Seite:Oberamt Tettnang 124.jpg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
  • 8) Reinach, Hof mit einer Mahl- und Sägemühle, an der Ach, mit 5 Einwohnern. Die Zehnten haben die Pfarrei Ailingen und der Spital Lindau, die Gefälle der Staat zu beziehen. Vormals gehörte Reinach zu der Dompropstei Constanz. An dem östlichen Thalrand ist eine schöne Rebhalde mit einer Kelter.
  • 9) Unter-Ailingen, ein katholischer Pfarrweiler, mit 53 Einwohnern, in milder fruchtbarer Lage, 1/8 Stunde von Ober-Ailingen und 11/8 Stunden von Friedrichshafen. Den Großzehnten hat größtentheils die Pfarrstelle zu beziehen. Die Gefälle kommen der Königl. Finanzkammer zu, früher waren die Klöster Kreuzlingen und Löwenthal die Lehensherren. Das Patronat ist Königlich, vorher war es Löwenthalisch. Der Ort hat einen Pfarrer und einen Kaplan, eine Pfarrkirche zum heil. Johannes dem Täufer, welche mit einem großen in der ganzen Gegend hervorragenden Thurm versehen ist, ein gutes Pfarrhaus, ein Kaplaneihaus und ein sehr ansehnliches Schulhaus für den Gemeindebezirk. Die Baulast der Kirche, so wie des Pfarr- und Kaplaneihauses liegt auf der vermöglichen Kirchenpflege. Auf dem Thurm sind 4 Glocken, die größte davon hat folgende Inschrift: Anno 1218 schon bin ich durch diesen Ofen geflossen, da aber mir zerbrach der Ton, wurde ich wieder umbgossen. Osanna verblieb mein Nam. Leonhard Rosenlecher wahr der Man in Constanz 1765. Das Schulhaus, worin auch die Rathsstube sich befindet, wurde 1828 neu von Stein gebaut, s. S. 44. Zu den Kosten trug die Kirchenpflege 3000 fl. bei, die ganze Gemeinde leistete Frohndienste. Der Pfarrsprengel umfaßt jetzt gerade den Schultheißerei-Bezirk; ehemals gehörte auch Ettenkirch mit einem Theil seiner Filiale in den Sprengel, bis dasselbe 1715 davon getrennt wurde. Die Kirchenpflege besitzt 22.000 fl. Capital, 6 Lehenhöfe, Zehnten etc. Sie wirkt unter der guten Verwaltung guter Ortsvorsteher vielfach wohlthätig; der Dekan Gall ist hier Pfarrer. Die Güter des Gemeindebezirks wurden 1797 vereinödet. Unter-Ailingen hat 2 Schildwirthschaften und außer einigen andern Gewerben auch eine Gerberei. Daß der Bezirk erst seit 1825 eine selbständige Staats-Gemeinde bildet und vorher zur Gemeinde Berg getheilt war, ist oben schon bemerkt worden. Die Pfarrei ist sehr alt, die Kaplanei wurde 1496 von dem Kloster Löwenthal und den Gemeinde-Angehörigen gestiftet. Das Patronatrecht der Kirche wurde laut Urkunde vom 10. Juli 1260 von den Grafen Rudolph und Gottfried von Habsburg dem Kloster Löwenthal geschenkt, dem die Kirche 1326 incorporirt wurde. Daß Ailingen überhaupt ein sehr alter Ort ist, wurde schon oben gezeigt. An dem untern Theil des Thurms, der unter die sogenannten Heidenthürme gerechnet wird, bestehen

Empfohlene Zitierweise:
Johann Daniel Georg von Memminger: Beschreibung des Oberamts Tettnang. Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta, 1838, Seite 124. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Oberamt_Tettnang_124.jpg&oldid=- (Version vom 1.8.2018)