ADB:Sietz, Johannes

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Artikel „Sietz, Johannes“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), ab Seite 217, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sietz,_Johannes&oldid=879849 (Version vom 25. Dezember 2009, 03:30 Uhr UTC)
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Band 34 (1892), ab Seite 217. (Quelle)
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Sieß: Johannes S. oder Sies, aus Oesterreich gebürtig, wird 1519 als Capellmeister an der Hofcapelle in Stuttgart genannt, wie Sittard Seite 9 in seiner Geschichte der Musik am württembergischen Hofe aus den Arten mittheilt. Schon 1512 muß er sich aliz Sänger an derselben Capelle befunden haben, denn er wird nach Straßburg gesandt, um dort Sänger für die Capelle H zu werben und erhält als Reisegeld 49 fl. ausgezahlt. Von seinen Compositionen haben sich nur vier deutsche vierstimmige Lieder in Peter Schöffer’s Liederbuch von 1513 erhalten und sind die einzigen Zeugen seiner Thätigkeit. Es sind vier Liebeslieder: 1. „Mich hat groß leid umbgeben.“ 2. „Ach lieb, was zeichstu mich“. 3. „Ich schweig und las versausen das.“ 4. „Wer sah dich für ein solche an.“ Die Melodie liegt im Tenor. Von den Liedern 1s sind andere Bearbeitungen derselben Melodie nicht nachweisbar, wogegen Nr. 4 auch von Machinger oder Malchinger bearbeitet ist und sich in Oeglin’s Liederbuch von 1512 Nr. 13 befindet, wieder aufgenommen in dem 1. Theil der Forster’schen Sammlung von 1539 Nr. 129. Eine dem Text anpassende und charakteristische Composition findet man nur bei dem Liede „Mich hat groß leid umbgeben, verwundt bis auf den tod, in ellend mus ich leben, mein herz daß leidet not“. Ob Melodie und Tonsatz von S. sind, ist nicht festzustellen. Die Melodie des letzteren Liedes trägt ganz den Charakter der späteren Choralmelodieen, nur die am Ende jedes Verses lang ausgesponnenen Melismen, die sehr schön sind, geben ihr einen bewegteren Charakter. Die eigentliche Stimmung tritt aber erst durch den vierstimmigen Satz ins rechte Licht, und das Klagende und Traurige ist trefflich getroffen. Die Führung der Stimmen ist bei allen vier Liedern meisterlich, der Zusammenklang aber, d. h. der harmonische Eindruck, ist oft steif und alterthümlich. Die vier Lieder geben so recht den Beweitz, wie gering der Schritt vom weltlichen Liede zum geistlichen Liede, dem Chorale, war und das es völlig genügte, den Text zu ändern, um ein Kirchenlied zu erhalten. Selbst die Verseinschnitte sind wie beim späteren Chorale mit großer Gleichmäßigkeit festgehalten.

Rob. Eitner.
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