ADB:Bernhard Gustav

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Artikel „Gustav Adolph, Markgraf von Baden“ von Arthur Kleinschmidt in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 10 (1879), S. 186–187, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Bernhard_Gustav&oldid=1872781 (Version vom 27. Dezember 2014, 23:48 Uhr UTC)
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Gustav Adolph, Markgraf von Baden, wurde als einziger Sohn des Markgrafen Friedrich V. von Baden-Durlach aus der zweiten Ehe mit Eleonore von Solms-Laubach am 24. December 1631 geboren und verlor mit anderthalb Jahren die Mutter, deren Stelle der Vater rasch ersetzte. G. A. reiste und widmete sich dann dem Kriegerstande, focht mit den Venetianern gegen die Türken und 1655 mit den Schweden gegen die Polen. 1656 wurde er Oberst der schwedischen Leibgarde zu Fuß und 1659 an Stelle seines Stiefbruders Karl Magnus Befehlshaber der Reiterei – einige Zeit war er auch Commandant der preußischen Festung Morungen. Dann besuchte er Holland und Italien, 1664 auf dem Reichstage zu Regensburg wurde er zum Reichs-Generalwachtmeister ernannt und focht mit vielem Ruhme unter Montecuccoli bei St. Gotthard an der Raab am 1. August 1664 gegen die Osmanen, zwei Pferde fielen ihm unter dem Leibe und er empfing im Gesichte eine schwere Wunde. Hiermit schloß seine Kriegerlaufbahn ab. – Obgleich ein Enkel Georg Friedrichs und ein Sohn Friedrichs V., ließ sich G. A. für die katholische Religion gewinnen, der Ehrgeiz nach hohen Kirchenämtern war hierbei ein wichtiger Factor. Nach der italienischen Reise trat er im elsässer Franciscanerkloster Hermelsheim am 24. August 1660 über und 1663 bekannte er sich in Rom öffentlich zur katholischen Kirche. 1665 trat er als Mönch in das Benedictinerkloster Rheinau und nannte sich nun Bernhard Gustav, 1667 ging er zu den Benedictinern in Fulda. Rasch wurde er Canonicus zu Köln, Straßburg, Lüttich und Passau, am 19. März 1668 ernannte ihn der Fürstabt Joachim in Fulda auf Empfehlung des Kaisers und mit Zustimmung von Papst und Domcapitel zu seinem Coadjutor. Er schloß nun am 20. Juli 1668 mit seinem Stiefbruder Friedrich VI. einen Vertrag, behielt sich nur für den Fall des Aussterbens beider badischen Linien die Erbfolge vor und empfing außer Zahlung seiner Schulden einen Jahreszuschuß von 5000 Gulden, bis er mehr Einkünfte habe. Am 10. Decbr. 1668 schloß er eine Capitulation mit den Conventherren von Kempten und wurde auch in Kempten Coadjutor, was am 22. Juni 1669 bestätigt wurde. [187] Er herrschte nun bereits mit der vollen Gewalt eines Fürstabtes und ordnete den ganz zerfahrenen Staatshaushalt in Kempten; am 11. Mai 1670 bestätigte Clemens X. ihn und gestattete ihm den Fortgenuß aller anderen Pfründen. Zu Fulda beendigte der Coadjutor sein Noviciat im St. Peterskloster und wurde Propst zu Holzkirchen. Am 4. Januar 1671 bestieg der als Abt von Fulda und Erzkanzler der Kaiserin den dortigen Fürstenstuhl und erhielt am 12. April vom Bischofe von Speyer die Weihe. Alsbald befahl er allen Juden, binnen einem Vierteljahre seine Lande zu räumen. 1672 entsagte er gegen Geld allen Ansprüchen an badische Gebiete, im gleichen Jahre wurde er Administrator der Abtei Siegburg im Herzogthume Berg und nachdem er am 24. August 1671 Cardinal geworden, setzte ihm Leopold I. in Wien am 19. April 1672 den rothen Hut auf. Als endlich der eigensinnige und willkürliche Fürstabt Roman starb, folge der Cardinal ihm im Juli 1673 als Fürstabt von Kempten und Erzmarschall der Kaiserin, residirte aber meistens in Fulda und ließ Kempten durch einen Statthalter verwalten. 1676 wurde er Cardinalpriester. Als er noch Lüttich haben wollte, gerieth er in Streit mit Frankreich; dieses mutmaßte, er wolle das Stift Frankreichs Schützlinge, dem Kurfürsten Max Heinrich von Köln aus der Hand winden und deshalb hielt man ihn trotz seines französischen Passes in Köln auf der Heimkehr von Lüttich fest; vergebens beschwerte er sich bei dem Könige; erst nachdem er über 300000 Gulden gezahlt, kam er frei. 1676 reiste er nach Rom zur Papstwahl und auf der Heimkehr starb er auf Schloß Hammelburg am 26. December 1677. Sein Leib ruht zu Fulda, sein Herz zu Kempten.

Schoepflin, Historia Zaringo-Badensis. J. B. Haggenmüller, Geschichte der Stadt und der gefürsteten Grafschaft Kempten, Kempten 1847.
Kleinschmidt.