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Feierlichkeiten gelegt. Er ruht an der Stelle, wo später die Ueberreste des Erzbischofs Conrad beigesetzt wurden. Während der Bau des Chores inmitten der gewaltigsten Aufregung, der bittersten Parteistreitigkeiten und der blutigsten Bürgerkämpfe gegen die Erzbischöfe langsam fortschritt, blieb, wie schon angegeben, die alte, zureichend wieder hergestellte Domkirche bestehen und für kirchliche und gottesdienstliche Benutzung erhalten. Es sind uns viele Nachrichten und Urkunden aufbewahrt, welche auf’s Unzweideutigste bezeugen, daß bis zur Einweihung des Hochchores in dem alten Dome Rechtshandlungen stattgefunden haben, gottesdienstliche Verrichtungen gefeiert und Beerdigungen vorgenommen worden sind.

Bei der Einweihung des Chores 1322 bestand die alte Kirche noch; erst bei dieser Gelegenheit wurde der Schrein der heiligen drei Könige in feierlicher Procession aus der alten Kirche in den neuerbauten Chor versetzt.

Dem Chorbau, dessen Geschichte wir hier kurz zusammenstellen, fielen die alte Sacristei und die goldene Kammer zum Opfer; sie wurden abgebrochen, und an einer gelegeneren Stelle wurde die neue goldene Kammer errichtet, wie wir in dem Maihinger Kalendarium finden. Das Dormitorium, das Gewandhaus, der Kreuzgang, der Holzschuppen, die Waschkammer konnten während des Chorbaues stehen bleiben, unser Kalendarium führt diese Räumlichkeiten gegen Ende des dreizehnten Jahrhunderts als noch vorhanden auf. Nur mäßig gingen die Fonds ein. Collectengelder, Opfer, Zinsen, Vermächtnisse, die Einkünfte suspendirter Beneficien, versessene Präsenzgelder boten den Provisoren der Baucasse die Mittel, die ungeheueren Kosten des großartigen Baues zu bestreiten. Unter den Wohlthätern des Domes ist uns speciell der Voigt Gerhard bekannt, der im Jahre 1256 für den Bauzweck eine Mark Rente vermachte. Von großem Gewichte für den glücklichen Fortgang des Unternehmens war die eindringliche Sprache, welche Papst Innocenz in der Bulle von 1248 gebrauchte.

Im Jahre 1264 entsandte der Erzbischof Engelbert einen Priester und Provisor der Casse, den Magister Gerhard, mit einem offenen Hirtenschreiben an alle Kirchenvorstände der kölnischen Provinz, um die Opferwilligkeit anzuregen. Das wilde Parteigetriebe in der Stadt, die wüthenden Kämpfe zwischen der Bürgerschaft und den Erzbischöfen, die blutigen Fehden, welche unablässig alle Einwohner des Niederrheins in Athem hielten, hemmten von Zeit zu Zeit den Zufluß der Beiträge und stellten die Vollendung des großartigen Unternehmens in Frage. Zur Gewinnung der nöthigen Quadersteine hatte das Domcapitel einen eigenen Steinbruch am Drachenfels angeraumt und in Betrieb gesetzt, und mittelst Vertrages vom 26. August 1267 erwarb es von dem Burggrafen von Drachenfels einen von diesem Bruche in gerader Richtung zum Rheine führenden Weg. Im Jahre 1274 ward mit dem Burggrafen ein Abkommen getroffen, wonach sechs Arbeiter, von denen drei Steinbrecher und drei Vorschläger sein sollten, fortwährend beschäftigt sein müßten. Wiederholt wird dieser Vertrag erneuert und 1294 die Zahl der Steinbrecher auf vier erhöht; ebenso tritt 1306 eine Vermehrung der Arbeitskräfte ein, nachdem das Capitel den Dombruch durch Ankauf eines Weinberges erweitert hat. In dem Aufrufe, durch welchen Erzbischof Siegfried seine Diöcesen zu Beiträgen für den Dombau auffordert, heißt es: „Der Bau unserer Kirche, der in Folge von Freigebigkeit schon zu ziemlicher Höhe emporgestiegen ist und bereits in herrlicher Pracht dasteht, bedarf zu seiner Vollendung noch vieler und reicher Beiträge.“

Im Jahre 1297 war der Bau bereits so weit vorgeschritten, daß die Errichtung und Dotirung der einzelnen Altäre in’s Auge gefaßt werden konnte. Der Domvicar Gerhard von Xanten stiftete in diesem Jahre schon eine Vicarie an dem Altare der heiligen Johannes Baptist und Laurentius im neuen Chore; unter den achtzehn Altären, für die er Meßdenare auswirft, sind nicht die Altäre der alten Kirche, sondern die des neuen Baues, des Chores zu verstehen. Die Altäre mochten schon an Ort und Stelle stehen, hatten aber ihre Benennung noch nicht; darum werden sie in den Urkunden auch nicht namentlich aufgeführt. Jedenfalls, obwohl vom Ende des dreizehnten Jahrhunderts bis zur Einweihung des neuen Chores der Gottesdienst beständig in der alten Domkirche gehalten wurde, hatte das Capitel sein Augenmerk auf den Neubau gerichtet, und die einzelnen Stiftsherren wetteiferten, die im neuen Chore errichteten oder noch zu errichtenden Altäre zu dotiren oder mit Stiftungen zu bedenken.

Gegen 1320 wurden die prachtvollen gemalten Fenster im Chore und in den Seitencapellen eingesetzt; durch die in ihnen eingelassenen Wappen bekunden sie sich als Schenkungen des Erzbischofs Heinrich von Virneburg sowie der ihm verwandten Grafenhäuser Holland, Jülich und Cleve, der Stadt Köln und einer großen Anzahl vornehmer Kölner Familien.

Nach Westen erhielt das Chor durch eine starke bis in die höchste Spitze reichende Mauer einen provisorischen Abschluß; nur so konnte dasselbe bis zur Vollendung des Hauptschiffes mit den Nebenhallen als eine selbstständige Kirche benutzt werden. Der Umgang um das Chor wird ebenso gegen die Seitenschiffe hin durch Mauern geschlossen worden sein. Diese Schlußmauern wurden aufgeführt, bevor man zum Abbruche der alten Domkirche schritt; sonst würde ohne Zweifel ein Theil der Quadern des alten Baues benutzt worden sein.

Im Jahre 1322 war endlich das Chor mit seinen Seitencapellen vollendet. „Innerhalb umgaben doppelte, von schlanken Säulenbündeln gestützte Nebengänge das 150 Fuß aufsteigende Mittelgewölbe. Außerhalb bildeten die Nebengebäude mit ihren einfachen Strebepfeilern und Fenstern einen mächtigen, siebenundsechszig Fuß hohen Untersatz, auf dem sich reich mit zierlichem Thurmwerk geschmückte Widerhalter erhoben und mit ihren Strebbogen das eigentliche Chor stützten.“ Das Dach war mit Bleiplatten gedeckt, welche mannigfache Ornamente und verschiedene auf die heiligen drei Könige bezügliche Inschriften zeigten. Auf der westlichen Giebelspitze war ein zierliches Dachthürmchen errichtet, welches mit seiner reichen Vergoldung weithin in die Umgegend glänzte. Die feierliche Einweihung fand am 27. September, am Jahrestage der Weihe des alten Domes, unter Assistenz einer großen Anzahl von Bischöfen, Aebten, Pröpsten und anderen Geistlichen durch den Erzbischof Heinrich statt. Bei dieser Feier wurden die Gebeine der heiligen drei Könige in pomphaftem Zuge aus dem alten Dome in ein provisorisches Mausoleum im östlichen Seitenchörchen übergeführt.

Von den Baumeistern, unter deren Leitung das Chor aufgeführt wurde, sind uns bekannt: Gerhard von Rile, Arnold und Johann. Ob Gerhard von Rile und der „Werkmeister Gerart vonme Doyme“, der in „einer alder tzedulen“ als Eigenthümer eines Erbes bei St. Marien-Garten genannt wird, identisch sind, kann nicht festgestellt werden. Dem Letztgenannten begegnen wir als Wohlthäter der Kirche St. Martin.

Erzbischof Heinrich wollte die Begeisterung für den Fortbau der herrlichen Domkirche nicht erkalten lassen. Nach der Einweihung des Hochchores wurden sofort die Fundamente zu den zuerst in Angriff zu nehmenden Bautheilen der eigentlichen Kirche gelegt, nachdem man für diesen Zweck mit der Niederlegung der alten Domkirche begonnen. Die Glocken erhielten vorläufig ihre Stelle in einem zwischen der Johannis-Capelle und dem Hohen Gericht aufgeführten provisorischen hölzernen Thurme. Den Anfang der Umwandlung scheint man mit der östlichen Mauer des nördlichen Kreuzschiffes gemacht zu haben. Erst im Jahre 1325 wurde zur Fundamentirung des südlichen Kreuzschiffes der an der Südseite der alten Kirche gelegene Porticus niedergelegt. Mit der Erwerbung eines westlich an diesen Porticus grenzenden Besitzes scheint man auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein; darum konnte an dieser Stelle für die westliche Seite des Südportals die Fundamentirung nicht vorgenommen werden. In einer Urkunde des Jahres 1325 heißt es, daß „ununterbrochen zur Förderung des Bauwerkes mit großen Anstrengungen gearbeitet werde“. Zur Beschaffung der erforderlichen Baumittel wurde wiederum vom Erzbischofe wie vom Papste die Opferwilligkeit des gläubigen Volkes angerufen. Schon Erzbischof Wichbold hatte allen Denjenigen, welche in ihrem Testamente die Baucasse bedenken würden, einen vierzehntägigen Ablaß bewilligt, und sämmtliche Priester der Diöcese hatte er beauftragt, ihren Einfluß bei den Pfarrinsassen zu Gunsten des Dombaues zu verwenden. Auf Grund dieses Erlasses setzte sich in der Kölner Diöcese der Gebrauch fest, daß kein Testament errichtet wurde, in welchem nicht wenigstens etwas für den Dombau bestimmt worden wäre. Nach allen Richtungen zogen Sammler aus, welche in Kirchen und auf öffentlichen Plätzen die Gläubigen durch feurige, begeisternde Reden und mit Zusicherung der göttlichen Gnade und des Nachlasses zeitlicher Sündenstrafen ermunterten, mit freudiger Hand nach Kräften für das heilige Werk des Dombaues beizusteuern.

Die Sammlungen erhielten eine fördernde Organisation und

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Verschiedene: Die Gartenlaube (1880). Leipzig: Ernst Keil, 1880, Seite 635. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1880)_635.jpg&oldid=3284617 (Version vom 31.7.2018)