ADB:Merkel, Gustav Adolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Merkel, Gustav Adolf“ von Moritz Fürstenau in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 776, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Merkel,_Gustav_Adolf&oldid=2111437 (Version vom 18. April 2014, 19:46 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Iselin, Isaak
Band 23 (1886), S. 776. (Quelle)
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Gustav Adolf Merkel in der Wikipedia
GND-Nummer 119149575
DNB: Datensatz, Rohdaten, Werke
Online-ADB/NDB, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|23|776|776|Merkel, Gustav Adolf|Moritz Fürstenau|ADB:Merkel, Gustav Adolf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=119149575}}    

Merkel *): Gustav Adolf M., durch dessen am 30. Octbr. 1885 erfolgten Tod die künstlerischen Kreise Dresdens, ja die Musikwelt überhaupt, einen herben, schwer zu beklagenden Verlust erlitten haben, ward am 22. Novbr. 1827 zu Oberoderwitz in der Lausitz, woselbst sein Vater Lehrer und Organist war, geboren. Verhältnisse und der frühe Tod des Vaters nöthigten ihn, vom Studium der Musik, zu der lebhafte Neigung bei ihm vorhanden war, abzusehen und sich dem Lehrerberufe zu widmen. Nachdem er auf dem Lehrerseminar zu Bautzen seine Ausbildung erhalten, fand er einige Jahre Anstellung in einer Dresdener Bürgerschule, entsagte jedoch 1853 dem Lehrerberufe, um sich, wie er es von Jugend an erstrebt, ganz der Musik zu widmen. Bei Julius Otto studirte er Contrapunkt, bei Johann Schneider Orgelspiel; außerdem förderten seine Studien aufs freundlichste Robert Schumann und C. G. Reissiger. 1858 erhielt er Anstellung als Organist an der Waisenhauskirche in Dresden, kam 1860 in gleicher Eigenschaft an die Kreuzkirche daselbst und ward 1864 als Hoforganist an der katholischen Hofkirche in Dresden angestellt. Von 1867 bis 1873 leitete er die Dreyßig’sche Singakademie, seit 1862 war er Lehrer des Orgelspiels am Conservatorium für Musik. Von seinen veröffentlichten Compositionen, deren es über 181 gibt, sind zu nennen: Lieder mit Pianofortebegleitung, Clavierstücke, Violoncellstücke, Orgelstücke aller Gattungen, als: Präludien, Choralvorspiele, Fugen, Phantasien, mehrere Sonaten. Namentlich seine trefflichen Orgelcompositionen haben große Verbreitung gefunden, selbst in England und Amerika. Eine der Sonaten (op. 30) wurde bei einem Concurrenzausschreiben der Mannheimer Tonhalle 1857 mit dem ersten Preise ausgezeichnet. Nach der Herausgabe des vierstimmigen Choralbuches zu dem Gesangbuch für die evangelisch-lutherische Landeskirche des Königreiches Sachsen, welches M. mit Professor Wermann bearbeitet hatte, verlieh ihm König Albert das Ritterkreuz I. Classe des Albrechtsordens. Das Orgelspiel Meister Merkel’s zeichnete sich in hervorragender Weise durch größte Klarheit und Gediegenheit aus; er vermied sowol als Orgelspieler wie als Orgelcomponist streng Alles, was dem Charakter dieses Instrumentes nicht entsprochen hätte. Sein freies Spiel, bei welchem er den Contrapunkt wie auch die musikalische Form in meisterhafter Weise beherrschte, entsproß einer reichen Phantasie. Die Orgellitteratur ist in mannigfaltigster Weise durch seine Werke bereichert worden, ganz besonders bedeutend unter seinen zahlreichen Compositionen sind seine Orgelsonaten, welchen man unter seinen Zeitgenossen nur die dahin einschlagenden Werke Jos. Rheinberger’s zur Seite stellen könnte. Aber auch in kleineren Formen war er Meister, wovon eine große Anzahl seiner Präludien und Choralvorspiele beredtes Zeugniß geben. – Nicht weniger Erfolg erzielte M. als Lehrer. Seine zahlreichen Orgelschüler nehmen fast durchgängig sehr achtungswerthe Stellungen ein und bewahren ihrem Meister eine tiefe, herzliche Verehrung.

Fürstenau.

*) Zu Bd. XXI, S. 435.