ADB:Ludwig IX. (Landgraf von Hessen-Darmstadt)

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Artikel „Ludwig IX., Landgraf von Hessen-Darmstadt“ von Philipp Walther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), S. 550–551, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Ludwig_IX._(Landgraf_von_Hessen-Darmstadt)&oldid=1707424 (Version vom 1. September 2014, 11:14 Uhr UTC)
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Ludwig IX., Landgraf von Hessen-Darmstadt (1768–90), Sohn des Landgrafen Ludwig VIII., wurde geboren am 15. December 1719. Nach dem im J. 1735 erfolgten Ableben seines Großvaters mütterlicherseits, des Grafen Reinhard von Hanau, und nach erfolgter Volljährigkeitserklärung (1740) erhielt er die Regierung der hanau-lichtenbergischen Lande (neun Aemter im Oberelsaß unter französischer Hoheit, vier Aemter auf deutschem Boden und zwar das große Amt Lemberg mit Pirmasens, die Aemter Lichtenau und Willstädt im Unterelsaß, das Amt Schaafheim, jetzt zur großherzoglich hessischen Provinz Starkenburg gehörig). Bald darauf (20. August 1741) vermählte er sich mit der Prinzessin Henriette Caroline von Pfalz-Zweibrücken. Damals residirte er zu Buchsweiler im Elsaß. Im Dienste seines Vaters begann er seine militärische Laufbahn und trat sodann (1742) in französische Dienste. In demselben Jahre wurde er seinem Regimente royal allemand zu Prag vorgestellt, mit welchem er im December bei fürchterlicher Kälte, die Vielen den Tod brachte, den gefährlichen Rückzug der französischen Armee von dort aus nach Eger mitmachte. Im J. 1743 verließ er den französischen Dienst und trat in den preußischen und zwar als Oberst des Regiments Selchow, das in Prenzlau in der Ukermark garnisonirte. Auch sein Bruder Georg nahm Dienst im Heere Friedrich des Großen. Ludwigs Vater aber, ein Anhänger des österreichischen Hauses, sah dieses Dienstverhältniß nicht gerne und verlangte seine Söhne vom König von Preußen zurück. Dies wurde jedoch nicht bewilligt und beide Prinzen machten die schlesischen Feldzüge von 1744 und 45 mit. Erbprinz L. kehrte hierauf nach Pirmasens zurück, blieb jedoch fortwährend in preußischen Diensten. Im J. 1750 übernahm er sein Regiment wieder und siedelte mit seiner Gemahlin nach Prenzlau über, wo er bis 1757 residirte. Dort wurden ihm zwei Prinzessinnen und ein Prinz, der nachmalige Großherzog Ludwig I. von Hessen, geboren. Beim Ausbruch des siebenjährigen Kriegs zum Generallieutenant ernannt, befehligte er in diesem Krieg ein Corps von 10000 Mann, mit welchem er in Schlesien einrückte. Auf dringendes Verlangen seines Vaters, welcher den triftigen Grund vorbrachte, daß die Franzosen an dem Krieg gegen Preußen theilnehmen und des Erbprinzen wegen den Landgrafen und sein Land als Feinde behandeln würden, gab L. den preußischen Dienst auf und kehrte (1757) nach Pirmasens zurück. Dort residirte er von nun ab stets, während seine Gemahlin zuerst in Buchsweiler im Elsaß und seit 1767 in Darmstadt ihre Hofhaltung aufgeschlagen hatte. Im J. 1768, nach dem Ableben seines Vaters, trat L. die Regierung der hessen-darmstädtischen Lande an. Nun wurde das Militär bedeutend vermehrt. Der Sorge für seine Soldaten widmete er den größten Theil seiner Zeit. Die Uebungen des zwar wenig zahlreichen, aber aus schönen Leuten zusammengesetzten Truppencorps machten seine Hauptbeschäftigung [551] und zugleich seine angenehmste Unterhaltung aus. Um durch keine Witterung, in keiner Jahreszeit in diesem Vergnügen unterbrochen zu werden, ließ er ein großes Exercierhaus bauen, in welchem sein ganzes Regiment bei schlechtem Wetter exercieren konnte. Seine Umgebung bestand fast ausschließlich aus Offizieren der Garnison; er hatte alle Hofleute und den Adel mit wenig Ausnahmen von sich entfernt. Der Minister v. Moser hatte die Aufgabe übernommen, die gänzlich verwahrlosten pecuniären Verhältnisse des Hauses und des Landes wieder herzustellen und zu ordnen, eine Riesenaufgabe, wenn man bedenkt, daß der Landgraf die Einkünfte für sein Militär in einer Weise in Anspruch nahm, daß die Landgräfin selbst, um ihren Söhnen und namentlich dem Erbprinzen, die nöthige Erziehung geben zu können, sich genöthigt sah, ohne Vorwissen irgend eines Menschen, ihre Juwelen in Frankreich a./M. zu verpfänden, ja, daß, wie v. Moser erzählt, der Landgräfin oft nicht soviel belassen wurde, um die nöthige Kleidung für ihre Kinder zu beschaffen. Durch das kräftige Auftreten v. Moser’s gegen diese Extravaganzen des Landgrafen, aus denen seine intimen Cabinetsräthe, die ihn in Pirmasens umgaben, Vortheil zu ziehen und sich Geltung zu verschaffen gewußt hatten, hatte er sich diese ganze dadurch beeinträchtigte Clique zu Feinden gemacht. Nach Pirmasens mußte der Minister immer kommen, um seinem Fürsten zu referiren und es gelang seinem Talente häufig, bei solchen mündlichen Unterredungen mit dem Landgrafen die gegen ihn gesponnenen Intriguen seiner Feinde zu vernichten. Ludwigs klarer durchdringender Verstand entschied in den meisten Fällen zu Gunsten des Ministers und nur da, wo es sich um die Grenadiere seines Herrn handelte, fand v. Moser zuweilen hartnäckigen, nicht zu beseitigenden Widerstand. L. starb zu Pirmasens am 6. April 1790, kurz nach dem Ausbruch der französischen Revolution, deren Folgen für das Deutsche Reich er nicht mehr zu verspüren hatte. Seine Gemahlin, die „große Landgräfin“, wie sie Goethe und Herder nannten, war ihm, nachdem sie ihm acht Kinder, drei Prinzen, fünf Prinzessinnen geboren, 16 Jahre vorher im Tode vorausgegangen.

Wenck, Ehrendenkmal Ludwigs IX., Darmstadt 1790.
Walther.