ADB:Paix, Jakob

aus Wikisource, der freien Quellensammlung

Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Paix, Jakob“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), ab Seite 71, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Paix,_Jakob&oldid=562353 (Version vom 11. Dezember 2009, 02:13 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
Pahl, Johann Gottfried von
Nächster>>>
Palko, Franz
Band 25 (1887), ab Seite 71. (Quelle)
Autor [[{{{9}}}|{{{9}}} in Wikisource]]
Nach PND-Nummer Suchen
unkorrigiert
Dieser Text wurde noch nicht korrekturgelesen. Allgemeine Hinweise dazu findest du auf dieser Seite.

Paix: Jakob P., geb. um 1550 in Augsburg, –f alz 0rgz11j(:us et 8zsmp110nets des Pfalzgrafen Philipp Ludwig in Lauingen, aus der damalslutherischen Linie Pfalzsweibrücken. Alle Zeitgenossen sprechen mit Ausdrücken hoher Achtung von P., den sie als einen vorzüglichen Musiker und großen [72] Künstler auf der Orgel rühmen. Sohn des Augsburger Organisten bei St. Anna, Peter Paix, der 22. Febr. 1557 „in Gott seligklich entschlassen“ ist, also zu einer Zeit, da der Knabe den treuen Unterricht desselben so nöthig gehabt hätte, mag ihm, einem Musikantenkinde, ungewöhnliche musikalische Beanlagung von Has aus beschieden gewesen sein. Wir wissen von seinen nähern Lebensumständen so viel wie nichts. .In noch jugendlichem Alter stand er bereits in pfalzgräflichen Diensten. Aber aus seinen Publicationen vermögen wir ebenso seine Kunst und persönliche Leistungsfähigkeit, wie den Stand damaliger Musik- übung überhaupt zu beuttheilen. Jedenfalls zählt er zu den bedeutendsten und angesehensten Organisten (d. h. zu den Künstlern auf Tasttninstrumenten) des 16. Jahrh. Er theilt diesen Ruhm mit einigen andern beachtenswerthen zeitgenössischen Musikern, mit Elias Nicolaus, genannt Ammerbuch, Organist an der Thomaskirche in Leipzig, der 1571 eine „Orgel- oder Instrument-Tabulatur“, drucken ließ, und mit Bernh. Schmidt, Bürger und Organist in Straßburg, der 1577 „Zwei Büchern Einer Neuen Kunstlichen Tabulc1tur auf Orgel und Instrument“ herausgegeben hat. Sam. Schmidt, der größte Orgekmeister Deutschlands, war noch nicht geboren; die deutsche Musik stand noch vorwiegend unter dem Einfluße der „Jfalos (,wie M. Prätorius sich ausdrückt): Claudius Merlotti, gen. MerulO und J. Gabrieli. Ersterer, der als HofOrganist des Herzog-S Ranuccio Farnese in Parma (1604) starb, hatte einen Franzosen, Menon, zum Lehrer, letzterer seinen Oheim Andrea, der wiederum einen Niederländer, den berühmten Gründer der venetianischen Schule, Adrian Willaert, als Meister verehrte. So vereinen sich friedlich im Austausche deck- Wissens und Könnens und im Streben nach einem einheitlichen und höchsten Ziele auch auf dem Gebiete der Kunst alle Nationalitäten. A. Gabrielis Schüler waren u. a. H. L. Hasler aus Nürnberg und J. P. Sweelinck aus Deventer (sder Lehrer S. Scheidts); J. Gabrielis berühmtester Schüler war der nachmalige kurfü1ftliche Hofcapellmeister H. Schütz (Sagittarius) aus Köstritz, der bedeutendste Vorgänger J. S. Bachs. Merulo und Gabrieli schrieben bereits selbständige -Orgelwerke; der erste, ein gewandter „Colorist“, cultivirte mehr die Toccatenform, der andere, dem Gefangartigen sich zuneigend, mehr die Canzonensotm. Die Orgelstücke der deutschen Meister bestehen nach diesen Vorbildern vorläufig fast nur aus Arrangements. Einerseits werden mehrstimmige kirchliche Tonsätze, andererseittz Tänze und Volkslieder für die Orgel bearbeitet und ohne einen strengen Unterschied zwischen dem Charakter und der Herkunft der einzelnen Nummern zu machen, in der Kirche und der Kammer harmlos als Vortragsstücke benutzt. Man muß dabei bedenken, daß die Orgel und alle damals gebräuchlichen Tasteninstrumente: Clavicymbel, Spinet, Symphonie, Virginal u. s. w., noch sehr unvollkommene Instrumente waren. – Paix’s Publicationen bestehen aus folgenden wichtigen, mit Ausnahme der sechsten, alle in Lauingen bei Leonh. Steinmichel gedruckten und bei Georg Willers verlegten Sammlungen: 1) „Ein schön nütz vnd gebreuchlich Orgel-Tabulaturbuch, darinnen etlich der berümbten Componisten beste Motetten mit 12, 8, 7, 6, 5 und 4 Stimmen außerlesen, dieselben auf alle fürneme Festa des gantzen Jahrs. vnd zu dem Chormas gesetzt. Zuletzt auch allerhand der schönsten Lieder, 198.88’ß me22O und Täntz, alle mit großem Fleiß Coloriert. Zu trewen Dienst den Liebhabern dieser Kunst, selbst Corrigiert vnd in Truck verwillgt von .rto0bo l)-2i .4ugustsno„ diser Zeit Organist zu Laugingen.“ Am Ende der Vorrede: 22. Febr. 1583. (58 Bog. Fol. – Dies dem I). J. Lobbetius dedicirte Werk enthält gegen 70 Gesänge, Lieder und Tänze: 18 von O. Lassus, 12 von Palestrina, je 2 von L. Senf!, Crequillon und Utental, je 1 von Riccius, Cirler, Striggio, Ciprian de Rore, ,Jannequin, Jvo de Vento, Clem. de Bourges und Giles Paix (?) und 5 von [73] J. Paix.) „Die angehängten italienischen, deutschen und niederländischen Tänze, z. B. „der Keyserin Tantz, 8ollj1–ts1119. Mzrs„2u151„ 1)8„t1ox-t11SRsenetis D11 -„ 881ts.to11i„ lJ11gs„resc11i“ u. s. w. und selbst die verschiedenen Volkslieder, z. B. „Es war eines Bauern Döchterlein“, die man hier in Gesellschaft geistlicher Festgefänge findet, beweisen, daß unsere guten Alten wenig eklich bei Auswahl ihrer Orgelstücke oder vielmehr, daß alle Musikarten vor 20O Jahren über einen Leisten gemacht waren.“ (Gerber.) – 2) „891eetAe st1–tjkiOi08s te Sr Olsgs.11tes k’ugus (1yu1umtrjv111„ qmtu0r„ er p17rjvm 1-–O03sm„ 1J8„rtjm O1 vetzrjb11S ö: re0ent.jbus M118i0is Summe. 35 u(:ours„to j11(1i0jo cO116Otse„ ps.rtjm (1OmpOsims ß. tl. k’.“ (kl. hoch 49. – Erschien in drei Auflagen, die zweite 1587, die dritte 1594. – 38 Fugen zu 2. Z, 4 bis 7 Stimmen von L. Daser, Jac. Hobrecht, Greg. Maier, Ant. Brumel, O. Lassus, Okeghem, Giles Paix, P. Platensis (de la Rue), Jodocus Platensis (Josquin)., Senfl und 12 vom Herausgeber. Außerdem “ finden sich Trios, geistliche deutsche Lieder u. a., letztere meist nur einstimmig; bei den mehrstimmigM stehen sich die Stimmen gegenüber. Daß Werk ist dem Patricier Marcus Thenn gewidmet, dessen Familie heute noch in Augsburg blüht. Z) 1sc1js AC1 jmits.tjOnsm Dslotett:1e: j11 j110 tempO1–O .1ok1. KCOot:-mi8 qu.z.tu0r yoo11m. 1584 (49 Ob1.). 4) „I1jsA r25trOt1js„ (8(1 jmjt:-1.tiOnem mO(1u1j) 1llutets.0: 1)0111j11e C18- 11o1Jjs„ ’1’11ome16 01´squjll0njs„ S9njs 700ibus 1587 (4“ 0b1.). – 5) „1Vlisze lle1v(sw. o.1–tjüOj08zs er 918gz11tes kugs.e 2„ 3„ 4 er p1urjum vo0um.“ 1590. – 6) „’1’r1escurus mOtettArum- neuerlesener zweiundzwanzig herrlicher Motetten.“ 1589. (Fol. Straßburg bei Bernh. Jobin.). – 7) Ein Tractat: „Kurzer Bericht aus Gottes Wort und bewährter Kirchen-Historien von der Musik, daß dieselbe fleißig in den Kirchen, Schulen und Häusern getrieben, und ewigsoll erhalten werden.“ 1589 (4 “). – 8) „Ein Fugenbuch mit Noten und Buchstaben nach der Ordnung der 12 Tonarten.“ 1588 (8 “). (Die vollständigen Titel von Nr. Z–8, resp. die betreffenden Originalausgaben, liegen nicht vor.)

Schletterer.
Persönliche Werkzeuge