ADB:Chilperich II.

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Artikel „Chilperich II.“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), ab Seite 475, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Chilperich_II.&oldid=566308 (Version vom 10. Dezember 2009, 17:00 Uhr UTC)
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Chilperich II., merovingischer Frankenkönig a. 715–720, Sohn des a. 673 ermordeten Childerich II. a. 660–673 (s. den Artikel) und der mit ihrem Gatten ermordeten Bilichildis; er war im Kloster erzogen und später unter dem Namen Daniel zum Priester geweiht worden. Als Dagobert III. (s. den Artikel) a. 715 starb, erhoben die Neustrier unter Umgehung des kleinen Knaben Dagobert’s Theuderich (IV., a. 720–737, s. den Artikel), den sie in das Kloster Chelles verbrachten, Ch. zu ihrem König, vermuthlich weil sie einen reifen Mann – er war der erste Meroving seit 25 Jahren, der nicht als Kind den Thron bestieg – an der Spitze ihres Theilreiches sehen wollten, in dem Kampfe gegen das austrasische, in welchem damals Plektrudis, die Wittwe, und Karl Martell, der Sohn Pippin’s des Mittleren (s. die Artikel) in unheilvollem Zwist sich bekämpften, während die Neustrier im Bunde mit den Friesen beide zu vernichten und den neustrischen König und dessen Hausmeier Raginfred zu Herrschern auch über Austrasien zu erheben trachteten. Ein neustrisches Heer zog a. 716 gegen die Maas, dann unter Ch. nach einer Niederlage Karl’s durch die Friesen unter Ratbod bei Köln (s. den Artikel) vor diese Stadt und zwang die dort belagerte Plektrudis, Ch. II. als König von Austrasien anzuerkennen. Aber auf dem Rückweg ward Ch. und sein Heer von Karl bei Amblève östlich von Malmedy überfallen und gründlich geschlagen; nach neuen Rüstungen auf beiden Seiten zog Karl im Frühjahr a. 717 angreifend an Rheims vorüber nach Neustrien, schlug am 21. März Ch. bei Vincy südlich von Cambrai und verfolgte die Fliehenden bis gegen Paris hin. Umkehrend zwang er Plektrudis zur Uebergabe von Köln und erhob, da er noch nicht wie später (a. 737–741) wagte, als major domus ohne König zu herrschen, noch weniger, schon selbst den Thron zu besteigen, einen Merovinger Chlothachar IV. (s. den Artikel, unbekannten Verwandtschaftsverhältnisses zu Ch. II. und unbekannten Alters) zum König, zunächst wol von Austrasien, vorbehaltlich der angestrebten Eroberung Neustriens. Hiegegen suchten Ch. und sein Hausmeier Raginfred ein Waffenbündniß mit dem mächtigen Herzog Eudo von Aquitanien (s. den Artikel), den sie als unabhängigen Herrscher, der er thatsächlich schon war, auch rechtlich nun anerkannten: er kam auch mit seinen Aquitaniern und zog mit Ch. und Raginfred Karl bis Soissons entgegen (a. 719): hier aber floh Eudo vor dem Kampfe nach Hause, Ch. und dessen Schätze mit sich führend bis über die Loire, es ist zweifelhaft, ob als Gefangenen oder Gast. Nach dem glänzenden Siege Karl’s über Raginfred bei Soissons und dem wenig späteren Tod (a. 719) seines Schattenkönigs Chlothachar IV. verständigte sich der Sieger mit Eudo, ließ sich Ch. ausliefern, aber nicht, um ihm ein Leides zu thun, sondern um ihn als alleinigen König des ganzen Frankenreiches anzuerkennen, als welcher er aber schon a. 720 starb.

Quelle: Die Annalen (a. 715–720) und die Gesta (cont. Fredig.) c. 52. 53.
Litteratur: Dahn, Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker III, 1883 f., S. 660–777; – Deutsche Geschichte Ib, 1888, S. 222 f.
Dahn.
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