spiller von Hauenschild), ließ sich Schefer bereden, nochmals einem Maler zu sitzen, da er versprochen hatte, der jungen Frau seines Freundes sein Bild zu schicken. Mit Ungeduld wird von dieser die Zusendung des Portraits erwartet, das auch endlich eintrifft. Schnell öffnet sie das Paket und ist nicht wenig erstaunt, zwar ein Bild, aber ohne Kopf darin zu finden. In dem beifolgenden Brief entschuldigte Schefer das seltsame Geschenk mit folgenden Worten: „Der Maler hat nicht mein Gesicht, aber um so bester meinen Pelz getroffen, ich schicke daher, um dem guten Mann nicht unrecht zu thun, den Letzteren und habe mein Gesicht ausgeschnitten und für mich behalten. Wenn ich eine bessere Visage einmal bekomme, so steht dieselbe Ihnen nachträglich zu Diensten.“