ADB:Rüthling, Bernhard

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Artikel „Rüthling, Bernhard“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), ab Seite 49, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:R%C3%BCthling,_Bernhard&oldid=691144 (Version vom 25. Dezember 2009, 00:23 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Ruthe, Johann Friedrich
Band 30 (1890), ab Seite 49. (Quelle)
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Rüthling: Bernhard R., ein bedeutender Schauspieley, geboren z;: Meiningen am 18. Aprill834, † zu München am 22. Apr1l 1881. Dre Schauspielerfamilie R. entstammt aus der Mark. Ihr künstlerisches Merkmal ist die Aufrechterhaltung der Brockmann-Iffland’schen Ueberlieferung naturwahrer Darstellung. Bernhard’s Oheim war im ersten Drittel unseres Jahrhunderts als Komiker ein Liebling des Berliner Hoftheaterpublicums. Sein Vater war zuerst in Berlin, dann in Meiningen engagirt, bis er infolge ungünstiger Umstände sich von seiner Familie trennte und sich kleinen Wanderbühnen anschloß. Die Mutter fand eine Stellung als Chotistin in Kassel, wo sie mit ihren drei Kindern, deren ältestes Bernhard war, in größter Atmuth lebte. Mit 16 Jahren zog R. in die Welt. In Bromberg fand er sein erstes Engagement, mit einem Monatsgehalte von drei Thalern. Dann kam er nach Memel. Durch den Brand des dortigen Theaters wieder seiner Stellung verlustig, erfuhr er auf langen Streifzügen mit wandernden Komödiantentruppen das bitterste Elend btodlofer Kunst. Endlich gelang es ihm, in Meiningen unterzukommen. Von da an ging sein Lebensweg empor. Ende der fünfziger Jahre fand er Engagement in Augsburg, wo er nebenbei auch als Sänger in den Rollen des „Gouverneurs im Don Juan, des „Cremiten“ im Freischütz u. s. w. beschäftigt war; während der Sommermonate war er am Kurtheater in Kissingen thätig. In Augsburg sah ihn der treffliche baierische Hosschauspieler Jenke und lud ihn zu einem Gastspiel nach München. Im ,J. 1863 trat R. in das Münchener Schauspiel ein, welchem er als eine seiner schönsten Zierden angehört hat, bis ihn eine Krankheit, deren Keim die Eutbehrungen und Leiden seiner Jugend gelegt hatten, aus seinem reichen Wirkungskreise hinwegnahm. Einfachheit und,.Kraft, Naturwahrheit und Herzen2wärme – das sind die Eigenschaften, weHehe’die „Helden“ und „Liebhaber“ in Rüthling’s Darstellung auszeichneten; gleichvtel, ob er (nachdem er in der auBhülfsweise übernommenen Rolle des 1l!. 4 [50] „Atkas die Gunst des Königs Ludwig II. gewonnen) als Posa, Karl Moor, Egmont, Uriel Acosta, Essex u. s. w. große Aufgaben mit großem Erfolge löste oder in heiteren, modernen Stücken die Zuschauer durch seinen von jeder satis rischen Schärfe freien Humor entzückte. Eine männlich schöne Gestalt, eine Stimme von großem Wohllaut, die schon mit einem einzigen Tone, einer leisen Bewegung bei dem Hörer Thtänen oder Lächeln zu erwecken vermochte, waren die Mittel – Begeisterung für die Poesie und ein redlich treues Gemüth waren die Quellen seiner Kunst. Er hatte den Höhepunkt seines Schaffens noch nicht überschritten, vielleicht noch nicht einmal ganz erreicht, als er starb und München einen seiner Lieblinge, die deutsche Schauspielkunst einen ihrer Auserwählten verlor, welchen Ernst Possart in seiner Grabrede als den berufenen Nachfolger des großen Eßlair bezeichnen durfte.

Vgl. Südd. Presse vom 23. April 1881. – Neueste Nachrichten und Allgemeine Zeitung vom 23. und 24. April 1881. – Die Gegenwart, Nr. 19 vom 7. Mai 1881.
Max Bernstein.
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