ADB:Kunz, Konrad Max
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Kunz: Konrad Max K., Componist, geb. am 30. December 1812 als Sohn eines Stadtthürmers zu Schwandorf in der Oberpfalz, empfing am Gymnasium zu Amberg und dann auf der Universität zu München, wo er dem Studium der Philosophie und Philologie oblag, hohe Gewandtheit in den klassischen Sprachen, aber auch frühzeitig schon die trefflichste Unterweisung in der Musik, wozu er die größte Befähigung hatte, welche durch den Hofkapellmeister Hartmann Stuns glücklich erkannt und streng wissenschaftlich ausgebildet wurde. Seine MittellOsigkeit zwang ihn durch Clavierunterricht den Lebensunterhalt zu erwerben (daher seine „Praktische Pianoforteschule", 1841- 0pus L), auch leitete er als Chormeister die „Münchener Liedertascl“ und die „Bürger-Sängersunft" und darf desthalb mit Recht als einer der Väter des deutschen Männergesangß gelten. In Folge seiner Leiftungsfähigkeit in der Führung großer Massen wurde K. als Dirigent zum ersten Sängetfeste in Freising 1844 und 1847 nach Regenzburg berufen, inzwischen 1845 alz Chordirigent am Münchener Hof- und Nationaltheater angestellt, welchen Posten der wackere Mann mit größter Gewissenhaftigkeit und eisernes: Aus dauer b1 wenige Jahre vor seinem Abscheiden ausfüllte. Ihm hatte der Münchener Hoftheaterchor die Begründung seineis weit über Deutschland hinaus reichenden Rufes zu danken. Für die Münchener Liedertafel componirte K. seine berühmt gewordenen Chöre, z. B. den mächtig dahin brausenden Schlachtgesang an „Odin“, die „Hymne an Hertha" (gedichtct von l)r. Ludwig Koch, vierstimmig als op. 7 Leipzig bei BreitkopfcL Härte!), daß feierlich großartige „Wenn heut ein Geist herniederstiege“ nach Uhland und dessen Brantgesang „Das Haucks benedei- ich", den „Nachtgruß“ (.von Eichendorff, vierstimmig 1877 als [400] Manuscript bei Aibl, op. 12), auch setzte er ältere Lieder, wie „Ach Elslein“, „Prinz Eugenis (nach der ursprünglichen Melodie von 1719), dann „Ot1o o1zm“ (nach einer hebräischen Ritualmelodie), aber auch köstliche Burlesken, z. B. die „Zwei Knödel", das „Metzelsuppen-Lied" (op. 9) nach Uhland, das Kneiplied „Auf beim Spund“, op. 17 (Text von Otto v. Reichert) und die Ballade „Der Bauer geht hinter’n Zaun", welche als wahre Muster contrapunktischer Bravour betrachtet werden müssen. Zu dem großen Künstler-Maskenfest 1840 (Albrecht Dürer-Fest), welchem K. als ,;wilder Mann" (gezeichnet von Eugen Neureuther) beiwOhnte, schrieb unser Tondichter als O1-v8 1 die Aufzüge, Zwischenspiele, Menuett und Polonaise (für Clavier bei Falter 184O), dann die „Aufzüge für Raturtrompeten und Pauken“ zum Festsug beim 700jährigen Bestehen der Stadt München (Op. 15), zwei Märsche „Den Siegern und Gefallenen", 1870–7 1, für Cavalleriemusik. Die weiteste Verbreitung erhielten seine „200 kleine zweistimmige Canon`s, den Umfang einer Quinte nicht überschteiteud (Supplement zu jeder PianOforteschule), opus 14“, München 1877 bei Aibl, welche mit Vorwort von Dr. Hans v. Bülow, dann mit französischem Text von C. Laurent (1878), englisch von L. Rothfeld. ebenso mit schwedischem, russischem und dänischem Text erschienen. Außerdem gab K. „Qberpfälzische Bauerntänze“ (Mainz 1855) heraus und lieferte die vierstimmige Bearbeitung der Melodien zu G. Scherer, „Die schönsten deutschen Volkslieder“ ec. Die Zahl seiner großentheils noch ungedruckten Werke beläuft sich auf 64. Besondere Erwähnung verdient noch die von dem heitersten Geiste echten Humors eingegebene Satire „Die Stiftung der Moos Gausänger-Genossenschaft Moosgrillia“ lMünchen “ 1866 bei Hermann Manz, 32 S. 8“), worin K. mit schonungslosem Spotte die Auswüchse des Sangesbrüderthums geißelte, aber auch seinem Unmuth über die Zukunftsmusik die Zügel schließen lit-ß. Sie kann, sowol in Tendenz wie nach ihrer Schreibart, als ebenbürtiges Seitenstück zu Jos. Ant. Koch’s „Rumfordischer Suppe" gelten. K. war ein seltener Charakterkopf, ein biederer wahrer Mann. ohne Falsch, kerndeutsch, ein idealer Künstler, aber in rauher, fast umsrträgkicher Schale, eine ganz sokratische Natur, frei von aller Sucht nach äußerem Glanze. mit reicher Schöpsergabe, Originalität und tiesster Empfindung für den reinen Charakter der Kunst ausgestattet. Kein Kind des Glücks fand er nie die ihm “ gebührende Muße noch die höhere Wirksamkeit, daher sein mehr als bescheidenes, zurückgezogenes, ja verstecktes misanthropisches Leben. Er starb arm, wie er immerdar gelebt. am 3. August 1875 im Allgemeinen Krankenhause zu München. Seine Freunde setzten ihm auf dem südlichen Kirchhofe eine von Rudolf Schwanthaler gemeißelte Porträtbüste, welche überraschend und unwillkürlich an jene im 1Lluseo Napoli befindliche Herme des Sokrates; gemahnt.
Vgl. die gelungene Charakterzeichnung– von Martin Greif in Nr. 92 des Augsb. „Sammler“ vom 14. August 1875 und H. Mendel, Musical. Conversat.-Lex. 1876, 6. Bd., S. 200.