ADB:Braun, Emil

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Artikel „Braun, August Emil“ von Karl Ludwig Urlichs in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 264–265, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Braun,_Emil&oldid=2169078 (Version vom 29. Juli 2014, 10:41 Uhr UTC)
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Braun: August Emil B., geb. 19. April 1809, † 11. Sept. 1856 zu Rom, bildete sich zuerst 1830 in Göttingen unter K. O. Müller’s, dann 1831 in München unter Schorn’s, endlich im Winter 1832 in Dresden unter Böttiger’s Leitung zum Archäologen aus. Im Frühling 1833 wandte er sich auf Gerhard’s Einladung nach Berlin und faßte dort den Entschluß, sich der Kunstwissenschaft ganz zu widmen. Den Herbst desselben Jahres begleitete er Gerhard nach Rom und verließ bis zu seinem Tode die neue Heimath nur zu kürzern und längern Reisen dies- und jenseit der Alpen. Seine Anstellung am archäologischen Institute, dem er seit dem J. 1835 als ständiger Secretär angehörte, macht in der Geschichte dieser segensreichen Anstalt Epoche. Philologisch und durch Schelling’s Einfluß auch philosophisch hoch gebildet, erwarb er sich eine so umfassende und gründliche Kenntniß der alten Denkmäler, wie außer Gerhard keiner seiner Landsleute. Mit italienischen Sitten und Verhältnissen innig vertraut, auch mit den übrigen Culturvölkern in reger Verbindung, verstand er es dem Institute seinen internationalen Charakter zu erhalten, die verstecktesten Denkmäler aus Privatsammlungen und dem Kunsthandel ans Licht zu ziehen und durch Abgüsse, Zeichnungen, galvanoplastische Nachbildungen bekannt zu machen. Seine Behandlung der Kunstwerke, wie er sie vorzüglich in den Schriften des archäologischen Instituts niederlegte, ist auf dem eigentlich monumentalen Gebiete ausgezeichnet, sie hat, wie u. a. Otto Jahn dankbar bekannte, auf die spätere Generation durch zweckmäßige Vergleichung, scharfe Betonung der stilistischen Merkmale großen Einfluß geübt. Seine systematische Behandlung, welche sich auf eine theils philosophische, theils monumentale Darstellung der Mythologie erstreckt, wird durch eine große Neigung zu kühnen Combinationen und eine mehr und mehr hervortretende Ueberschwänglichkeit der Schätzung und des Ausdrucks beeinträchtigt, und es fehlt nicht an zuversichtlichen Behauptungen, welche eine nüchterne philologische Kritik bezweifeln lehrt. Aber überall ist sie geistreich, anregend und lehrreich. Jüngern Gelehrten und Künstlern widmete er persönlich gern seine Zeit, und Alle, welche unter seiner Leitung sich mit den römischen Denkmälern und Sammlungen bekannt machten, haben sich der reichen Belehrung stets dankbar erinnert. – Unter seinen zahlreichen Schriften nehmen außer den Abhandlungen in den Institutswerken und mehreren gediegenen Monographien über Tages (1889), den geflügelten Dionysos (1839), [265] einen Spiegel mit Orestes (1840), das Labyrinth des Porfena (1840) u. a., die „Zwei Dekaden antiker Marmorwerke“ Leipzig fol. 1843, „Die 12 Reliefs der Villa Spada“ (1845) einen hervorragenden Platz ein. Sehr schätzbar sind auch die „Vorschule zur Kunstmythologie“ (1854), an eigenthümlichen Gesichtspunkten reich, die „Grundzüge der Denkmälerkunde“ (Gerhard, Studien Thl. II. 1846 u. 51), seine „Mythologie“ (1853). Das Buch über die Ruinen und Museen Roms (1854) zeigt Braun’s Vorzüge und Fehler am deutlichsten; man wird nicht selten bemerken, daß er seinen eigenen Ideenreichthum auf die Monumente überträgt, aber stets zu eigenem Nachdenken angeregt werden und die Gabe der Beobachtung bewundern. Auch um die römische Topographie (Allgem. Zeitung 1855 u. 56) und mit vielem Verständniß um die neuere Kunst hat B. sich verdient gemacht. Umfassendere Pläne zu einem System der Denkmälerkunde u. a. hat sein frühzeitiger Tod abgeschnitten.

Allg. Zeitung 1856 Nr. 287. N. Preuß. Zeitung 1856 Nr. 258. Archäol. Anzeiger 1857 Nr. 99. Gerhard’s Programm z. Winkelmannsfest 1856.
Urlichs.