ADB:Perty, Maximilian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Perty, Maximilian“ von Wilhelm Heß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 405–406, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Perty,_Maximilian&oldid=1854808 (Version vom 22. September 2014, 22:17 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 25 (1887), S. 405–406. (Quelle)
Wikisource-logo.png Maximilian Perty bei Wikisource
Wikipedia-logo-v2.svg Maximilian Perty in der Wikipedia
GND-Nummer 116092386
Datensatz, Rohdaten, Werke, Online-ADB/NDB, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|25|405|406|Perty, Maximilian|Wilhelm Heß|ADB:Perty, Maximilian}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116092386}}    

Perty: Joseph Anton Maximilian P. wurde am 17. September 1804 in dem Städtchen Ornbau im Ansbachischen, wo seine Mutter sich auf Besuch befand, geboren. Die früheste Jugend verlebte er in Nördlingen, wo [406] sein Vater Administrator bei der Johanniter-Ordens-Commende Kleinerdlingen war. 1809 wurde letzterer Rechnungscommissar im bayrischen Dienst und zog mit seiner Familie nach München. Schon als Knabe sammelte P. die verschiedensten Naturgegenstände und benutzte seine Mußestunden, um sie kennen zu lernen. Ein unwiderstehlicher Drang trieb ihn, die Naturerscheinungen zu beobachten und ihre Ursache zu erforschen. Nachdem er 1822 das Gymnasium absolvirt, studirte er anfangs in München, später in Landshut Medicin und Naturwissenschaften. Trotzdem er sich in den Strudel des studentischen Lebens stürzte, so daß sein Vater seine Hand von ihm abzog, vernachlässigte er doch sein Studium nicht. Nach seiner Promotion in der medicinischen und später in der philosophischen Facultät habilitirte sich P. als Privatdocent für Zoologie und allgemeine Naturgeschichte in München und wurde 1833 als Professor der Zoologie, Psychologie und Anthropologie an die Akademie nach Bern berufen, welche im folgenden Jahre in eine Universität umgewandelt wurde. In dieser Stellung entwickelte P. eine ungemein rege litterarische Thätigkeit. Nachdem er schon früher in: „Delectus animalium articulatorum Brasiliae“ die von Spix und Martius in Brasilien gesammelten Insecten, sowie einige aus der Sammlung des Herzogs von Leuchtenberg in Eichstädt und des Vicomte Sa da Vandeira stammende neue Arten beschrieben hatte, veröffentlichte er außer zahlreichen kleineren Abhandlungen folgende größere Werke: „Allgemeine Naturgeschichte, als philosophische und Humanitätswissenschaft“, 1837–1841 und Supplement dazu: „Neue Ergebnisse der Wissenschaft“, 1844 und 1845; „Zur Kenntniß der kleinsten Lebensformen“ 1852; „Lehrbuch der speciellen Zoologie“, 1855; „Grundzüge der Ethnographie“, 1859; „Die mystischen Erscheinungen der menschlichen Natur“, 1861; „Die Realität der magischen Kräfte“, 1862; „Anthropologische Vorträge“, 1863; „Ueber das Seelenleben der Thiere“, 1865; „Blicke in das verborgene Leben des Menschengeistes“, 1869; „Die Natur im Lichte der philosophischen Anschauungen“, 1869; „Die Anthropologie als Wissenschaft von dem körperlichen und geistigen Wesen des Menschen“, 1874; „Der jetzige Spiritismus“, 1877; „Erinnerungen aus dem Leben eines Natur- und Seelenforschers“, 1879; „Die sichtbare und unsichtbare Welt“, 1881. Alle diese Werke zeugen von einer streng wissenschaftlichen Durchbildung, umfassender Litteraturkenntniß und scharfer Beobachtungsgabe; leider aber auch, namentlich in der letzten Zeit, von einer Hinneigung zum Wunderbaren und zu spiritistischen Anschauungen.

P. war eine universell angelegte Natur, welche das ganze Weltall, das unendlich Kleine wie das unendlich Große zu erfassen versuchte. Sein Ziel war eine Naturphilosophie. Aus dem reichen Schatz seiner Erfahrungen und Kenntnisse suchte er ein System zusammenzustellen, dessen Zweige sich jedoch in den Spiritismus verlaufen. Wenn daher auch P. keinen entscheidenden Einfluß auf die Entwickelung der Naturwissenschaften ausgeübt hat. so verdankt ihm doch namentlich die Zoologie eine Menge specieller Kenntnisse und seine durch gewandte Darstellung ausgezeichneten Werke haben weiteren Kreisen vielfach Anregung gegeben und nicht unwesentlich zur Förderung der Wissenschaften beigetragen. P. starb im Alter von 80 Jahren am 8. August 1884.

M. Perty, Erinnerungen eines Natur- und Seelenforschers. Leipzig 1879.
W. Heß.