ADB:Bandel, Joseph Anton von

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Artikel „Bandel, Joseph Anton von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 2 (1875), ab Seite 39, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bandel,_Joseph_Anton_von&oldid=928848 (Version vom 25. Dezember 2009, 01:32 Uhr UTC)
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Bandel: Joseph Anton v. B., ein satyrisch-polemischer Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, war zu Villingen im Schwarzwalde geboren. Nachdem er zuerst als Schreiber an verschiedenen Orten seinen Lebensunterhalt sich erworben, wurde er Erzieher der Prinzen Ludwig und Friedrich zu Würtemberg. Später privatisirte er zu Constanz, ging 1750 nach Rom, wurde daselbst in die Gesellschaft der Wissenschaften aufgenommen, auch zum Doctor beider Rechte und Comes Palatinus ernannt und starb, nach Constanz zurückgekehrt, daselbst am 7. Juni 1771.

Seine Hauptschriften sind: „Consilium utriusque medici, ad Justinum Febronium de statu ecclesiae et potestate Papae, aegerrime febricitantem“, 1764; „Auf eine Lügen eine Maultasche, oder der bey Bestürmung der Herzoglich Württembergischen Ehre zurückgeschlagene Feind“, 1766; „Der stumme Advocat in seinem Sonn- und Feiertagshumor. Ein Wochenblatt“. Costnitz 1761–66. Fortgesetzt unter dem Titel: „Der Procurator ohne Hände“. – Dagegen: „Der redende Advocat, dem stummen Advocaten des Herrn Bandels entgegengesetzt. I–VIII. Auftritt“. 1761–1766. (Von M. Jungendres zu Nürnberg.) – Ein berüchtigter theologischer Klopffechter der katholischen Kirche in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, erregte B. durch seine Schriften ein großes Aufsehen, indem, so wie der Pfarrer Conlin (vergl. d.) den Pater Abraham a S. Clara in Witz und Wortspielen zu erreichen, so Bandel auf seine Weise den unerreichbaren Pfarrer Weißlinger in Grobheit, Unflätherei und Geschmacklosigkeit und zwar nicht nur gegen die Protestanten, sondern auch gegen seine eigenen Glaubensgenossen nachzuahmen und wo möglich noch zu überbieten versuchte. [40] Was er mit Weißlinger gemein hat, das ist die Schmähsucht, obgleich sein Vorrath an Schimpfwörtern minder reichlich ist. Bei beiden entartet die Komik in ihren Aeußerungen zur Hanswurstiade. Selbst da, wo B. sich zu schwerem Ernst und theologischer Würde zu erheben sucht, legt er sein Gesicht in höchst närrische Falten. Weißlinger will nie pathetisch sein, B. selbst hascht nach Pathos und verfällt darüber in marktschreierischen Bombast. Seine Logik ist häufig die des Wiesenpater. Seine übrigen Schriften verzeichnet Adelung. – Vergl. Flögel, Gesch. d. kom. Litteratur III. 517 ff. – F. W. Ebeling, Komische Litteratur. S. 448 ff. Goed. 574.

J. Franck.
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