ADB:Schäffer, August

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Artikel „Schäffer, August“ von Heinrich Welti in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 528–529, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sch%C3%A4ffer,_August&oldid=- (Version vom 4. Mai 2024, 13:36 Uhr UTC)
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Schäffer: August S., Musiker und Tonsetzer, wurde am 25. August 1814 zu Rheinsberg geboren, starb am 7. August 1879 in Berlin. Er zeigte schon in frühester Jugend Anlagen zur Musik und erhielt infolge dessen zu Potsdam, wo er 1824–1832 das Gymnasium besuchte, neben dem Unterricht in den wissenschaftlichen Fächern auch solchen im Violin- und Clavierspiel sowie in der Theorie der Musik. Letzteren ertheilten ihm der Organist Böttcher und der Musikdirector Joh. Ch. Schärtlich. In Berlin, wohin er sich 1833 wandte, fand er Förderung durch Felix Mendelssohn-Bartholdy und beendete seine Studien am königl. Institut für Kirchenmusik und bei Heinrich Birnbach. Im J. 1839 trat er mit seinem ersten größeren Werk, der dreiactigen Oper „Emma von Falkenstein“ auf, die im Königstädter Theater Glück machte. Ihr ließ er folgen: „Die Hirtin von Piemont, kom. Oper in 1 Act nach dem Französischen von Genée“ (Berlin, königl. Opernhaus 23. September 1841); „Eben recht, kom. Oper in 1 Act von C. Blum“ (Berlin, königl. Opernhaus 28. Februar 1847); „Die schöne Gascognerin, kom. Oper in 2 Acten von Gerber“ (Friedrich-Wilhelmstädt. Theater, 19. Februar 1852); „Junger Zunder, alter Plunder, Gesangsposse, 1853“; „Muttersegen, Schauspiel mit Gesang, 1854“; „José Riccardo oder die Spanier in Portugal, kom. Oper in 3 Acten von Grünbaum“ [529] (Hannover, 3. März 1857); „Noch ein Täßchen. Genrebild mit Gesang in 1 Act von Rudolph“ (Wallner-Theater 14. September 1859); „Junker Habakuk. kom. Oper in 3 Acten von Rudolf Löwenstein“ (Friedrich Wilhelmstädt. Theater 18. Februar 1861). Neben diesen dramatischen Werken, von denen sich keines auf der Bühne zu behaupten vermochte, schrieb S., der seinen Wohnsitz dauernd in Berlin nahm, eine Unzahl kleinerer Compositionen, namentlich Lieder und Gesänge. Ledebur (Tonkünstlerlexikon Berlins), der ein ausführliches Verzeichniß derselben gibt, führt im J. 1861 schon 93 opera an. Besonders berühmt und beliebt wurden seine heiteren Gesänge, komischen Duette und Männerquartette, die während der vierziger, fünfziger und sechziger Jahre Lieblingsstücke der deutschen Liedertafeln waren, Stücke wie: „Der Guckkastenmann“, „Der alte Fritz auf Sanssouci“, „Das Polkaständchen“, „Herzgalopp“, „Der feine Wilhelm“, „Vater Striegelack“, „Der sanfte Heinrich“, „Das Lied von der Polizei“ haben die Runde durch ganz Deutschland gemacht und lange Zeit den Männergesangsvereinen zur Erheiterung gedient. Der derb-komische Charakter, die alltägliche Empfindungsweise und die leichte Ausführbarkeit dieser Gesänge mußten sie um so sicherer zu den bevorzugten Leibstücken der niederen musikalischen Kreise machen, als die Armuth der Erfindung durch einen wohlklingenden mehrstimmigen Satz artig verhüllt war. Aehnlicher Art sind die komischen Duette für Männer- und Frauenstimmen, mit denen S. den Schatz bürgerlicher Hausmusik bereichert hat: „Die beiden Gevatterinnen“. „Frau Directorin und Frau Inspectorin“, „Der goldene Hochzeitsmorgen“, „Die kluge Hausfrau“, „Die Witterung oder der Amtmann und der Schulze“, „Die Dienstboten“ u. a. m. Drollige Situationen des täglichen Lebens sind in diesen für die Polterabendstimmung geschaffenen musikalischen Genrestückchen mit wenig Witz und viel Behagen ausgemalt. Auch in seinen einstimmigen Liedern, deren Charakter schon durch die Titel: „Das Schinkenlied“. „Das Pfäfflein“, „Junggesellenlied“. „Der Schneider von Kyritz“, „Das Schleppenkleid“, „Der Pfarrer von Ohnewitz“ u. dgl. gekennzeichnet wird, erhebt sich S. selten über den Ton der philisterhaften Gemüthlichkeit und wo er ernstere Stoffe ergreift wie z. B.: „Drei Heldenlieder von Th. Fontane“ verfällt er dem volksthümlichen Bänkelsang oder wie in seinen Liebesliedern einer schwächlichen und mit den billigsten Kunstmitteln wirkenden Empfindsamkeit. Von seinen wenigen Instrumentalcompositionen ist nichts besonders hervorzuheben; sie gehören der Gattung niederer Unterhaltungsmusik an und sind zumeist auf den clavierklimpernden Dilettantismus berechnet. S. wandelt als Vocalcomponist in den Pfaden Albert Lortzing’s, allein er reicht selbst mit seinen besten Stücken nur an die schwächsten Schöpfungen seines Vorbildes hinan.

Ledebur, Tonkünstlerlexikon Berlins. Berlin 1861. S. 494 ff.