ADB:Russe, Johann

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Artikel „Russe, Johann“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), ab Seite 13, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Russe,_Johann&oldid=691123 (Version vom 25. Dezember 2009, 12:29 Uhr UTC)
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Russe: Johann R., dithmatsischer Chronist. Er war geboren zu Lunden in Nordetdithmarschen 1517 oder 1518, wo sein Vater Witte Johann, aus dem Geschlecht der Nußbolingman, Grundbesitzer war.. Dieser hatte zugleich mit 4 Brüdern unter den Augen des Vaters in der Schlacht bei Hemmingstedt am 27. Februar 1500 mitgestritten. Die Mutter war aus dem Geschlecht der Swyn, Schwester des 1537 ermordeten Peter Swyn und der Wide Junge, die den heldenmüthigen Versuch machte, den Heinrich von Zütphen vom Feuertode zu ertetten. Seinen ersten Unterricht hat R. am Vaterorte erhalten durch einen Ortsgeistlichen (Prestergesellen). Er hatte es zur Fertigkeit im lateinischen Ausdruck gebracht. Wahrscheinlich hatte er später auf einer deutschen Universität pte Rechte studitt – er heißt: vollgelerter –. Er lebte übrigens als Bürger tu Lunden, erlangte aber hier die Ehre, zum Achtundvierziger, d. h. zum Mit- La11desregenten ,ernamit zu werden. An ihn wandte sich 1546 der herzogliche Gesandte Benedtct Benzon, um einen herzoglichen Unterthanen, der in Dithmarschen in.Criminaluntersuchung gerathen, zu retten. R. zeigt sich befotmen und verständig, weiß den Leidenschaften Rechnung zu tragen, leitet mit Würde . und. Nachdruck die Verhandlungen und rechtfertigt so das Vertrauen, das man zu .thm hatte. Seine Thätigkeit beschränkte sich nicht auf die Verwaltung seines Ho1es und die Wahrnehmung seiner Pflicht als Mitglied der Landesregierung, er lebte nebenb.ei der Wissenschaft. Mit besonderem Eifer studirte er Geschichte und scheute keme Kosten zur Anschaffung bedeutender Werke. Er notirte sorgs kFiltig Alles was auf Dithmarschen Bezug hatte. Er sammelte Schlachtenlleder, Nachrichten aus Kircheubüchern, Missale, alte Exemplare der Laudestechte. [14] Er galt für den ersten Kenner der Landesgeschichte und man hoffte von seiner Feder eine Geschichte des Landes zu erhalten. Er starb aber schon, erst 4o Jahre alt 1558. Seine Papiere wurden zur Bearbeitung dem Landes * syndicus I.ic:. jur. Michael Voie in Meldorf übergeben. Bei der Eroberung Dithmarscheus 1559 wurden sie mit andern Arten mit Beschlag belegt, nach Gottorf gesandt. Von da sind sie später nach Kopenhagen gekommen, wo sie noch in der königlichen Bibliothek aufbewahrt werden. Professor Michelfen berichtete darüber und theilte Proben aus denselben mit in Falk’s Staatsbürgerlichem Magazin. Außer diesem existiren verschiedene Abschriften. In Westphalen’s 1V1onum0vta j11e(1jts. findet sich ein Theil gedruckt. Einen Auszug aus diesen Sammlungen besorgte der Dithmarsche Karsten Schröder (f 26. Septbr. 1615). Dieser ist gedruckt mit Einleitung von Kolster in der Zeitschrift der Gesellschaft für Schlesw.-Holst. Geschichte Bd. 7111 und gehört zu den Quellen des bedeutendsten dithn1atscher Chronisten, des Neokorus (s. A. D. B. )0(ll1, 428), der die Russe’schen Handschriften nicht hatte.

Michelsen in Falk’s Staatsbürgerl. Magazin V1, 601 ss., ll, 840. – Kolster in Zeitschrift d. Gesellsch. f. S.-H. Gesch., Bd. M11, 181–347.
Carstens.
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