ADB:Pestel, Friedrich Wilhelm

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Artikel „Pestel, Friedrich Wilhelm“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), ab Seite 461, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pestel,_Friedrich_Wilhelm&oldid=800828 (Version vom 24. Dezember 2009, 10:56 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Pestalozzi, Johann Heinrich
Band 25 (1887), ab Seite 461. (Quelle)
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PND-Nummer 122174798
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Pestel: Friedrich Wilhelm P., Rechtsgelehrter, geb. am 7. Januar 1724 in Rintekn; † 16. October 1805 in Leyden. Die Familie lebte früher in England. Samson P., ein Ahnherr Friedrich Wilhelms, floh während der Protestantenverfolgung unter Königin Maria aus England nach Holland, wo er als Hauptmann und Commandant des Schlosses Duisburg sein Leben endete. Dessen Nachfolger wählten insgesammt die juristische Laufbahn, und hielten sich im Hessischen oder in den benachbarten Bezirken auf. Samson’s Sohn (der Ur- Urgroßvater Friedrich Wilhelm?), Johamies P., war Rathsherr in preußisch Minden; dessen Sohn (Urgroßvater Friedrich Wilhelms g) David P., zuletzt (1662) Professor des Codex und des Lehenrechtes zu Rinteln, wohnte 1648 als gräfl. bückeburgischer Gesandter dem westphältschen Friedensschlusse bei, und starb am 20. December 1684 im 82. Lebensjahre als Senior der Universität. Er verfaßte 23 Dissertationen, die bei Rote1-mund Bd. s, S. 1974 aufgezählt sind. – Davids Enkel, der Vater unseres Gelehrten, Friedrich Ulrich P., geb. am 25. Januar 1691 in Rinteln, wurde nach dem Besuche der dortigen Universität, dann jener zu Frankfurt a. O. und zu Leyden auf Anregung seines Onkelz, des Propstes P., Universitätsprofessor; erhielt in Rinteln Ende 1716 die Professur der Moral, später 1727 – nachdem er am 21. Mai 1722 als 1)0(:tor „jurjs promovirt hatte, – jene für Pandecten, und starb – seit 1730 Primarius seiner Faeultät – hochgeschätzt am 3. November 1764 mit Hinterlassung einer großen Anzahl von Dissertationen und Programmen, welche bei Meusel Bd. Il, S. 325 und bei Strieder Bd. I S. 291 sehr ausführlich aufgezählt sind. Aus seiner am 22. Mai 1722 mit der Bürgermeisters tochter Elisabeth Helene Lenderking aus Rinteln abgeschlossenen Ehe stammen zwei Söhne.

Friedrich Wikhelm, der ältere von beiden, ist am 7. Januar 1724 geboren, kam schon 1739 auf die Hochschule seiner Vaterstadt Rinteln, und bezog sodann Göttingen. Dort versah er zugleich bei dem ältesten Sohne des Geheimrathes Philipp Adolph v. Münchhausen die Dienste eines Hosmeisters. Dank seinem Fleiße und rastlosem Ehrgeize erwarb P. in Göttingen gediegene Kenntnisse; 1745 wurde er Licentiat, 1747 Doctor beider Rechte und Professor der Moral in Rinteln, nachdem sein Vater, Friedrich Ulrich, zu Gunsten des Sohnes auf diese Professur verzichtet hatte; dann im folgenden Jahre (1748) außerdem ordentlicher Professor der Rechte, sohin ein Specialcollege seines Vaters, welcher den Lehrstuhl für Pandeeten inne hatte. 1763 folgte Friedrich Wilhelm dem Rufe als Professor des natürlichen und deutschen Staatsrechtes mit ansehnlichem Gehalte nach Leyden; 1769 erhielt er zugleich das Secretariat des Stolpischej1 Legates für Studierende. Als eifriger Anhänger des Erbstatthalters und der Oranienpartei verlor er während der Revolutionsperiode seine Stelle und lebte in ziemlich knappen Verhältnissen bei seinem Onkel, dem Oberappellatiorisgerichtsrathe Justin Ferdinand Friedrich P. in Celle. – Einige Jahre später [462] wurde er jedoch wieder in seine Stelle eingesetzt, welche er bis zu seinem Tode (16. October 1805) verfah. Der Verstorbene war auch litterarisch thätig. Von seinen – meist kleineren – Schriften, fanden die „ls’unc18,me1zts. „jurjstornc1011tj:-1S nztursiis“ (1.ejc1.2O 1773) vielen Anklang und erlebten mehrere Auflagen (2. 1.ej(1. 1774; 3. ll1t1–z„j. 1775; 4. I.t-jc1. 1788). Nach der 2. Auflage erschien eine französische Uebersetzung (Utrecht 1775), nach der dritten eine holländische des Advocaten Friedrich van Breda (Utrecht 1783), endlich 1806 eine deutsche von Konrad Friedrich P. (Leiden). Auch seine „00mment.:-u-ji“ (1e IiOpub1. Bare-V8.““ (l.ei(1-w 1782) wurden unter dem Titel: „Vollständige Nachrichten von der Republik Holland“ (Berlin 1784) von Regierungsrath Mebes ins Deutsche übertragen. Strieder liefert im 10. Bd. seiner hessischen Gelehrtengeschichte S. 802 bis 308 ein erschöpfendes Verzeichniß sämmtlicher Schriften nebst Angabe der einschlägigen Recensionen. Von seinen Söhnen studirten Friedrich Franz Ludwig und Karl Ferdinand Friedrich, Rechtswissenschaft, und erwarben 1786 bezw. 1789 (letzterer unter seines Vaters Vorsitz) den Doctorgrad. Jöcher, X11- 1417 u. ss. – Rotermund s, 1971–1975. – Strieder, hess. Gel-Gesch. R- 283–308. – Intell. Bl. d. Lpzg. Liter.st. 1806, S. 122. – Ueber Friedr. Ulr. P. noch besond. Meusel 2c, 324–828 und die daselbst Genannten.

Eisenhart.
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