ADB:Pistor, Johann Jakob von

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Artikel „Pistor, Johann Jakob von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), ab Seite 185, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Pistor,_Johann_Jakob_von&oldid=470882 (Version vom 24. Dezember 2009, 09:03 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Band 26 (1888), ab Seite 185. (Quelle)
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Pistor: Johann Jakob v. P., landgräflich hessen-kasselscher Hauptmann, später kaiserlich russischer General, war am 3. August 1739 zu Kassel, wo sein Vater, demnächst ein weitbekannter Gewehrfabrikant zu Schmalkalden, damals als Zeugmeister in Garnison stand, geboren, studirte in Göttingen und Marburg, und ward 1758 Lieutenant in der hessischen Artillerie. Als Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe im Sommer 1762 nach Portugal ging, ht-gte er den Wunsch, P., welcher drei Feldzüge in seinem Gefolge mitgemacht und dessen Brauchbarkeit er kennen gelernt hatte, mitzunehmen. Er schrieb des–swegen an Landgraf Friedrich II. von Hessen, dieser lehnte aber das Gesuch wiederholt ab. Als der Landgraf an dem zu Kassel bestehenden (IO11Ogium 08r0lj11um kriegswissenschaftliche Vorlesungen einführte, ward P. beauftragt, dieselben zu halten, er war mithin einer der ersten Lehrer, welche in den Kriegswissenschaften unterrichteten; das Bereich derselben war damals freilich ein anderes als gegenwärtig; die Mathematik spielte eine Hauptrolle. Die „Ankündigung der Vorlesungen, welche beim Collegium 0a1–01jt1um gehalten werden, Sommer 1764“ sagt, daß P. in Kriegsbaukunst und in Artillerie unterrichten werde. Da er seinen Vortrag auf einer streng mathematischen Grundlage basirte, so erbot er sich gleichzeitig, seinen Schülern zur Erlangung der nöthigen Vorkenntnisse behülflich zu sein. Seine Vorlesungen waren sehr besucht und trugen wesentlich zu der gründlichen Durchbildung bei, welche die hessischen Officiere schon zu jener Zeit auß- zeichuete, wo wifst–nschaftliches Streben in ihrem Stande im Allgemeinen selten war. Er legte denselben für den Unterricht in der Mathematik die Schriften von Belidor und Kästner, für die kriegHwissenschaftlichen Fächer preußische Lehrbücher und eigene Ausarbeitungen zu Grunde und verband überall die Praxis mit der Theorie. Der Lehrplan für das Winterhalbjahr 177r72 brachte die Mittheilung, daß Hauptmann P. den Kassel’schen Musen Lebewohl sage. Sein Landsmann, der aus dem siebesnjäh1igen Kriege bekannte General Bauer (f. A. D. V.1l, 142) hatte ihn in den russischen Dienst nachgezogen; Kaiserin Katharina II. stellte ihn als Artilleriemajor mit Oberstlicutenantsrange an. Es ging ihm dort gut; er wurde meist beim Bergbau und den Salzwerken beschäftigt, arbeitete auch unter Bauer bei der Vertiefung des Petersburger Canals, wurde General und erhielt den Adel. 1.797 nahm er, durch Gefundheitsrücksichten genöthigt, in Rußland den Abschied und kehrte nach Kassel zurück. Landgraf Wilhelmi)i. Von Hessen-Kassel hegte den Wunsch, ihn in seinen eigenen Diensten wieder anzustellen; auch von England wurden il)1n vortheilhafte Anerbietungen gemacht; aber die Rücksicht auf seine Gesundheit wie auf sein Verhältniß zur russischen Regierung veranlaßten ihn, darauf nicht einzugehen. Während der westfälischen Zeit zog er sich von Kassel nach Schmalkalden zurück und starb dort am 2. September 1814.

F. W. Strieder, Grundlage einer hessischen Gelehrten-. Schriftstellerund Künstlergescklichte, 2. Bd., S. 181, Göttingen 1782, 17. Bd. Marburg 1819.

B. Poten.
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