ADB:Ladiver, Elias
aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Ladivet: Elias L., verdienter Schulmann im Siebenbürger Sachsenland, ist um daß Jahr 1680 in Silein in Nordungarn (im Trentschiner Comitat) geboren, wo sein Vater evangelischer Pfarrer war. Von wesentlichen: Einfluß auf seine Entwicklung ist Comenis D. B. Bd.1f, S. 431) gewesen, den der siebenbürgische Fürst Georg Rakozi1l. 1650 an seine Schule nach Saros Patak in Ungarn gerufen hatte und dessen Unterricht hier L.. eine Zeit lang genoß. Von 1652 an setzte er seine Studien in Wittenberg fort; 1653 wurde er als Rector an die Schule von Silein berufen, worauf cr1659 als Lehre: nach Bartfeld ging. In eiftigen Disputationen mit den Kaschauer Jesuiten genoß er den Ruf, ein großer Kenner von Aristoteles zu sein und wurde 1667, nachdem er ein halbes Jahr Pfarrer in Teple im Liptauer Comitat gewesen, als Professor der Logik und Poesie an daß Collegium der evangelischen Stände nach Eperies berufen. Daß war zu derselben Zeit, alß in Ungarn der allwärts einflußreiche [507] Jesuitismus die Staatsgewalt zu schonungsloser Verfolgung des Protestantismus mißbrauchte; den Dragonern des Etlauer Bischofs Franz Segedi öffneten sich am 6. Juni 1672 die Thüren der evangelischen Kirche und der Schule in Cperies, die 400 Schüler zählte; vier Prediger und zehn Lehrer mußten ins „Elend“ wandern, darunter auch L. In Danzig, in Königsberg, in Polen flüchtig umhergetrieben fand er endlich im Siebenbürger Sachsenland eine dauernde Ruhestätte. Ihn und einen anderen, cms Kaschau vertriebenen Lehrer J. Fabritius kennen zu lernen, veranstaltete der Rath von Hermannstadt am 8. März 1ts73 eine öffentliche Disputation und ernannte L. in Folge davon zum außerordentlichen Lector des Gymnasiums. Fünf Jahre später berief ihn (26. Sept. 1678) Schäßburg zum Rector seines Gymnasiums. Hier hatte daß treue deutsche Bürgerthum auf der höchsten Stelle des Bergplateaus, daß die starke mauer- und thurmgeschirmte „Burg“ trug, am Anfang des 1s. Jahrhunderts eine „neue Schule“ gebaut; ein geräumiger gewölbter Hötsaak, zugleich mit Wohnungen für Lehrer und Schüler; dir würdige Inschrift des Gebäudes: Sck1018 Semi118rium 1–Oipub1jcrte zeugte vom Geist der Gründung. Ueber die Stadt selbst war in den drei Menschenaltern seither in wjederholtem innerm Krieg der einheimischen Fürsten, in Türken- und Tartarenraubzügen, in Pest und Brand schwerstes Verderben gekommen, das auch im Rückgang der Schule kenntlich war; ihr zu helfen rief die Stadt L. zum Rcctor. Als solcher wurde er in dreijähriger Amtswaltung nach dem Zeugnis; der Zeitgenossen „der Wiederherstellen: der Schule". Eine Schulordnung regelte Leben und Studien der Schüler der ersten Cobersten) Classc, die in drei Jahren nicht weniger als 60 aufnahm, von welchen L. 19 aj1f dieHochschulen Deutschkands entlassen konnte. Sein schönes Verdienst ist es, daß er auf Grund früherer Aufzeichnungen die noch vorhandene „alte Schulmatrikcl" anlegte, die eine der bedeutendsten Quellen zur Geschichte des siebenbürgisch-sächsischen Gymnasiums ist. Pfarrer und Rath der Stadt ehrten ihn dadurch, daß sie ihn von der Pflicht enthoben, mit den andern Lehrern im Chor der Pfarrkirche stehend den Gesang zu leiten und die Leichenzüge zu begleiten; die bedeutendste Zunft, die der Schneider, gedachte seiner mit Ehrengaben. Seine (lateinischen) Schriften sind theologischen und philosophischen Inhalts, für die .8k–enntniß der literarhistorischen und Schulentwicklung jener Zeit von Wcrth. Ladiver’s bedeutendster Schüler ist I1. Martin .skelP 6Allg. d. Biogr. 1V, 595“); im Spätjahr 1681 legte er das Rectorat in Schäßburg nieder, um die Leitung des wiederhergestellten evangelischen Collegiums in Eperies zu übernehmen, wohin ihn Emerich Tökölyi berufen hatte. Hier ist er 1686 gestorben; in der Geschichte des siebenb.-sächsischen Schulwesens bleibt sein Name unvergessen. Außerswittinger und Wallaßly Seivert, Nachrichten über sieb. Gelehrte, Preßburg 178s J. S. Klein, Nachrichten von den Lebensumständen und Schriften evang. Prediger in Ungarn, Leipzig u. Ofen 1789, 1, 150; Jos. Trausch. Schriftstellerlexikon der Siebenbürger Deutschen, Kronstadt 1870, 11. 819; G. D. Teutsch, Geschichte des Schäßburger Gymnasiums – im Programm desselben zum Schluß des Schuljahres 1852 53.