ADB:Heresbach, Konrad
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Heresbach: Konrad H., geb. am 2. August 1496, f 1576. AlS der Sohn dez begüterten Befitzer5 dez Salhofe8 Hertzbach an der Düssel im Herzog- thum Berg erhielt er eine sorgfältige Erziehung. Nachdem er die Schulen zu Werden, Hamm und Münster eine Zeit lang besucht hatte, begab er sich 1512 nach Köln, wo er am Z0. October immatrikulirt und alS Zögling der Montaner Burje aufgenommen wurde. JM J. 1515 wurde er zum Magister der freien « Künste promovirt und trat dann in die juristische Facultät ein. Zur weiteren Ausbildung in der JuriS-prudenz und zu seiner Vervollkommnung in der Kennt- niß der französischen Sprache besuchte er einige französische Universitäten. Jm Sommer 1519 kehrte er alS BaccalaureuZ der Rechte nach Köln zurück. Seinen Leben8beruf glaubte er in der Stellung als akademischer Lehrer zu finden. Darum nahm er im Juli 1521 eine Professur der griechischen Wissenschaften an der Hochschule zu Freiburg an. Nachdem er hier eine kurze Zeit die Erziehung eineS jungen Grafen und eineS SohneS deZ Bafeler Buchhäx1dlerS Frobeniu–Z geleitet hatte, begab er sich Ostern 1522 nach Ferrara, um den juristischen Doctorgrad zn erwerben; die Promotion erfolgte bereitS am 22. October. Neben der Rechts- wissenschaft beschäftigte sich H. auch mit großer Vorliebe mit den theologischen Zeitfragen und dem Studium der hebräischen Sprache. JN Padua hörte er hebräische Grammatik und Erklärung der Psalmen beim Genuefer Augustin Juftiniani. Von Padua ging er nach Freiburg zurück Und übernahm wieder die Lehrstelle für griechische Grammatik. Bald entschloß er sich zur Herausgabe einer vollständigen und. gemeinverftändlichen Anleitung zur Erlernung der griechischen Sprache, welche?: Buch in kurzer Zeit sechZ Auflagen erlebte. Wegen verschiedener Djfferenzen mit dem akademischen Senat Über Erhöhung feiner Be- soldung fehnte er sich nach einem anderen WirkungSkreist–. Diesen fand er alZ Erzieher deS jungen Erbprinzen von Clt–ve. Dem Herzog von Cleve, einem be- geisterten Verehrer deS EraSmuS, war H. al–S ein Mann empfohlen worden, der besonderS geeignet sei, in dem jungen Prinzen eine versöhnliche, irenische religiöse Richtung zu festigen. KeineSweg8 täufchte man sich in dieser Beziehung in ihm. Am clevifchcn Hofe hatte der HumaniSmu8, der viekfach ale?- der Vermittler in den bitteren theologischen Streitigkeiten angesehen wurde, freundliche Aufnahme gefunden. H. gehörte zu den H11maniften, ohne gerade äußerlich in den K«reiS derselben getreten zu fein und den Willen, sich an ihren Kämpfen gegen die Ob- fcuranten betheiligen zu wollen, kund gegeben zu haben. Von einem großen Theil der Humaniften unterschied er sich dadurch, daß er den Grundprinzipien de?- ChristenthumS treu blieb und die christlichen Jdeen in Wissenschaft und Leben, in feinen Schriften wie in feiner amtlichen Wirksamkeit mit Entschieden- heit vertreten wollte. Seine Absicht war eS, die humaniftifche R5chtung mit der protestantischen und katholischen Kirche zugleich zu versöhnen Und feine Kräfte zur Bildung einer Land-eSkirche auFzuwenden, welche die Anhänger des:- alten Syfte1nS und die Freunde der neuen Grundsätze gleichmäßig befriedigen sollte, den Aberglauben wollte er bekämpfen, ohne den Gkauben anzugreifen, die Bar- barei beseitigen, ohne die treue Pflegerin der Cultur, die christliche Lehre in ihren Grundlagen zu erschüttern. Am 1. September 1523 trat er sein Amt alS Erzieher de4J jungen Prinzen an, der eben in’S achte LebenSjahr getreten war. Lehrer und Schüler waren verwandte Naturen. Jhr ursprüngliche?- Verhältniß ist deShalb später in daß dez älteren zum jüngeren Freunde übergegangen. Der Vater des Prinzen, Herzog Johann, in dessen Händen die Besetzung der meisten [104] kirchlichen Pfründen des clevifchen Herzogthumö lag, verlieh dem von ihm außer-Z ordentlich hochgeschätzten Erzieher seine-H Sohnes-Z ein Canonicat am Stifte zu« Xanten und die Anwartschaft auf die Propstei zu ReeS. Bald gewann H. auch einen großen Einfluß im Rathe des Fürsten und bei den wichtigsten Regierungsz- verhandlungen war HereSbach’S Rathfchlag maßgebend. Am 28. Juni 1534 erhielt er die Ernennung al8 clevischer geheimer Rath. Hiermit erhielt die Stellung, welche er biz dahin im StaatSrath nur vertraulich versehen hatte, eine legale Grundlage und einen amtlichen Charakter. Zu Here5'zbach«S Zeit waren die politischen Fragen mit den kirchlichen so enge verwachsen, daß ein politischer Charakter ohne bestimmte kirchliche Färbung nicht denkbar war. H. gehörte zu der ve1:föhnlichen Cassander’schen Richtung in der katholischen Kirche, stand in freundfchaftlichem Verkehr mit den am Rheine wohnenden Vertretern dieser Partei und bemühte sich im Herzogthum Cleve die von Cassander befür- wortete kirchliche Reform durchzuführen. Bei seinem LandeSherrn fand er für seine Bestrebungen geneigteS Gehör und die protestantifch gesinnten ELemente im Clevischen setzten auf das;- einträchtige Zusammenwirken de?- Fürsten und feine–H einflußreichen Nathe-Z große Hoffnungen. H., der Kanzler LarS, genannt Olig= schläger, und Cassander wirkten zusammen, um dem Lande eine kirchliche Ver- fassung und Norm dez Glauben–S zu geben, wodurch die alten Mißbräuche ab- gestellt, aber die Grundsätze des hergebrachten Glauben8 nicht über Bord geworfen werden sollten. Schwierigkeiten, welche mehr der allgemeinen Kirchengeschichte angehören, hinderten die Erreichung deS ZieleS. BisS zu einem förmlichen An- schluß an die Protestanten wollte er weder selbst vorgehen noch seinen Fürsten drängen; er legte Gewicht darauf in der katholischen Kirche zu bleiben und auch daß Herzogthum Cleve dem katholischen Bekenntniß zu erhalten. H. kannte recht wohl die Bedeutung, welche die Schule für seine Reformpläne habe. ES war aber nicht die VolkSfchule, sondern die gelehrte Schule, welcher er seine Pflege angedeihen ließ. ES gelang ihm seine Thätigkeit für daß Schulwesen durch Gründung einer Hochschule zN DuiSburg zu krönen. Auch eine Reform dez Clevifchcn RechteS 1ieß sich H. ange!egen fein, eine Reform, die sehr zu Gunsten deZ Römischen Rechtes? ausfiel. H. war und blieb der Vertraute deö alten wie de-Z jungen Herzogs, der bescheidene Freund der herzoglichen Familie. Der Ein- fluß, den er unter demVater besessen, blieb unter dem Sohne in erhöhtem Grade maßgebend. H. hatte nie sonderliche Neigung für da–S Leben eineS KirchendienerS bewiesen; er hatte die Pfründen nur angenommen, weil er sie alS eine Gnade seines- Fürsten, als Lohn für geleistete Dienste angesehen. Leichten Herzen-?- resignirte er auf seine Venefizien, sobald er ein Weib fand, dem er seine Liebe schenkte. Diese Frau war Mech-.-lt von Dunen, die er am 26. Februar 15Z6 heirathete. Sie entstammte einem alten Rittergefchlechtc, welch-etz seit Jahrhunderten im Clevifchen ansässig war. Sie, die früher in einem Kloster gewesen, b1–achteihrem Manne daß auf einer Rheininsel unterhalb Wesel gelegene Gut Lorward in die Ehe. Mechelt starb am 12.Decembe1: 1560 in Wesel, wo sie in der WilibrordS- kirche beigesetzt wurde. Zwei Jahre darauf trat H. zum zweiten Mal in die Ehe mit einer Verwandten der Verstorbenen, Mechelt v. Loe. Diese Frau machte den bereits?: 6C?-jährigen Mann fo glücklich, daß sie von ihm der Stab seineS Alter;3 genannt wurde. Gkeich nach seiner ersten Vermählung hatte H. den Hof verlassen und für immer seinen Wohnsitz auf dem Gute seiner Frau auf der einsamen Rheininsel genommen. Die einfache alte Wohnung hatte er durch ein fchöne8 Landhau8 ersetzt. Ohne seinem segen§’-reichen Einfluß auf die Regierung deZ HerzogthumZ zu entsagen, führte er ein einfache?-, aber glückkicheS Landleben. Hier starb er auch am 14.Oetober 1576 und wurde in Wesel neben seiner ersten Frau beerdigt. »Um diese Zeit, schreibt der Chronift Hermann WeinSberg, ist [105] der berühmte Doctor ConraduZ Here-zbachiuZ im Land don Cleve, zwischen Nee-Z und Wesel auf dem Lauerweerth gestorben, hat viele Bücher geschrieben, war unser Schwager; fein Bruder Peter H. hat meines Vaters- Schwester zur Ehe gehabt, die noch lebt." Wenn H. auch im Herzen der römischen Kirche ent- fremdet war, fo werden ihn doch die Protestanten alS einen der Jhrigen Nicht in Anspruch nehmen können. H. lebte und starb in einer Zeit, in welcher die später durch daß Trienter Concil und die Bemühungen der Jesuiten festgestellte Scheidung zwischen dem alten und neuen Glauben noch nicht strenge abgegrenzt war und Manche sich noch mit Recht als Mitglieder der katholischen Kirche be- trachteten, die eine Reihe von später dogmatifirten GlaubenZfätzen verwerfen zu müssen glaubten. Von den unS erhaltenen Druckfchriften HereSbach’Z find zu nennen: »’1’1190(101«j (3:z»2:-1S i11t1«oc1ucti011i8 gr:r.m1118»ti08.S 1jb1–j quem101««; »1)8 1Au– (Ijb118 gr8»e0-11«um 1jt01sA1–u111 01sAtj0«; »St1–stb011jS gc-Og1set1z11j0orun1 O0mmS11t8.rji«; »liSrO(10tj 1jb1«j lI( 1ets;j11O«; »l–IS1–0ä0ti C16 gS11e1·S 3–jtA(zuS k10111S1«j 1ibS11uS«; »’k1«1uoz7c1j(1jS äS beI1o 1?0101z01111eSiS118ju111 .4t11611iS11Siul11(1u0 1jb1«j 711l«; »1T8j 1«uSt.iO8.8 1jb1–j q11.M1101–- u11iv91«851m 1–uStj09»n1 (1jS0j1J1j11a111 Oom;J1O0:e11te8» u115r. cum 8.1)p8v(1j(:(–z or-teu10rum Oor011jäjS Vice 8tc1i9cf–3.«; -»1)(-z S(ju(:s1.11äi8 e1«u(1jO11äjSqu8 p1«j11ci1zum 1jbe1«j8«; »l)jz1–j11111 80U c;u0tis1iz118S p:«606S«; »?S5t1m01–um 1)A,7jc1j– (:o1–um 8jmp1e1 et c1j1u0ic18. eJ(p1j08.tj0«; .»061(-u11«1:z (J111o1–tzto1–jum 8(1 1z1«8epet1«8– tjO118m (:111–jSti:111S 1vO1«j811(2j«; »0111«iSti811:1.C–3 iu1–jSp1–u(1S11tj80 6;JjtO111e«; »I:I1JjSt018» i«:1(3tjO11jS 8»11:1bzpt.j8tjc9»e II011t1Ste1sje11SjS«; »lli8t01«j8 st11OtbA1Jti8tjc5. äS kA.0t.j011e Il01188t81«je118j«; -.kli8c01si8 k:t0tj011i8 eJ;Oj(1ji(1u9 II0nA.8tO1–jO11SjSss. Andere Druck- schriften von ihm, von welchen keine Exemplare auf unS gekommen, find: »l.jrur– gis-t I3a8j1jj g1–AOOe 0t1:1.tj11e«; »lJpit-r01:si(JuS (jS tut(-1j8 St 111jS91–Abj1jum 1Je1–8O118.1«um c11r8«; -.1)O pc-11c1S1–jbu8 St 111811SuriS:-; --1)j0ti01181–ium g1«äe(:0–18t-j11U111«. Hand- schriftlich hat er hinterlassen: »8)s110äjcz8.- 6x-j8O01Jtica–«; »111 1.5-tuäS211 j311«jS1J1-u– c1S11tj8»S«; ..19j11A(:j(!ju1n j11 l-l0111e1«j Ut1«u111q11S 110S111e1«; »l)e S51c81–(I0tj0 011rj8ti e Suj(18.» x;rwJOe ek 18ti11e«; »l)e R-s0t.i8 n1011üSticjS«–; »1)e -z.gge-1«u111 iu1«es«; -..4.1JO– 10gi3. clu08.t118 (3611«j8O««; »1)j:11ogu8 c1S Bu1–gu11(1j011u111 be110 non (1Snut1(:jAt0- j11 (1110:1tum .Iu1j:1eS11Se111 jrl–11zJtj0ne«; »1)i5118cstjc:a«; »l)e (Fse1«111A1101«u111 11101«jbuS«-; »1)e e:-1trS111jS tS1111s01«jbu8 O011Je0tu1sA«; »1)(:s 1–81jgj011e--; »?1–0k90tj0 its-t1j(:5t«; ».41mSuun1 rSt«O1–111:1tj0«; ».4czt8» (Icz (JO110c«1uj0 li8ttiSb011S11Si«; »1)8 t1sjx-1jOj 0o1«0118 c1et1sabe11cla 1zO11tjk10j R0111A110 (J11n1 0013S(Jt8»11eiS (19 1«e1jgj011ei.-. Hartzheim, 13jb1jOt11eOA ()01011jS118jS. –– v. Steinen, Quellen zur west- fälischen Geschichte. – Herm. Hamelmann, l11u8t1–jum yi1«0t–un1 qui WSS:- 1)!1s-t3j kue1–S etc. –– Mithof, Nachricht von d. Leben, Schriften und Verdienften Konr. HereSbach’e3. –– v. Bianco, Die alte Universität Köln, l. –– WoltersS, Konrad v. HereSbach u. der clevifche Hof zu feiner Zeit. – Hermann Weinz- berg, Gedenkbuch, 1 u. I1.