ADB:Roth, Karl
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Roth: Karl R., Sprachforscher und Germanist, geboren am 4. November 1802 als Sohn eines Mautermeisters zu Lutter a. d. Hard bei Fulda, oblag in Marburg (bei Leander van Eß) und zu Würzburg dem Studium der Philologie, wurde Repetitor an der königl. Pagerie zu München und 18tz0 Studienlehrer zu Landshut, mußte sich aber schon 1834 wegen Schwethörigtcit beurlauben lassen und sah sich 1836 wegen seines unheilbar zunehmenden Leidens genöthigt, dem Lehramt zu entsagen. In München trat er zu Ende 1839 in daß kö11igl. Reichs archiv ein und arbeitete dort bis zu seinem am 1. November 1880 erfolgten Lebensende. Seine schriftstellerische Laufbahn begannDr. N. 1880 mit einer Uebersetzung des Cornelius Nepos, welcher 183ks eine solche von Ciceto’s Buch vom Greisenalter und der Freundschaft folgte. Schon 1831 erschien seine „Deutsche Silbenlehre für Schulen“ und damit begann er sich dem germanistischen Studium zuzuwenden, wobei R. an Dr. Alexander Vollmer einen treuen Freund und Genossen sand. Mit absönderlicher Vorliebe sahndete R. in den Schätzen des Reichsarchiv8 und der Hof- und Staatsbibliothek auf vordeu1 nicht beachtete oder unkritisch edirte Bruchstücke, welche er dann mit gewandtem Auge und richtigem Verständniß, meist aber mit möglichst geschmackloser Einleitung drucken ließ. So veröffentlichte R. wirklich eine stattliche Reihe von Fundstücken, wobei er oft in wenigen Zeilen alle möglichen Typen verwendete und die Setzer nicht selten zur Verzweiflung brachte, da seine eigensinnige Rechtschreib1ehre und die Sucht jedes Wort gehörig zu betonen, den Autor zu den feltsamsten Einfällen verleiteten. Fast jede Seite wimmelt von Zusätzen, Anmerkungen, Erklärungen und Nachträgen, wobei in der heillosen Spreu doch wieder wahre Goldkörner und Perlen zu tage kommen. Viele seiner Schrullen und Einfälle erklären sich auch aus Roth’s völliger Taubheit, welche nur schriftliche Gegenrede gestattete und somit im höchsten Grade den Forscher ifolirte. Im J. 1839 erschien eine kleine Sammlung von „Deutschen Predigten des 12. und 13. Jahrhunderts“ (Leipzig und Quedlinburg), dann die „Denkmähler der deutschen Sprache vom 8. bis zum 14. Jahrhundert“ (München 1840) und die „Bruchstücke aus der Kaiserchronik und dem jüngern Titurel“ (Landß-hut 1843); viele kostbare Ueberbleibsel enthalten die „Dichtungen des deutschen Mittelalters“ (stadtamhof 1845). Ferner folgte daß „Leben des heil. Anno“ (München 1847), die „Urkunden der Stadt Obermoschel in der vormaligen Grafschaft Veldenz“ (München 1847). Sehr verdienstlich waren der Nachweis der „Oettlichkeitet: des Vißthumes Freising“ nach Kozroh’s „Remier“ (München [339] 1854–57), die „Bruchstücke aus Jansen des Eninkels geteimter Weltchronik“ (1854), „Uolrich’s von Türheim Rennewart“ (Negensburg 1856) und eine Menge anderer Fundstücke und Abhandlungen, welche R. unter dem Titel „Kleine Beiträge zur deütschen Sprach-, Geschichts und Ortsforschung“ in 20 Heften (München 1850–70) herausgab. Für Karl Simrock’s Ausgabe besorgte R. die Textabschrift des „Wartburgkrieg“ (Stuttgart 1858), wie er überhaupt als guter zuverlässiger Copift von verschiedenen Gelehrten gerne verwendet wurde. Auch als Poet betbätigte sich Dr. Karl R. („Gedichte“ München 1844), aber in möglichst hölzerner Weise und nur als Chtengabe für Freunde gedruckt. Einen Abriß seines Lebens schrieb er, aber in lateinischer Sprache, für Joh. Bapt. Heindl’s bunte „Galerie berühmter Pädagogen, vetdienter Schulmänner, Jugend- und Volksschriftsteller und Componisten aus der Gegenwart“ München 1859, 1l, 219–26. Sein Hauptwerk, ein „Ortschaften-Verzeichniß dcs Königreich Baiern“, worin die heutigen Namen urkundlich aus dem 8.–14. Jahrh. belegt sind, welches R. auf tausenden von Zetteln sammelte, blieb als ungedruckter Torso im königl. allgem. Reichsarchiv hinttzrlegt. Vgl. den kurzen Nekrolog (vou A. Gutenäcker,) in Nr. 318 der Allgemeinen Zeitung vom 8. November 1880 und den warmen Nachruf von G. Mayethofer in den Histor.-pol. Blättern, 1880, 86. Bd., S. 880–84.