ADB:Clam-Gallas, Eduard Graf von

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Artikel „Clam-Gallas, Eduard Graf von“ von Oscar Criste in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 487–490, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Clam-Gallas,_Eduard_Graf_von&oldid=1699208 (Version vom 25. Oktober 2014, 11:11 Uhr UTC)
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Clam-Gallas: Eduard Graf C.-G., k. k. General der Cavallerie, geboren am 14. März 1805 in Prag, trat im Februar 1823 als Cadett in das Cürassierregiment, wurde noch in demselben Jahre Unterlieutenant im Husarenregiment Nr. 2 und durchlief dann so rasch die folgenden Chargengrade, daß er bereits im J. 1839 Oberst im 8. Cürassierregiment war. Am 16. November 1846 zum Generalmajor befördert und mit dem Commando einer Brigade in Josephstadt betraut, kam C. am 18. Januar 1848 nach Mailand, woselbst er eine Brigade beim 1. Armeecorps übernahm. Bei den am 15. März ausgebrochenen Unruhen in der lombardischen Hauptstadt, richteten sich die Angriffe der Mailänder besonders gegen die nach Piemont führende Porta Ticinese. GM. Graf C., welchem die Vertheidigung des Rayons von Porta Tosa bis Porta Ticinese mit 2½ Bataillonen übertragen [488] war, behauptete jedoch das Thor und die an dasselbe grenzende Piazza di San Eustorgio trotz der wiederholten Angriffe durch zwei Tage, übernahm dann die Vertheidigung des südlichen und westlichen Theiles des Walles und der Thore, säuberte am 22. alle Gebäude, die an den Wall stießen, von den Aufständischen und deckte am Morgen des 23. auf der Straße von Landriano die rechte Flanke der abziehenden Hauptcolonne. Am 6. Mai bei Santa Lucia stand die Brigade C. am äußersten rechten Flügel bei Tombetta und wurde anfangs nur schwach angegriffen; allein der Verlust von Santa Lucia gab ihre rechte Flanke bloß, so daß sie an das Rondell zurückgezogen werden mußte. Verstärkt durch 11 Bataillone echellonirte dann C. seine Brigade, so daß sie den Ort in der Flanke nehmen konnte und führte diese Bewegung so rasch und geschickt durch, daß der Feind den Angriff gar nicht mehr abwartete, sondern in vollständiger Unordnung Santa Lucia räumte und sich auf der ganzen Linie zurückzog. Als FM. Graf Radetzky einige Tage später die Höhen vorwärts Verona, auf welchen am 6. Mai gekämpft worden, durch eine Reihe von Schanzen befestigen ließ, welche sich in einem Halbkreise von der Etsch um die vordere Front der Festung zogen, benannte er diese Schanzen und Batterien nach jenen Generalen, welche sich bei Santa Lucia ausgezeichnet hatten und es erhielt die erste vom linken zum rechten Flügel den Namen: Redoute Clam.

Am 29. Mai hatte die Brigade Clam in der Division FML. Fürst Karl Schwarzenberg des 1. Armeecorps mit der Brigade Strassoldo als mittlere Colonne, auf der von Fort Belfiore nach Montanara führenden Straße, diesen stark verschanzten und besetzten Ort anzugreifen. Neben den Obersten Benedek und Reischach war es GM. Graf C., der an diesem Tage sich mit Ruhm bedeckte. Am 30. Mai nahm C. mit seiner Brigade an dem Gefechte bei Goito theil und wurde sowol in diesen Kämpfen als auch in dem Treffen bei Vicenza, 10. Juni, unter den Ausgezeichneten genannt. An der Schlacht von Custoza nahm die Brigade Clam hervorragenden Antheil. Während das 1. Armeecorps, zu dem die Brigade gehörte, am 23. Juli von Santa Lucia gegen Sommacampagna vorrückte, war C. zur Deckung der linken Flanke beordert, mit dem Auftrage, auf der von Verona nach Villafranca führenden Straße stehen zu bleiben und diesen befestigten und vom Gegner stark besetzten Ort zu beobachten. C. rückte mit Tagesanbruch bis Ganfardine vor, ging dann während des Gefechtes bei Sommacampagna, ohne auf den Feind zu stoßen, bis auf die östlich von Custoza gelegenen Höhen, die er mit einbrechender Nacht besetzte. Am 24. N. M., da von der Brigade Simbschen abgelöst, rückte C. in die Stellung zwischen San Zeno, Gardone und Feniletto und setzte sich sowol mit dem Monte Vento als auch mit Valeggio in Verbindung. Am 25. V. M., nach dem abgewiesenen feindlichen Angriff auf Valeggio, rückten aus der Ebene von Villafranca starke feindliche Colonnen in das unterhalb Custoza befindliche Tione-Thal und griffen den linken Flügel der Brigade C. mit Ungestüm an. GM. C., der die große Gefahr erkannte, welche der ganzen Armee drohte, falls es dem Gegner gelang auf seinem linken Flügel durchzubrechen, hielt, ungeachtet des erhaltenen Befehles zum Rückzuge in seiner Stellung aus und es gelang ihm durch eine im heftigsten feindlichen Geschützfeuer durchgeführte Frontveränderung den Gegner, welcher sich schon der umliegenden Höhen bemächtigt und daselbst sechs Batterien eingeführt hatte, in der Flanke zu fassen und ihn nach einem mehrstündigen Gefechte zum Rückzuge gegen Villafranca zu zwingen.

Nach der am 6. August 1848 erfolgten Einnahme von Mailand wurde GM. C. mit dieser Nachricht an das Kriegsministerium nach Wien gesandt. [489] Zur Armee zurückgekehrt, nahm C. mit seiner Brigade noch an dem Kampfe gegen Piemont im März 1849 Antheil. Graf C., der für seine Leistungen bereits mit dem Leopoldorden ausgezeichnet war, erhielt vom Ordenscapitel des Jahres 1848 das Ritterkreuz des Maria-Theresienordens, doch verzichtete er auf die mit diesem Orden verbundene jährliche Pension von 600 Gulden auf Lebenszeit und widmete sie den mit Tapferkeitsmedaillen Ausgezeichneten und Verwundeten jener Truppen, welche bei Custoza unter ihm gekämpft hatten. Am 30. April 1849 rückte C. zum Feldmarschalllieutenant vor, am 3. Juni jenes Jahres wurde ihm, an Stelle des FML. v. Malkowsky das Commando über das Siebenbürger Armeecorps übertragen, das zu jener Zeit noch in der Walachei stand. Am 23. Juni brach C. mit dem Corps aus dem Lager von Csernetz auf, führte es durch die Walachei nach Kronstadt, schlug die Ungarn in dem Treffen bei S. Sz. György (23. Juli) und Kafzan Ujfalu (1. August), zersprengte ihre Schaaren und rückte dann nach Csik-Szereda vor, um die Entwaffnung des Szeklerlandes ins Werk zu setzen. Am 16. October 1849 wurde C. zum Commandanten des 1. Armeecorps in Wien ernannt, erhielt am 24. Januar 1850 die Inhaberschaft des Chevaux-legersregiments Nr. 6 und am 17. April 1853 die Würde eines Geheimen Rathes. Im Feldzuge gegen Frankreich und Italien 1859 commandirte C. das 1. Armeecorps. Daß er zu dieser Stellung auserwählt wurde, verdankte er doch nicht, wie vielfach behauptet wird, seiner Geburt allein und der Einwirkung der österreichischen Aristokratie, sondern seinen zweifellos hervorragenden Leistungen in Italien und Siebenbürgen 1848/49, welche das Beste von ihm hoffen ließen. Und wenn C. bei Magenta und Solferino die Erwartungen nicht erfüllte, die man von ihm gehegt, so waren daran zumeist Einflüsse schuld, die aufzuklären der Zukunft vorbehalten bleiben muß. Dafür spricht wol auch der Umstand, daß C. nach dem Kriege zum commandirenden General in Prag ernannt wurde. Am 14. Mai 1861 rückte er zum General der Cavallerie vor, dann erfolgte seine Berufung in das Herrenhaus auf Lebenszeit und im J. 1862 erhielt er den Orden des goldnen Vließes. Als Herrenhausmitglied vertrat C. vor allem den altösterreichischen Standpunkt; die uneingeschränkte Erhaltung des einheitlichen Bestandes des Kaiserstaates und seine ungetheilte Machtstellung nach Außen und im Innern war der Hauptgrundsatz seines politischen Programms. Im Kriege gegen Preußen 1866 commandirte C. das 1. Armeecorps, welches mit den sächsischen Truppen vereint, unter dem Oberbefehle des Kronprinzen Albert von Sachsen stand und als westlicher Flügel der österreichischen Hauptarmee die Aufgabe hatte, den etwaigen Vormarsch der über Reichenberg und Rumburg nach Böhmen eindringenden feindlichen Heeresmacht in fester Stellung bei Münchengrätz und Turnau zu erwarten und deren Vordringen gegen Prag zu verhindern oder doch so lange aufzuhalten, bis die Aufstellung der Hauptarmee unter Benedek bei Olmütz und Königgrätz vollzogen sei, wobei gleichzeitig darauf Bedacht genommen werden mußte, eine Vereinigung mit der Hauptarmee gegebenen Falles rasch ausführen zu können. In der Schlacht bei Jicin, die C. im Einvernehmen mit dem Kronprinzen von Sachsen annahm, unterlag er jedoch und seine Niederlage war entscheidend für den weiteren Verlauf des Feldzuges. Aber es wäre zu dieser Schlacht nicht gekommen, wenn C. den Befehl, jeden Kampf gegen überlegene Streitkräfte zu vermeiden, nicht zu spät erhalten hätte. Wie es stets zu geschehen pflegt, wendete sich dann die ganze, rücksichtslose, wenn auch selten begründete Entrüstung der „Oeffentlichkeit“ gegen den unglücklichen General. Die Zeit hat auch, hier zum Theil wenigstens, – Wandel geschaffen und das spätere, ruhigere und deshalb objectivere Urtheil [490] hat auch C. Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn er auch an der Niederlage nicht von aller Schuld freizusprechen ist. – Mit dem Kriege von 1866 war auch die kriegerische Laufbahn Clam’s, die so glänzend begonnen hatte, beendet. Das Kriegsgericht, vor welches er auf eigenes Verlangen gestellt wurde und vor dem er den Nachweis erbrachte, daß er die Schlacht von Jicin keineswegs im Widerspruche mit den erhaltenen Befehlen geliefert hatte, sprach ihn frei und er genoß die Genugthuung, daß ihn sein kaiserlicher Herr durch ein Handschreiben auszeichnete, in welchem derselbe seine Befriedigung aussprach, daß der Spruch des Kriegsgerichtes „Meiner Armee und dem Staate den Ruf und Namen eines tapferen Generals, der Mir und Meinem Hause lange Jahre mit wahrer Hingebung diente, makellos erhalten hat“. Aber C. schied doch am 23. October 1866 aus den Reihen der activen Armee und quittirte am 28. Februar 1868 seine Stellung mit Beibehalt der Charge und Verzicht auf jede Pension. Graf C., der am 17. März 1891 starb, war mit der Gräfin Clotilde Dietrichstein vermählt († am 31. October 1899) und hinterließ einen Sohn, Graf Franz C. und zwei Töchter, von welchen die ältere mit dem Fürsten Karl Khevenhüller-Metsch, die jüngste mit dem Grafen Coloman Festetics vermählt ist.

Acten des k. und k. Kriegs-Archivs. – Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. – Hirtenfeld, Der Militär-Maria-Theresien-Orden u. s. Mitgl. – Die einschlägige kriegsgeschichtl. Litteratur.
Oscar Criste.