ADB:Lessing, Gottfried

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Artikel „Lessing, Gottfried“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 18 (1883), ab Seite 448, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lessing,_Gottfried&oldid=887629 (Version vom 25. Dezember 2009, 16:08 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Lessing, Gotthold Ephraim (Verweisung)
Band 18 (1883), ab Seite 448. (Quelle)
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Johann Gottfried Lessing in der Wikipedia
PND-Nummer 10018541X
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Lessing: Johann Gottfried L. (Vater Gotthold Ephraim?), tüchtiger und gelehrter lutherischer Geistlicher, wurde am 24. November 1693 zu Kamenz geboren, wo sein Vater Theophiluz L. (geb. 1647 in Schkeuditz, † 1785) damals Rathsherr, später Syndikus und seit 1712 Bürgermeister war. Der vierte Vorfahre von Theophilus, Clemens Leffigk, hatte als Pastor in der Superintendentur Chemnitz im J. 1580 daß Concordienbuch unterschrieben; Theophilus, Sohn des Bürgermeisters in Schkeuditz, Christian L., hatte daß Gymnasium in Merseburg besucht, dann in Leipzig studirt und hier im J. 1669 äe t018r9.11tjA re1jgjo11um disputirt und war seit 1682 in Kamenz Mitglied des Rathes. Sein ältester Sohn zweiter Ehe, unser Johann Gottfried L., zeichnete sich frühzeitig durch ein starkes Gedächtniß und eine besondere Neigung zum Studium der Geschichte aus,;. Er wurde im J. 1707 auf daß Gymnasium in Görlitz geschickt, von wo er im J.1712 die UniversitätWittenberg bezog. Hier trieb er außer den theologischen Studien die orientalischen Sprachen, aber auch das Französische und Englische mit besonderem Fleiß; in der letzteren Sprache soll er sich eine für einen deutschen Gelehrten damalß ungewöhnliche Fertigkeit angeeignet haben. Dabei zeichnete er sich schon gleich anfangs in Dißputationen so aus, daß ihm schon im J. 1712 vom Dekan Brendel die Magisterwürde umsonst ungetragen wurde. Nach vollendeten Studien machte er zwar im J. 1716 in Dresden daß theologische Examen, hatte aber die Absicht, die akademische Laufbahn zu wählen. Er begab sich auch zu diesem Zwecke im J. 1717 wieder nach Wittenberg und schrieb vielleicht als Habilitationsschrift aus Anlaß des bevorstehenden Reformations= jubiläums seine -I-’j11(1jcjze ref0rmztj0njs I.uti181–j er pr8-Sjuc1j0jjs 11oMrurj9nti1111r; als aber nicht lange danach 4gnoch im J. 1717„) aus seiner Baterstadt an ihn der Ruf in ein geistliches Amt erging, zögerte er nicht, demselben zu folgen. Mit dem Beginne des Jahres 1718 übernahm er das Amt eines Mittwochspredigers und Katecheten in Kamenz, ward sodann 1724 Archidiaconus und 1738 oder 1734 19A8t0r prjmmj11S daselbst. Im J. 1725 heirathete er die älteste Tochter des r’stsrOr prjm:-r.rjus Feller in Kamenz, aus welcher Che zehn Söhne und zwei Töchter stammten, von denen noch vier Söhne und eine Tochter am Leben waren, als er am 22. August 1770 im 77. Lebensjahre starb. – L. war ein fleißiger und gründlicher Gelehrter; daß Studiren blieb ihm bis in sein Alter seine Freude und Erholung; und so war es ihm auch ein Lieblingsgedanke, daß seine Söhne studiren sollten, den er bei der zahlreichen Familie unter eignen Entbehrungen ausführte. Mit einer Reihe bekannter Theologen stand er in einem gelehrten Briefwechsel; doch scheint der Inhalt dieser Correspondenz nicht mehr nachweiBbar zu sein. Die Gegenstände seiner Studien und zugleich den Umfang derselben lernt man aus den Titeln zahlreicher von ihm veröffentlichter Schriften und Abhandlungen kennen; sie beziehen sich u. A. auf Fragen der Dogmatik und Katechetik, auf kirchenhistorische Untersuchungen und die praktische Theologie; [449] mehrere Werke Tillotson’s übersetzte er aus dem Englischen, Daniel Superville’s Betrachtungen über den Gebrauch des heiligen Abendmahls aus dem Französischen. Als eine Theuerung Kamenz heimsuch1e (? im J. 1717), dichtete er vier Trostlieder, welche Dresden 1720 unter dem Titel „Sonderbare Hausandacht“ –mit einem Gebete herauskamen und hernach in das von ihm besorgte Kamenzer Gesangbuch (1729, 2. Aufl. 1732) aufgenommen wurden. Zu diesen Liedern gehört auch daß mit den Worten „Mein lieber Gott soll walten“ beginnende; SS kann nämlich nicht zweifelhaft sein, daß auch dieses Lied von L. herrührt, wie es denn auch im genannten Gesangbuch als von ihm gedichtet bezeichnet ist; daß es sich schon im J. 1718 in der ersten Auflage von Erdmann Neumeister’s Evangelischem Nachklang (Hamburg bei Joh. Nic. Gennagel, S. 52 ff.) gedruckt findet und zwar mit zahlreichen Abänderungen, wie Neumeister sie mit den Liedern, die nicht von ihm herstammen, vorzunehmen pflegte, ist wahrscheinlich entweder so zu erklären, daß ein früherer Druck dieses Liedes zwar vorhanden, aber uns bisher unbekannt ist, oder daher, daß L. es Neumeister handschriftlich mjtgetheilt hat, wie denn beide nachweislich in Briefwechsel gestanden haben. Die sechste Strophe dieses Liedes ist der oft citirte Vers: „Andreas hat gefehlet, Philippus falsch gezähket, wir rechnen wie ein Kind; mein Jesus kann addiren und kann multipliciren, auch da wo lauter Nullen sind." Dieser Vers findet sich im Neumeister’schen Nachklang ganz so durch den Druck ausgezeichnet, wie auch sonst in seinen Sammlungen von ihm nicht herrührende Zeilen oder Verö- theile gedruckt wurden; es kann kein Zweifel sein, daß er wirklich, wie daß ganze Lied in seiner Fassung im Kamenzer Gesangbuch, von s. gedichtet ist. In die zweite Auflage dieses Gesangbuches nahm L. noch ein fünftes eignes Lied auf, ein Lied zum Preise der Gnade Gottes2: „Komm, komm, mein heller Morgenstern"; dieses hat eine weitere Verbreitung gefunden als seine übrigen; es findet sich u. A. in den noch im Gebrauch befindlichen Gesangbüchern in Hannover und Lüneburg. Wegen seines Kamenzer Gesangbuches ward L. von den Wittenberger Theologen angegriffen; sie warfen ihm vor, daß er Lieder aus dem Freylinghausen’schen Gefangbuche, daß von derWittenbergerFac11ltät verworfen war, und sogar Lieder mit dactylischen Versen aufgenommen habe. Der theologische StandpunktLessing’s war der eines dem Pietißmus nicht feindlichen Lutherthum4s daß er auf seine Kinder dabei den Eindruck eines ganzen Mannes machte, der auch lebte, was er glaubte, ist aus den Aeußerungen Gotthold Ephraim’s über seinen Vater bekannt genug.

Johann Gottfried Lessing, Zweyh1mdertjährige Gedächtnißschrift derer ersten evangelischen Predigten, welche in der Sechs Stadt Camens 1527 an Ostern gehalten worden u. s. f., Leipzig 1727, S. 105 f. u. S. 116. – .lo. k’r. 70jgtii krjmae line018.e vjte1S 8 Jo. 0oäo. 1.esi118j0 51cme. B11(1js. 1768„ 4o. – K. G. Lessing, Gotthold Ephraim Lessing´s Leben, 1. Thl., Berlin 1793, S. 5–26. – Meufel k’111, S. 198 ff. – Wetzel, t411u1ects 11z–11111jOs, 11- S..180 f. – Otto, Lexikon der oberlaus. Schriftsteller 11, S. 460. – Rotermund zum Jöcher 11l, Sp. 1687 f. – Bode, Quellennachweis, S. 1O7. – Zöllner, Daß- deutsche Kirchenlied in der Oberlausitz, Dresden 1871, S. 71.

Bertheau.
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