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Meister Jakob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Ernst Deecke
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Titel: Meister Jakob
Untertitel:
aus: Lübische Geschichten und Sagen, S. 212–213
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1852
Verlag: Carl Boldemann
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Erscheinungsort: Lübeck
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Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[212]
110. Meister Jakob.

1448 am Palmsonntag-Abend hat sich zu Lübeck folgender schreckliche Mord zugetragen. Es wohnte ein Priester in dem alten Hause zum Krebs zunächst am Heiligen-Geist; der war ein überaus feister Mensch, daß seinesgleichen an Dicke nicht war. Zu ihm kömmt am Abend ein Balbierer, Namens Meister Jakob, der sein guter Freund war, und wollte mit ihm Abendmahl halten, wie er denn solches öfters zu thun pflag. Aber dieser Meister gab dem Priester dasmal schlechten Dank. Denn nachdem sie fast bis um Mitternacht mit einander gezecht und sich fein voll getrunken, stund der Balbierer auf und stellte sich, als wollte er heimgehn; weil aber der Pfaff ein unbequemer Mann war und auf seinem Stuhl besitzen blieb, nahm der Balbierer einen hölzernen Hammer, den er da liegen fand, und schlug mit demselben dem Pfaffen so oft hinten ins Genick, bis er todt war. Dann nahm er ihn samt dem Stuhl und schleppte ihn nach dem Feuerheerd, legte Feuer rund um ihn an, und ließ ihn verbrennen, daß gar wenig von ihm übrig blieb, so noch in etwas kenntlich war. Während dessen öffnete er Kisten und Kasten, und nahm an Silber und Gold und andern kostbaren Sachen was ihm dienlich und schlich [213] davon. Des Morgens aber ganz früh, als das Burgthor aufgeschlossen ward, ging er hinaus in den Schwerin, und grub die Beute in die Erde.

Als nun der Pfaffe gemißt ward, ließ Ein Rath Haussuchung thun; und fand in seiner Bude, wie man mit ihm umgegangen war. Aber dem Balbierer ward die That alsbald zugemessen, weil er sein loses Maul nicht halten können; und ließ Ein Rath ihn einziehn und ein wenig mit der Schärfe angreifen.

Als er seine That bekannt, ward er nach Verdienst erstlich gerädert, und dann als Dieb in den höchsten Galgen gehenkt.