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Vom großen Faß zu Salmannsweiler.

Duplex gab’s in Salmannsweiler!
Reh’, Fasanen, Lachs und Keiler
Schmaust die fromme Reichsabtei:
„Vivat hoch dem gnäd’gen Abte!“

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Heisa! wie’s Convent sich labte,

Trank zwei Fuder Weins und drei.

Volle Kannen, volle Züge!
Jedem Pater zur Genüge
Sprudelt heut das goldne Naß;

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Denn im weiten Klosterkeller,

Angefüllt mit Muskateller,
Fertig stand das Riesenfaß.

Baß der Küperkunst erfahren,
Hat daran gebaut seit Jahren

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Pater Kellermeister froh.

Losgelassen sind die Geister;
„Hoch der weise Kellermeister!“
Schallt’s im Refektorio.

„Heil, wer solch ein Werk ersonnen,

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Alles Schönen Zauberbronnen,

Gott dem Herrn zu Preis und Ehr’!“
Feurig klang’s aus Aller Munde;
Kaum gefüllet, durch die Runde
Waren alle Krüge leer.

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„Vivat Abt und Kellermeister!“

Näselt weindurchglüht ein feister
Mönch und bringt ein mächtig Glas.
Schwere Zungen, schwere Glieder;
Einer sinkt zum Andern nieder,

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Lallt sein „Deo gratias.“


Bodenlos nur war ein Frater,
Krug für Krug ausstützen that er,

Empfohlene Zitierweise:
August Schnezler (Hrsg.): Badisches Sagen-Buch 1. Band. Kreuzbauer und Kasper, Karlsruhe 1846, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Badisches_Sagenbuch_087.jpg&oldid=3217575 (Version vom 31.7.2018)