ADB:Matthiae, August

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Matthiae, August“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), ab Seite 626, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Matthiae,_August&oldid=679896 (Version vom 24. Dezember 2009, 06:13 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
Mattheson, Johann
<<<Vorheriger
Mattheson, Johann
Nächster>>>
Matthiae, Christian
Band 20 (1884), ab Seite 626. (Quelle)
Autor [[{{{9}}}|{{{9}}} in Wikisource]]
Nach PND-Nummer Suchen
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

Matthiae: August M., Philolog und Schulmann, 1769–1835. Er wurde in Göttingen am 25. Decbr. 1769 geb. als der jüngste Sohn des dortigen Profesfors der Medicin und Custos der Universitäts Bibliothek Georg Matthiae, welcher seinen Familiennamen aus ,.Matthiessen“ latinisirt hatte. Der Vater starb bereits 1773; M. blieb während der ganzen Schul- und Uni- [627] versitätszeit bei der Mutter, einer Predigertochter aus dem Göttingischen, während seine älteren Geschwister das elterliche Haus früh verließen. Von 1780 an besuchte er die beiden oberen Klassen des Göttingischen Lyceums, wo ihn vornehmlich der Director Eyring und der Rector Suchsort förderten; 1786 erhielt er als Primaner einen namhaften Preis für eine lateinisch geschriebene römische Geschichte bis zur Schlacht von Actium. Ostern 1786 ging er zur Universität über, um zunächst 2 Jahre Philologie zu studiren, dann aber ein Brotstudium zu ergreifen. Der EinflußHeyne’s, welcher sich seiner in liebevoller Theilnahme annahm, hielt ihn bei der Philologie fest; seine ersten größeren Arbeiten waren eine Sammlung und Ordnung der Fragmente des Pherekydes und eine Recension der Homerischen Hymnen. Neben den philologischen Studien zogen ihn bald auch philosophische an; er beschäftigte sich eingehend mit Leibniz und besonders mit Kant. Die Lösung einer philosophischen Preisaufgabe: „CLujdus 1–ationjbus ue 1no111entjs vsjrtus 11un0 1–61igio11is pru0Sj(1jo munjtst Ses9 cOn1111911C1eu–e E10 tuerj 1zOsjt.“ brachte ihm 1788 außer dem Preise eine Reihe sonst ungewöhnlicher Ehren, namentlich seitens dreier in Göttingen anwesender englischer Prinzen ein; er schrieb diesem Umstande später eine sehr vottheilhafte Wirkung auf seine „äußere Bildung“ zu. Von seinen Göttinger Freunden nennt er selbst Schlichtegroll, Wachler, Lenz, Kries und vornehmlich A. v. Humboldt als diejenigen, denen er am meisten Förderung verdanke. – Durch Prof. Heeren’s Vermittlung kam er im Frühjahr 1789 als Hauslehrer nach Amsterdam, trat hier in näheren Verkehr mit Wyttenbach, Huschke und Hieronymus de Bosch, lernte auch Ruhnken in Leyden kennen und gewann 1796 den Stolpischen Prcis (in Leyden) durch die Bearbeitung der Aufgabe: (C1r1e 8unt 1)r:1ecjxz11o„ 0upjt:1 ze qu:1S (:8usae 1z11)–8i0:10 ct 111O1–u1es cliv(-1sue inäo1js„ c;uuP a1jas ab enjis 11t1t.i0119S t1is(:rexza11r? Im Mai 1798 kehrte er nach Deutschland zurück, um auf Heyne’s Vorschlag die Stelle eines Lehrers des Lateinischen, Griechischen und Deutschen an dem Institute für junge Ausländer zu übernehmen, welches von dem französischen Emigranten Baron Monnier mit Unterstützung der Weimarischen Regierung auf Schloß Belvedere bei Weimar begründet worden war. So wenig befriedigend die eigentliche amtliche Thätigkeit in dieser Stellung war, so förderlich erwies sich für M. der Verkehr mit dem feingebildeten Leiter der Anstalt; Wieland trat er näher, auch Schiller und Goethe erwiesen ihm freundliches Wohlwollen, der Letztere selbst dann noch, als M. in ein freundschaftliches Verhältniß zu Boettiger gekommen war. Da die Anstalt von Belvedere vielfache Beziehungen zu Schnepfenthal hatte, „wo Salzmann sein Wesen trieb“, lernte er auch diesen kennen, fühlte sich aber durch den „Wind“ seines Erziehungswesens nur abgestoßen; Salzmann gehörte nach seiner Ansicht „zu den Leiden der Menschheit“. Die philologischen Studien setzte er eifrig fort; Ostern 1800 erschienen die „ttmima(1yersjo11es i11 li)smn0S llo111Srjeos“„ deren Werth die philosophische Facultät in Göttingen durch Verleihung der Doctorwürde llo11. c. 1801 anerkannte. – Da daß Institut in Belvedere Ende 1801 einging, mußte auch M. an einen Wechsel denken; wiederum auf Heyne’s Empfehlung wurde er als Direktor an das Friedrichs Gymnasium in Altenburg berufen und trat dieses neue Amt am 30. Januar 1802 an. Die ihm hier gestellte Ausgabe, -ine herabgekommene Anstalt in geordneten Zustand zu bringen, hat er mit großem Geschicke gelöst; als Lehrer und Director erwarb er bald verdiente Anerkennung. Zahlreiche Auerbietungen auswärtiger Stellen (Weimar, Lüneburg, Rostock, Braunschweig u. a.) lehnte er um so lieber ab, als er in seiner energischen Thätigkeit durch daß Vertrauen der damaligen Gotha–Altenburgischen Regierung, namentlich durch den General–Superintendeuten Demme kräftig gestützt wurde. 1805 führte er die bald Nachahmung findenden deutschen Schulprogramme ein; – 40* [628] 1808 wurde er zum Kirchen- und Schulrath ernannt. –In diese Altenburger Zeit fallen die wissenschaftlichen Arbeiten, welche ihm auch in weiteren Kreisen einen Namen gemacht haben, namentlich die „Ausführliche griechische Grammatik“ (1. Aufl. 1807) nebst den beiden dazu gehörigen Schulgrammatiken und die große Euripides Ausgabe (1813–1829) in 9 Bänden; daneben eine große Anzahl kleinerer philologischer, philosophischer und historischer Schriften. – Der Uebergang Altenburgs an die Hildenburghausener Fürstenfamilie (1826) und die hiermit verbundenen Personalverändermgen in der Regierung des Ländchens trugen wesentlich zur Störung der Lage Matthiae’s bei, zumal auch mehrfache Ausschreitungen der Schüler ihn in den Verdacht brachten, demagogischen Umtrieben geneigt zu sein. Durch häusliches Leid schwer gebeugt und durch amtliche Verdrießlichkeiten, welche nicht zum geringsten Theile in der ausschließlichen Anstellung altenburgischer Landeskinder am Gymnasium ihren Grund hatten, vielfach gekränkt, verlangte er schon 1833 seinen Abschied, ließ sich aber dann bestimmen, sein Gesuch zurückzuziehen. Er starb am 6. Jan. 1885 an den Folgen eines Schlaganfalls.

August Matthiae, in seinem Leben und Wirken, von seinem Sohne Konstantin. Quedlinburg 1845 (Verzeichuiß der.Schriften Matthiae’s daselbst S. 184–217; Schulreden S. 241 ff.)
R. Hoche.
Persönliche Werkzeuge