ADB:Neumann, Kaspar

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Artikel „Neumann, Kaspar“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), ab Seite 535, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Neumann,_Kaspar&oldid=681326 (Version vom 11. Dezember 2009, 10:36 Uhr UTC)
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Neumann: Kaspar N., Chemiker und Apotheker, geb. am 11. Juli 1683 zu Züllichau in der Mark Brandenburg, † am 20. October 1737 zu Berlin. Er ist als der erste Anhänger Stahl’s in Berlin zu bezeichnen, der die Stahl’schen Lehren, d. h. die phlogistische Theorie verbreitete und Berlin zum Mittelpunkt dieser Lehre machte. Als Apothekerlehrling, als königlicher Hofapotheker und später im Auftrage und durch Begünstigung des Königs von Preußenführtenihn wechselnde Schick- . sale weit in der Welt herum. Er machte große Reisen in England, Holland, Frankreich und Italien. Ueberall trat er mit den hervorragendsten Vertretern seines Faches in Beziehung – am dauerndsten gestalteten sich diese zu den englischen Gelehrten. 1723 nach Berlin zurückgekehrt, wurde er Professor der Chemie beim co11egjsam me(ljc0–cbjrurgicum- dabei war er erster Hofapotheker, wurde nach und nach Ausseher aller Apotheken des preußischen Staates, königlicher Hofrath und Mitglied der Berliner Akademie; schon früher war er von der königlichen Gesellschaft zu London als solches aufgenommen worden. Neumami’s experimentelle Arbeiten haben keine dauernde Bedeutung erlangt; doch sei hier erwähnt, daß er zuerst, etwa 40 Jahre vor Scheel-:, der gewöhnlich als Entdecker dieser Thatsache angegeben wird, gefunden hat, daß der aus Quecksilbersolution durch Kochfalz entstehende Niederschlag versüßtes Sublimat ist (Calomel) und daß er schon Thymol in Händen hatte, daß er freilich für Kampher erklärte. Die ganze damalige Zeit und N. mit ihr hielten die wichtigeren chemischen Fragen für durch Stahl erledigt, dessen Lehre sie für grundlegend und unantastbar ansahen. Dadurch gelangte er bei seinen Beobachtungen oft zu unrichtigen Anschauungen; er schreibt eine Abhandlung über alkalische Salze in den „k’11i1o– 80p11ic-1l ’1’r:msactj0ns worin er alles Alkalische in der Natur für ein seeundäres Product erklärt: die Alkalien bei der Verbrennung des Holzes seien keinswegs im Holze vorher enthalten, sondern entstehen durch das Feuer in der Asche aus Säure, Phlogifton und Erde: so sucht er zu beweisen, daß ein ätzendes Alkali – unter allen Umständen nur dann erhalten werden kann, wenn Stoffe angewendet werden, die der Wirkung des Feuers einmal außgesetzt waren. Dennoch galten Neumann’s Arbeiten damals als Muster in der Scheidekunst: er genoß einen großen Ruf unter seinen Zeitgenossen und förderte die Verbrettung der Chemie nach Kräften, was auch von vielen seiner Nachfolger anerkannt wird. Einer seiner Schüler ist Marggraf (f. D. B. 12T- 884). Veröffentlicht hat er eine ganze Reihe von Schriften, viele -„1-eotj0nsJ „I1e–(1it:1ti0nes eine medicinische Chemie: „0bjmjs. m0(1iO:t e10gn18tjOO–enJerjn1eutz1jsi und gesammelte Vorlesungen, die nach seinem Tode in’s Holländische und mit Hinzufügung seiner andern chemischen Abhandlungen in die englische und französische Sprache übersetzt wurden. Kopp, Geschichte der Chemie. – Poggendorff, Biograph.-litt. Handwörterbuch.

Ladenburg.
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