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Hermann Kletke

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Textdaten
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Autor: A. Traeger
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Titel: Hermann Kletke
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 786
Herausgeber: Ernst Keil
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1873
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[786] Hermann Kletke. Die „Tante Voß“ ist weit über ihre Heimath hinaus bekannt als eine stahlgepanzerte Amazone, die muthig in den vordersten Reihen für Recht und Freiheit kämpft, am Arme ihres geistigen Herrn und Gemahls, des wackern Hermann Kletke. Eine politische Zeitung zu leiten, zumal in Berlin, dem wirbelnden Mittelpunkte der heutigen Welt, ist ein aufreibender Beruf und der ein geborener Dichter, wer inmitten solcher Thätigkeit noch Weihe und Sammlung findet, dem innern Drange Ausdruck zu verleihen. Mag die Partei den Lorbeer des Führers flechten, der Dichter Hermann Kletke, dessen Gedichte jetzt in vermehrter Gesammtausgabe (Berlin, Verlag von E. H. Schröder, 1873) vorliegen, hat auf die allgemeinste Anerkennung wohlbegründeten Anspruch. Der lärmende Streit des Tages, aus dem der Sänger selbst sich geflüchtet, hallt nicht in diesen Strophen wieder: es sind Blüthen edelster Lyrik, deren Duft unwiderstehlich das Gemüth gefangen nimmt. „Lose Blätter“ sind mit wechselnden Stimmungen beschrieben, die überall aus Verständniß und Nachhall zählen dürfen. „Jung und froh“ stürmen wir mit dem Dichter in’s Leben hinaus, und bei „Liebes-Leid und Lust“ werden wir gleich ihm verweilen, sei es in Erinnerung, sei es ahnungsvoll. „Natur und Herz“ erfaßt er in ihren geheimnißvollsten Tiefen, und über „Ein Grab“, das Grab eines geliebten Kindes, hinweg führt er uns zum „Frieden“, und die „Bilder“ entrollen noch einmal des Lebens ganzen Wechsel. Neu und eigenartig sind die „Gedenktafeln“, kurz und glücklich zusammengefaßte Charakterschilderungen großer Menschen – lauter Deutsche, ein einziger Fremder unter ihnen: Napoleon der Erste, die Sphinx des Jahrhunderts, die nunmehr und hoffentlich für immer in den Abgrund sich gestürzt hat.

Unser deutsches Volk ist im Laufe der letzten Jahre ein hervorragend politisches und praktisches geworden: aber die Liebe zu seinen Dichtern hat es sich bewahrt, und unsere Frauen und Jungfrauen halten noch immer jene schön ausgestatteten, goldgeränderten Bände für eine besonders werthvolle Zierde ihres Weihnachtstisches. Und darum wollen wir gerade in dieser Zeit auf den Dichter Hermann Kletke aufmerksam machen, während der Politiker alle Tage selbst sich Beachtung verschafft. Das Buch ist mit seinem Bilde geschmückt, und auch die anspruchsvollste, vielleicht schon öfter enttäuschte Schwärmerin wird zugestehen, daß dies der Kopf eines echten und wahren Dichters, eines Dichters, der das Wort hat, von dem er selbst singt.

„Und wer es hat, das eine Wort,
Dem springt der Felsen auf sofort
Und zeigt ihm aus vergangner Zeit
Die Schätze gold’ner Herrlichkeit.“

A. Traeger.