Seite:Lucians Werke 1082.jpg

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eingestellt, wo sie sich aufhielten. So oft die Mahlzeit ihres Herrn beendigt war, kamen sie mit vielen übrig gebliebenen Eßwaaren zurück; der Eine brachte Fleischspeisen und Fische, der Andere Kuchen und anderes Backwerk. Hierauf verschloßen sie die Thüre, ließen mich als Hüter aller dieser Herrlichkeiten zurück, und gingen, sich zu baden. Daß ich nun meiner Gerste den Abschied gab, läßt sich denken: seit so langer Zeit hatte ich keine menschliche Nahrung mehr genossen, ich gab mich also ganz dem Genuß Dessen hin, was meine Herren von ihren eigenen Kunstwerken erübrigt hatten. Bei ihrer Rückkunft wurden sie anfänglich Nichts von meiner Leckerei gewahr, weil der Speisen sehr viele waren, und ich noch mit einer gewissen Aengstlichkeit und Schonung genascht hatte. Allein je mehr ich mich von ihrer Verblendung versicherte, desto mehrere und desto bessere Bissen verschlang ich, so daß sie endlich ihren Verlust zu merken anfingen. Zuerst sah Einer den Andern mit argwöhnischen Blicken an, bald aber schalten sie sich in’s Gesicht „Betrüger, unverschämter Dieb!“ und von nun an hielten Beide ein scharfes Auge auf ihre Sachen und zählten jedes einzelne Stück sorgfältig.

47. Ich ließ mich Das nicht kümmern, sondern pflegte nur um so behaglicher des üppigen Wohllebens, so daß mein Leichnam von der gewohnten Kost in kurzem wieder recht stattlich, mein Fell glatt und glänzend wurde. Wie mich die guten Leute immer dicker und fetter werden sahen, während doch das Gerstenmaß immer voll blieb, argwohnten sie endlich meine Streiche. Sie stellten sich also, als ob sie in’s Bad gehen wollten und schloßen die Thüre hinter sich zu, sahen aber durch eine Spalte derselben, wie ich, ihre List nicht ahnend,

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Lukian von Samosata: Lucian’s Werke. J. B. Metzler, Stuttgart 1827–1832, Seite 1082. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Lucians_Werke_1082.jpg&oldid=- (Version vom 1.8.2018)