Seite:Badisches Sagenbuch 003.jpg

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Dort wird das Licht des Geistes leuchten,
Von dorther der Erkenntniß Quell
Der Erde weites Feld befeuchten,
Dort bleibt’s in tiefem Dunkel hell.

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Dann werden sich die Haine lichten,

Wie sich der Menschen Herz erhellt,
Dann prangt ein Kranz von goldnen Früchten
Um dich, du segensreiches Feld!
Die Rebe strecket ihre Ranken

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In deinen hellen See hinein,

Und schwer beladne Schiffe schwanken
In reicher Städte Hafen ein.

Und Die des Höchsten Krone tragen,
Statthalter seiner Königsmacht –

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An diesen Ufern aufgeschlagen,

Sonnt oft sich ihres Hofes Pracht.
Und Völker kommen aus dem Norden
Und aus dem Süden, See, zu dir;
Du bist das Herz der Welt geworden,

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O Land, und aller Völker Zier!


Drum sind dir Sänger auch gegeben,
Zwei Chöre, die mit deinem Lob
Die warme Frühlingslust durchbeben,
Wie keiner je sein Land erhob:

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Das eine sind die Nachtigallen,

Auf Wipfeln jubelt ihr Gesang,
Das andre sind in hohen Hallen
Die Ritter mit dem Harfenklang.

Wohl ahnst du deinen Ruhm, du wallest

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Mit hochgehobner Brust, o See!

Doch daß du dir nicht selbst gefallest,
Vernimm auch deine Schmach, dein Weh!
Es spiegeln sich die Scheiterhaufen
Der Märtyrer in deiner Fluth,

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Und deine grünen Ufer traufen

Von langvergossnem Bürgerblut.

Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagen-Buch 1. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_003.jpg&oldid=3217491 (Version vom 31.7.2018)