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Liste.png Verschiedene: Die Gartenlaube (1871)

seines Antheils, und dann ist es sein schuldenfreies, im Werthe vielleicht schon doppelt gestiegenes Eigenthum. In der Nähe großer, wachsender Städte kann es leicht vorkommen, daß so ein Tausendthalerhaus nach zehn Jahren schon zweitausend Thaler werth ist, so daß der Besitzer und bald schuldenfreie Eigenthümer es geradezu wie ein Geschenk betrachten kann. Mit anderen Worten: er erhält für seine gesparten tausend zweitausend Thaler. Und dann hat er noch während der Zeit billiger und besser gewohnt und sich und den Seinigen ein herrliches Capital von gestärkter Gesundheit, schönerem Familienglück und höherer Cultur erworben.

Ueber die Fruchtbarkeit des Creditgebens und Creditnehmens müßte man den Geheimrath Dr. Engel sprechen lassen. Vielleicht räumt die Gartenlaube dafür später noch ein Plätzchen ein, weil man damit herrlich nachweisen kann, wie eine solche Baugenossenschaft


Die Gartenlaube (1871) b 269.jpg

Frühstück zu Pferde.
Nach einer Skizze des Freiwilligen Knackfuß im Husaren-Regiment Nr. 15.


zugleich auch zur wohlfeilsten und gewinnreichsten Form der Sparcasse wird. Die Gründer des deutschen Centralbauvereins haben für Deutschland den Grund und Boden für solche genossenschaftliche Förderung gewonnen und bebauen ihn bereits in den verschiedensten Formen. Diese können überall und ohne Anstrengung für Stadt und Land eingerichtet und verpflanzt werden. Sie sprechen deshalb auch in ihren Statuten die feste, klare Ueberzeugung aus, daß sie ein gesundes, volkswirthschaftliches, materiell und moralisch schöpferisches Unternehmen in’s Leben gerufen haben. Es hängt nicht von dem guten Willen und der Wohlthätigkeit Einzelner ab, demüthigt auch den ärmsten, noch sparfähigen Arbeiter nicht durch Angebot von Almosen, sondern giebt ihm blos Gelegenheit, sich aus eigener Kraft mit seiner Familie aus der Noth und Unsicherheit des Lebens und Wohnens zu erheben.

Solche Baugesellschaften fördern das Gemein- und Einzelwohl durch Erziehung zahlreicher freier und unabhängiger Besitzer unbeweglichen Eigenthums, schöner, eigener, gesunder Herde, die mehr werth sind als Gold. Innerhalb dieses unbeweglichen Eigenthums blühen und fruchten noch viel höhere, die beweglichen geistigen und sittlichen Werthe, welche sich nicht auf’s Haus beschränken, sondern von Nachbar zu Nachbar sich wohlthuend über ganze Gemeinden und Völker ausdehnen.

Auf die sociale Frage giebt es verschiedene Antworten, aber keine erbaulichere und versöhnendere als die unserer genossenschaftlichen Freimaurer.

H. Beta.





Erinnerungen aus dem heiligen Kriege


Nr. 2. In französischen Quartieren.


I.


„Um Frankreich und dessen Bewohner zu kennen, darf man nicht in Paris gewesen sein,“ sagte mir eines Tages mein Wirth in Tours. „Man verwechselt uns Franzosen immer mit den Parisern; es giebt keinen größeren Gemeinplatz und keine hartnäckigere Lüge als die Phrase: Paris ist Frankreich. Nichts weniger als das. Paris ist ein Ding, ein Land, ein Reich für sich und ebenso machen die Pariser eine eigene Nation aus, es ist die Stadt des Völkermischmaschs, die Residenz, die sich das moderne Babel, nämlich der Gedanke des Weltbürgerthums erbaut hat, an diesem werden die Nationalitäten und an Paris wird Frankreich zu Grunde gehen. Wer unser Land, wer unser Volk kennen lernen will, der muß zuerst in die Provinz, dann erst nach Paris gehen.“ Nun denn, die Vorbedingungen wären erfüllt, um nach dieser Weisung einen Einblick in französische Verhältnisse, in Sitten und Gewohnheiten des täglichen und häuslichen Lebens, in den Charakter, die Denk- und Gefühlsweise des Volkes zu gewinnen. Ich habe die Seine nur bei Troyes und bei Fontainebleau, nie bei Paris gesehen, wir haben die Provinz vom äußersten Osten bis zum Westen,

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1871). Leipzig: Ernst Keil, 1871, Seite 269. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1871)_269.jpg&oldid=3280449 (Version vom 31.7.2018)