ADB:Lyncker, Ludwig von

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Artikel „Lyncker, Ludwig von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 19 (1884), ab Seite 736, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Lyncker,_Ludwig_von&oldid=692927 (Version vom 25. Dezember 2009, 00:41 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Lynar, Rochus Friedrich Graf zu
Band 19 (1884), ab Seite 736. (Quelle)
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LyUcker: Ludwig Jakob Friedrich Wilhelm von L. wurde zu Pirmasens am 20. August 1780 geboren und starb als Generalmajor und Generalquartiermeister am 21. Juli 1844 zu Homburg v. d. H. beim Gebrauch des dortigen Bades. – Keine glänzende Jugend sollte daß Wirken des später in so hohem Maße Gefeierten ankünden; frühe Entbehrungen schienen ihn für seine schwierige Laufbahn vorbereiten zu sollen. So wurde sein Vater, heffen=darmstädtischer Lieutenant i. P. zu Pirmasens, von da 1793 als Geisel nach Frankreich geschkeppt. In dieser Roth unterstützte der kaum 13jäheige Sohn die Mutter und half ihr durch Ertheilen von Schreib- und Leseunterricht über die schweren Nahrungssorgen. Die Gekegenheit, etwas Tüchtiges zu lernen, war indessen in Pirmafens sehr beschränkt, und darum war es für den Jüngling ein Glück, daß seine Eltern nach Freigabe des Vateres 1794 nach Darmstadt überzogen. Dort fand er in dem Artilleriehauptma1m Haas einen tüchtigen Lehrer. Zeichnen und Mathematik wurden zuerst vor Allem getrieben, dann arbeitete L. bei der TerrainaufNahme, die sein Lehrer leitete, eifrig mit. Haas war es denn auch, welcher die Anstellung des jungen Mannes beim Militär und zwar im Ingenieurcorps veranlaßte. Bereits am 7. Mai 1803 avancirte der Fähnrich L. zum Secondelieutenant im großherzoglich hessischen Generalstab, in welchem er sein Leben hindurch verblieb. Höhere Mathematik und praktische Astronomie studirte der aufstrebende junge Mann vom 1. Juli 1804 bis 1. October 1805 zu Gotha Unter der Leitung des berühmten Astronomen Zach. Der Krieg zwischen Napoleon einerseits und Rußland und Preußen anderseits 1806 und 1807 fand ihn im Felde. Bei der Belagerung von Graudenz nahm er dieseFestung unter dem feindlichen Feuer topographisch auf, eine Aufnahme, die für die Belagercr von größtem Nutzen war und später in Kupfer gestochen im Buchhandel crschien. Kaum nach Hause zurückgekehrt, wurde L. am 16. Januar 1808 zum Ritter erster Classe des neu gestifteten großherzoglich hessischen Haus und Verdienstordenis und am 17. Augustdess. Jahres zum Premierlieutenanternannt. Im Kriege Napoleons; gegen Oesterreich (1809) erhielt er für sein Benehmen in der Schlacht bei AZpern die französische Ehrenlegion. Die Ruhe des kurzen Friedens benutzte L. zu wissenschaftlichen Arbeiten, unter denen seine „Anleitung zum Situationszeichnen“ hervorzuheben ist. Sie kam 1811 in den Buchhandel, zeichnet sich durch klaren, gediegeneu Text und die Schönheit der Vorlegeblätter aus und hat mehrere Auflagen erlebt. Der russische Krieg rief ihn von diesen Arbeiten ab. Als Chef des Generalstabs des großherzoglich hessischen Contingents machte – er den ganzen Feldzug mit. Wenige Tage nach der Heimkehr, am 14. Januar 1818, wurde er zum Capitän erster Classe ernannt. Die Feldzüge von 1813, 1814 und 1815 fanden ihn ebenfalls an der Spitze des hessischen Generalstabs. [737] Verschiedene hohe Orden, darunter der russische St. Annenorden 2. Ckasse, daß Commandeurkreuz 2. Classe des hessischen Haus und Verdienstordens, belohnten seine Verdienste. – Bald nach der Rückkehr aus den Feldzügen wurde der vielseitig brauchbare Mann wieder mit wichtigen Aufträgen betraut. Es beschäftigte ihn die Liquidation zwischen Hessen und Baden, die Isenburger Militärangelegenheiten, die Mainzer Festungsverhältnisse, dann landesmilitärische Verhandlungen. “ Auch begann er wiederseine militärisch-wissenschaftkichen Vorträge. Im Winter 1817„-“18 trug er Waffenlehre und Heerverfassungs-lehre, im Winter 1821 .„-` 22 Heerführung vor. Diese Vorlesungen wurden von jüngeren und älteren Offizieren mit Vorliebe besucht und trugen nicht wenig dazu bei, den wissenschaftlichen Sinn des hessischen Offiziercorps zu erhalten und zu kräftigen. – Am 14. Juni 182O avancirte L. zum Oberstlieutenant und am 8. Oct. 1822 wurde er zum Commandeur des Generalstabes ernannt. Außer seinen zahlreichen Arbeiten, die er zum Behufe der Reorganisation des hessischen Contingents und seiner möglichsten Gleichstellung mit andern Contingenten veranlaßte, ist als von besonderem wissenschaftlichen Interesse hervorzuheben die von ihm angeordnete topographische Aufnahme des Großherzogthums Hessen. Die desfallsigen Arbeiten begannen unter seiner Leitung bereits im Jahre 1823 und er erlebte die Freude, die Aufnahme von !325000 beendigt zu sehen. Mehrfach wurde L. zu den Arbeiten zwecks Reorganisation des deutschen Bundesheeres herangezogen. Zahlreiche Regkements für das Heer, insbesondere für das. Bundesarmeecorpsk dem die hessischen Truppen angehörten, sind von ihm ausgearbeitet. Im Auftrage des Bundes vorgenommene Inspicirungen führten ihn in andere Bundesstaaten. Seine letzten Arbeiten bezogen sich auf daß Projekt einer gemeinschaftlichen Karte der das 7. und 8. Armeecorps bildenden Staaten. – Im Juwie im Auslande gewürdigt, sollte die Anerkennung des attsgezeichneten Mannes mit seinem Verdienste gleichen Schritt halten. Am 19. Febr. 1827 avancirte er zum Obersten und am 26. August 184O zum Generalmajor. Zahlreiche höhere Orden wurden ihm verliehen; auch wurde er am :30. Mai 1835 von seinem Großherzog in den erblichen Adelstand erhoben.

Walther.
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