ADB:Danhauser, Joseph

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Artikel „Danhauser, Joseph“ von Karl Weiß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 726–729, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Danhauser,_Joseph&oldid=2044354 (Version vom 24. Oktober 2014, 11:14 Uhr UTC)
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Danhauser: Joseph D., Maler, geb. zu Wien 18. Aug. 1805, gestorben daselbst 4. Mai 1845, war der älteste von drei Söhnen des Joseph D., eines durch künstlerische Vorbildung und Unternehmungsgeist hervorragenden [727] Industriellen, welcher sich zuerst durch seine Erzeugung von Holzbroncewaaren, später durch die von ihm errichtete Fabrik für Möbel und Bildhauerwaaren einen ausgebreiteten Ruf erworben hatte. Er genoß in dem Hause seines Vaters eine sorgfältige Erziehung und zeigte schon als Knabe ein ungewöhnliches Talent für die bildenden Künste, was der Vater mit um so größerer Freude begrüßte, als er seinen ältesten Sohn zum Nachfolger in seinem Geschäfte bestimmt hatte. Nachdem D. von seinem Vater selbst den ersten Zeichenunterricht genossen, kam er an die Akademie der bildenden Künste und wurde ein Schüler Albrecht Krafft’s. Je größere Fortschritte der Künstler, umgeben von gleichstrebenden Freunden wie Schwind, Ranftl und Aichholzer in der Malerkunst machte, desto mehr beängstigte ihn der Gedanke, derselben entsagen zu müssen, wenn er dem Willen seines Vaters entsprechen sollte. Es kam darüber im Laufe der Jahre mit dem Vater zu harten Erörterungen und nur nach langem Widerstreben gestand dieser seinem Sohne in einem Briefe zu, „er möge, wenn sein Verlangen darnach stehe, sich ganz der Kunst widmen“. Nur kurze Zeit genoß der junge Künstler das Glück, sorglos auf idealen Bahnen wandeln zu dürfen. Im Jahre 1828 bei dem Dichter und Erzbischofe von Erlau, Ladislaus Pyrker, dem langjährigen treuen Freunde der Familie, in dessen Residenz zu Erlau in Ungarn lebend, traf D. Ende Januar 1829 die erschütternde Nachricht von dem plötzlichen Tode seines Vaters. Mit tiefer Betrübniß gab es dem Drängen der Mutter nach, die Leitung des Geschäfts zu übernehmen und tiefe Schwermuth erfüllte den bisher heiteren lebensfrohen jungen Mann, als er einen genaueren Einblick in die ihm bevorstehende schwierige Aufgabe gewann und er sich bei seinen Vorschlägen zur Rettung des verschuldeten Geschäfts vor dem gänzlichen Ruine nicht in Uebereinstimmung mit seiner Mutter fand. Insoweit es seine Stellung gestattete, war D. auch bemüht, seiner Aufgabe gerecht zu werden. Er machte Entwürfe zu Zimmereinrichtungsgegenständen und sorgte für deren geschmackvolle Durchführung. Dabei ließ er aber doch die Malerkunst nicht bei Seite. Im Herbste 1832 entriß er sich mit Gewalt dem Gewirre der Geschäfte und folgte der Einladung des Erzbischofs Pyrker nach Erlau, um dort mit voller Hingebung der Kunst zu leben. In diesem fast erdrückenden Kampfe zwischen Pflicht und Neigung vergingen Jahre. Vergeblich war das Streben der Mutter, durch äußeren Glanz den Credit des Hauses zu erhalten. Immer größer wurde die Schuldenlast und wiederholt mußte D. mit seiner Bürgschaft eintreten, um die geängstigte Mutter von drängenden Gläubigern zu befreien. Im J. 1838 hatte D. eine Stellung als Corrector an der königl. Akademie der bildenden Künste erhalten, wodurch er in die lang ersehnte Lage gekommen war, seine Jugendgespielin Josephine Streit, an welche ihn seit Jahren eine innige Neigung gefesselt, ehelichen zu können. Bald nach seiner Verheirathung hatte D. das Haus der Mutter verlassen und, 1840 zum Professor der Akademie der bildenden Künste ernannt, sich in einem freundlich gelegenen Hause mit der Sorgfalt des Hausvaters und der Anmuth des Künstlers sein Heim gegründet. In diesem glücklichen Stillleben schuf D., angeeifert von seinem Mäcen und Freunde Rudolf v. Arthaber, eine Reihe seiner besten Werke. D. genoß aber dieses Glück nur wenige Jahre. Zunächst wirkte der Tod der Mutter tief verstimmend auf sein Gemüth. Dann kam er in Conflict mit mehreren seiner besten Freunde. In heftigen Journalartikeln angegriffen, componirte nämlich der Künstler eine Gruppe von drei Hunden, in welcher seine drei heftigsten Recensenten fein charakterisirt waren. Als der Kunstverein die Annahme des Bildes verweigerte, fühlte sich D. derart verletzt, daß er 1842 seine Professur niederlegte und Wien verließ. Er unternahm mit Arthaber eine größere Reise in das Ausland und zwar nach Deutschland, Belgien und Holland, welche außerordentlich anregend auf seine geistige Kraft gewirkt [728] hatte. Im Sommer 1844 sollte D. neuerdings eine Reise unternehmen. Da zerstörten traurige Ereignisse die schon fertigen Pläne. Franz, sein jüngerer Bruder, der von ihm innig geliebte Gefährte seiner Jugend, erlag plötzlich dem Typhus. Davon tief ergriffen, neigte sich D. zur Melancholie und es verließ ihn nicht der Gedanke des ihm gleichfalls bevorstehenden nahen Todes. Schon war er entschlossen, durch eine Reise nach Paris sich der qualvollen Stimmung zu entreißen, als auch er, vom Typhus ergriffen, am 4. Mai 1845 im kräftigsten Mannesalter starb. Mit D. verlor die österreichische Kunst einen der bedeutendsten Genremaler. Er mag in der Technik der Farbengebung wie überhaupt in der Ausführung der Bilder von andern Künstlern weit übertroffen worden sein, aber gewiß gab es sehr wenige, welche wie er, bei so vielseitiger Bildung einen so poetischen Sinn und eine so glückliche Beobachtungsgabe in Verbindung mit Wahrheit und Natürlichkeit des Ausdrucks besaßen. Der Hang zu historischen Darstellungen prägte sich schon in dem heranwachsenden Jüngling aus, als er einen seiner Lehrer, welcher Apollo’s Leier erfolglos spielte, in einer kecken Federzeichnung auf seinem mageren Pegasus darstellte. Kaum aus der Akademie getreten, forderte die Armseligkeit der Wiener Kunstverhältnisse, der Gegensatz pathetischer Darstellungen zu der Frivolität und der Aermlichkeit der Darstellenden seine Satire heraus. Er schuf „Das Scolarenzimmer eines Malers“ (1828) und „Komische Scene im Atelier eines Malers“ (1829), zwei kleine Bilder (heute im Besitze des Belvedere), welche, vielfach nachgebildet, sogleich sein eminentes Talent zeigten. Noch war sich aber D. der zu verfolgenden Kunstrichtung nicht klar. Unter dem Einflusse Pyrker’s versuchte er sich in nächster Zeit vielfach im Historienfache und malte eine nicht geringe Anzahl von Altarblättern oder nahm biblische Stoffe zu seinen Bildern, wie sein Lazarus, Samson und Delila und Hagar bezeugen. Mit dem letzteren Bilde trat der Künstler jedoch schon entschieden in eine bestimmte Richtung ein. Er behandelte die von der Akademie gegebene Aufgabe ungeachtet des biblischen Stoffes in einem Stile, welcher dem akademisch-historischen gegenüber als genreartig bezeichnet werden muß. Trotzdem viele Danhauser’s „Hagar“ als eine Blasphemie bezeichneten, so machten doch die originelle Auffassung und die technische Gewandtheit eine solche Wirkung, daß er (1836) den akademischen Preis erhielt. Hiedurch angeeifert, kam er auf die Idee, biblische Stoffe auf moderne Weise zu behandeln. So entstanden der „reiche Prasser“ (1838), die „Klostersuppe“ (1838), der „Pfennig der Wittwe“ (1839), Bilder, welche von allen Traditionen der Wiener Schule abweichend, dem Künstler eine ungewöhnliche Popularität verliehen. Sein lebendiger Sinn für psychologische Studien, für Darstellungen aus dem socialen Leben der Gegenwart rief mehrere seiner gelungensten Werke: den „Augenarzt“ (1837), die „Testamentseröffnung“ (1839), „Wein, Weiber und Gesang“ (1840), die „Aufgehobene Pfändung“ (1840), „Franz Liszt am Clavier“ etc. hervor. Einen Einblick in die glücklichsten Tage seines Familienlebens geben „Das Kind und seine Welt“, „Großmutter und Enkel“, „Die kleinen Virtuosen“, „Der kleine Maler“ und „Die Mutter mit dem Kinde“, sinnige Bilder voll liebenswürdigen Humors. Seine Reise nach Belgien und Holland weckte in ihm neue künstlerische Motive. Durch die nationalen Gestalten der holländischen Maler wurde er aufmerksam gemacht, welch’ reichen Boden auch seine Heimath an Volkstypen besitze. Zurückgekehrt von der für ihn genußreichen Reise vertiefte sich D. in neue Studien. Er durchwanderte Wien und seine Umgebungen zur Auffindung von Originalen. So entstanden die Bilder „Leyermann“, „Weinkoster“, „Sonntagsruhe“, „Clavierspielerin“, „Der Raisonneur im Weinkeller“ und „Der tanzende Slovake“ etc. Dabei gestaltete sich in ihm die Composition von vier großen aus dem Volksleben gegriffenen Bildern, wobei ihm das Schicksal [729] eines durch einen Gewinn in der Staatslotterie zum reichen Mann gewordenen Freundes vorschwebte, welcher, nachdem er alles verschwendet, als Familienvater im Elende geendet hatte. Es kamen jedoch davon nur zwei Bilder „Der Loosverkaufer“ und „Der Feierabend“ zur Ausführung; der jäh eingetretene Tod des Künstlers unterbrach die Vollendung des Cyclus. Von Danhauser’s Hand rührt auch die Zeichnung von zwölf Porträts der Wiener Künstler Redl, Fendi, Schaller, Klieber, Stöber, Petter, Steinfeld, Thom. Ender, Waldmiller, Gauermann, Ballerini und Amerling (1834), der Dichter Halm und Grillparzer und des Gelehrten Freih. v. Hammer-Purgstall her, welche Stöber radirte. D. radirte selbst fünf Genrebilder. Seine bedeutenderen Werke sind meist von Stöber für den Wiener Kunstverein in Kupfer gestochen worden.

Joseph Danhauser. Ein Bild aus dem Wiener Kunstleben in der Oest. Revue Jahrg. 1865. III. Bd. 146. – C. v. Wurzbach, Biogr. Lexikon V, 153. – Rud. v. Eitelberger’s Aufsätze über Danhauser’s Werke in Frankl’s Sonntagsblättern, Jahrg. 1843. Kunstblatt Nr. 4, Jahrg. 1844. S. 587 und Jahrg. 1845, Kunstblatt Nr. 19.
K. Weiß.