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Die sieben Trappen

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gottschalck
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Titel: Die sieben Trappen
Untertitel:
aus: Die Sagen und Volksmährchen der Deutschen, S. 199-201
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1814
Verlag: Hemmerde und Schwetschke
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Erscheinungsort: Halle
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Die sieben Trappen.

Im Fürstenthum Kalenberg liegt, eine Viertelstunde von dem Dorfe Bente, mitten im Felde eine kleine dreieckige Anhöhe, welche die sieben Trappen heißt. Man steigt zu ihr durch sieben sogenannte Trappen oder Vertiefungen hinan, die sehr stark und nach unten hin immer größer werden. Dicht vor diesen Vertiefungen sind sieben Steine in einer Hecke befindlich, welche ebenfalls vom ersten bis zum siebenten nach unten hin immer größer werden und das Andenken dieser sieben Trappen sichern sollen. Die Gemeinde Bente hat seit undenklichen Zeiten die Verpflichtung, diese Trappen zu erhalten und alle Jahre frisch aufgraben zu lassen, wofür sie seit ebenfalls uralten Zeiten vom Amte in Kalenberg jährlich einen halben Scheffel Rocken erhielt und noch erhält.

Von diesen sieben Trappen heißt es in der Gegend allgemein, daß es dabei spuke, und jede Nacht ein Poltergeist sich da sehen lasse. Es geht daher Nachts niemand gern vorbei.

Einst, so lautet die Sage, ging ein Ackermann mit seinem Knechte über diese Anhöhe. Das Gespräch kam auf den Lohn, welchen der Knecht noch an seinem Herrn zu fordern habe. Dieser läugnete, jenem noch etwas schuldig zu seyn, jener behauptete dagegen standhaft, daß er noch eine namhafte Summe zu fordern habe. Der Ackermann, ein grundschlechter Patron, vermaß und verschwor sich, daß er ihm nichts mehr schuldig sey, und schloß mit den Worten:

„Mich soll der Teufel auf der Stelle holen, und ich will, noch ehe ich von dieser Anhöhe herunter bin, vor euren Augen versinken, wenn ich euch noch etwas schuldig bin!“

In diesem Augenblick betrat er die siebente Trappe, und siehe da, es that sich die Erde unter seinen Füßen auf, der Betrüger sank unter einem fürchterlichen Getöse in den Abgrund, der ihn verschlang. Die Erde schloß sich darauf wieder, und der Knecht ging unbeschädigt und wohlbehalten über sie hin nach Haus.

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Ein Mährchen, wie dieses, mag sich zwar lediglich auf Aberglauben gründen, hat aber gewiß unverkennbar guten Einfluß auf die Sittlichkeit des Volkes. Ich erhielt es aus jener Gegend zugeschickt.