ADB:Herberts, Hermann

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Artikel „Herberts, Hermann“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), ab Seite 39, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Herberts,_Hermann&oldid=553769 (Version vom 25. Dezember 2009, 04:17 Uhr UTC)
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Herberts: Hermann H., freisinniger und frommer Theolog dez 16. Jahr- hunderts?, welcher mehr oder weniger alS Vorläufer der späteren Remonftranten zu betrachten ift. Cr ward 1540 al8 Sohn katholischer Eltern zu Grol geboren, erhielt eine klöfterliche Erziehung und trat zwischen 1560 und 1564 in daö Kloster Burlo ein, wo er unter dem reformfreundlichen Prior Arndt Proeustynck [40] mit den Schriften Luthers bekannt und bald für die neuen ReligionSansichten gewonnen wurde. Daher verließ er sein Kloster 1566 und erhielt die Pastor- stelle der Gemeinde zu WinterSwyk, mußte aber flüchten, als Herzog Alba in die Niederlande kam. Kurz nachher trat er alS Prediger bei der reformirten Ge- meinde zu Nieder-Wesel auf, und folgte 1577 einem Ruf an die Gemeinde zu Dordrecht, wo seine kraftvolle Beredtsamkeit großen Beifall fand. Umsonst ver- suchten die Gemeinden zu Antwerpen und Mecheln ihn zu sich zu ziehen; nur Gouda erhielt den trefflichen Prediger während zweier Monate leihweife, wie e-ö in jenen Zeiten oft geschah. Diese besondere Auszeichnung aber, welche H. überall zu Theil ward, weckte die Eifersucht seiner Collegen, Heinrich van den Cornput und Servatiu8 NaeranuS; einige wenig bedeutende Lehrdifferenzen ver- ursachten bald große Streitigkeiten, welche sich weiter auSbrciteten, seit H. es 1582 wagte, mit der Predigt über den Heidelberger CatechiSmuS aufzuhören. Eine Unterredung mit seinen Collegen führte den Frieden nicht herbei, veranlaßte vielmehr seine SueL3pension, und, al8 er aus seiner Meinung beharrte, seine Ent- lassung. Schon vorher war er nach Gouda abgereist– Wiewohl er daß Glaubens- bekenntniß von Guido de BreZ zu unterzeichnen sich weigerte und keine kirchlichen Zeugnisse vorlegen konnte, gewährte der Kirchenrath, unter Genehmigung der Stadtregierung ihm doch eine Predigerftelle; von der Gemeinde wurde er freund- lichft empfangen und kräftig geschützt, alS die Streitigkeiten sich ungeachtet feiner Entfernung von Dordrecht dort nicht beruhigten. Die Gegner warfen ihm vor, er habe feine Lehrfätze dem Schwenckfeldt, Coornhert und David JoriSz entlehnt, sei auch an dez letzteren »Wonderboek« betheiligt. Sie brachten daher seine An- gelegenheit vor die Clasfe von Dordrecht. Als aber verweigerte, sich vor dieser Versammlung zu verantworten, rief 1nanPrinzWilhel1n von Oranien zur Hülse, welcher den RathSherrn Adrian van der Myle zur Schlichtung der Zwistigkeiten nach Dordrecht abfertigte. Zwar wußte dieser einen Vergleich zu treffen, bei welchem H. bezeugte, er habe vielmalS eine Abweichung von der Kirchen- lehre und vom Catechi-SmuS bezweckt. AlS aber der Kircheurath zu Dordrecht ihn1die Abendmahl8feier verweigerte, scheiterte dieser Vermittlungövcrsuch ganz und gar und auch die Provinzialsynode, welche 1583 im Haag zusammenkam, bemühte sich umsonst um die Beendigung der Streitigkeiten. Vielleicht würde die Sache keinen weiteren Erfolg gehabt haben, wenn nicht 1584 von der Hand HerbertS, zur Vertheidigung seiner Ansichten, eine ,, (lo1–t9 u–e1–c1211sjng11e oN–e1– (1e u–0O1–(1(-11 1’s1u1j g05c1–cy011 tot.te11 li0n1ez–11e11 cup. l1. K8. 28«- gedruckt bei Dicrick M11l1en erschienen wäre. Ein großer Sturm erhob sich von allen Seiten wider diese Schrift und die P1–ovinzialsynode. welche 1586 zu Rotterdam stattfand, brachte die ganze Sache vor die Natioualsynode, welche im selben Jahre von Leicester im Haag berufen war. Siefprach aber den Angeklagten jeder Unrechtgläubigkeit frei. Vielen genügte aber dit-setz Urtheil dennoch nicht, und als H. 1589 eine weitere Erklärung seiner Ansichten l)erauSgab, wurde cr 1L-90 von der Provinzial- synode im Haag suSpendirt. Der .3kirchenrath und die Stadtregierung zu Gouda schützten aber ihren Prediger kräftig und erlaubten ihm, ungeachtet seiner SuS- pension, mit predigen fortzufahren, weshalb O2- nicht zur E.xcommunication kam. Nach Herau?3gabe einer Parteischrift »(Jo1–t en us8.er8(:11tjg11 ye1–11Ae1- yrwe1–0tnn1e (1e 1)8rtj(:u1iere 8)«110(10 mn Zuj(1 110l1;11s1(i bet b0e15 11(zr111u1111i lckS1–b01«t.8- p1–e(1j15-mt ter (30u(1e» gc-n:1cmt Corte E–e1–c1:11sj11g11 o3-er (1e u«oor(1e11 ?zu1i- Rom. 1l’ A18 0118u)-z-er S11(1e SO11:tc1e1)–c15 ;;e001·(:1e81t e11(1e11e111 nm 11er p1–et1j1(:111t gSSu8p911– c1eert– 0ft–e 0pge8c1101«St 11eekt«» ’S 11e1gc 1592- welcher H. ein »’1’0g0n1)erjcs11t tege11 een 8ee01c01– l-0011cO11 gej11titu1eS1–t: cort en UN891–zo11tigl1 D–er11ael«- wie auch eine »W8.erz(:11tig11e beS(:1sz–ssj11g11 x111Sr -1rticu1(-z11 e11(1e p0jt10te11 m1erme(1e lle111–j01; mu (1e11 0o1·111)ut S11 8erw.S8 2l:1l182oOn- (1i0nu1–e11 (1eS W001–(1S binnen 1)Ort11«ecbt [41] Iior1n8.11vuS llOrbertS» 118.1–e11 gUNse8eve11 meäe(1jen-1er, mu ml8011e 1eere bo-Sol1u1(1jo11c 11ebben» W801– b8118ye11S geyoeg11t iS llerm5mvj zum0orc1e«» (3o11(1-t 1592 entgegengeftellt hatte, beriefen die holländischen Staaten eine außerordent- liche Synode nach dem Haag im August 159Z, welche, auf Vermittlung Uiten- bogaertS- HerbertS’ SuZpenfion aufhob und feine Uebereinstimmung mit der Kirche aus-sprach. Umsonst versuchten einige Theologen die Streitigkeiten zu erneuern. H. lebte und arbeitete nun noch einige Jahre friedfam in der Gemeinde zu Gouda und f am 2Z. Februar 1607. Ohne Frage muß H. als Vorläufer der Re- monstranten betrachtet werden, indem er keine für Alle verbindende Autorität des Glauben-8bekenntnisseS und de-z CatechiSmuS anerkannte, eine freie Untersuchung der heiligen Schrift forderte, alle Autorität der Lehrmeinung verwarf und der 1:eformirten Lehre von der Prädeftination und der Zurechnung der Verdienste Christi nicht zuftimmte. Mit großer Gelehrsamkeit und Schärfe trat er seinen Gegnern entgegen und ez ist ihm eine gewisse Unbeugsamkeit nicht abzufprechen. Gleichwohl war daß theologische Gezänk ihm sehr verhaßt und sein ganzer Eifer galt nur dem Streben nach einer wahrhaft lebendigen und praktischen Religion. Van der Aa, Bi0gr. Woor(1enb. GlasiuS, (3to(1ge1. Re(1e1«1.; besonders'- aber H. C. Rogge im 1i:11el1(161– wor l’r0teSt. j11 IeC1e1«1. 1858, Bl. 140 und die dort genannten Quellen.

van Slee.
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