ADB:Schrader, Heinrich Adolf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schrader, Heinrich Adolph“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 32 (1891), S. 429–430, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schrader,_Heinrich_Adolf&oldid=1687186 (Version vom 19. Dezember 2014, 10:47 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 32 (1891), S. 429–430. (Quelle)
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Heinrich Adolf Schrader in der Wikipedia
GND-Nummer 117024279
Datensatz, Rohdaten, Werke, Online-ADB/NDB, weitere Angebote
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Kopiervorlage  
* {{ADB|32|429|430|Schrader, Heinrich Adolph|Ernst Wunschmann|ADB:Schrader, Heinrich Adolf}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117024279}}    

Schrader: Heinrich Adolph S., Botaniker, geboren zu Alfeld bei Hildesheim am 1. Januar 1767, † zu Göttingen am 22. October 1836. Nach genossenem Schulunterricht in Hildesheim bezog S. 1789 die Universität Göttingen, um Medicin zu studiren, wurde 1795 zum Dr. med. promovirt, erhielt 1797 den Titel eines fürstlich hildesheimischen Medicinalrathes und habilitirte sich kurz darauf als Privatdocent. 1803 erhielt er eine außerordentliche Professur in der medicinischen Facultät und zugleich das Directorat des botanischen Gartens. 1809 rückte er zum Ordinarius in seiner Facultät auf und zwei Jahre später übernahm er auch noch die Leitung des ökonomischen Gartens. Nach vierzigjähriger Lehrthätigkeit an der Georgia Augusta und mehr als dreißigjähriger Wirksamkeit als Leiter der ihm unterstellten botanischen Institute, beschloß S., bald siebzig Jahre alt, ein in treuer Pflichterfüllung nur der Wissenschaft geweihtes, stilles und zurückgezogenes Gelehrtenleben.

Schrader’s wissenschaftliche Arbeiten liegen fast sämmtlich auf dem Gebiet der systematischen Botanik und sind theils Beschreibungen ganzer Florengebiete, theils kritische Auseinandersetzungen schwieriger Arten, Gattungen und Gruppen von Pflanzen. Sie tragen alle das Gepräge gewissenhaftester Forschung und umfassender Kenntnisse, blieben aber infolge des schwer zu befriedigenden Strebens ihres Verfassers nach immer größerer Vertiefung, häufig unvollendet. Als Vorläufer eines umfassend geplanten Werkes über die deutsche Flora erschien 1794 ein „Spicilegium Florae germanicae“ in seinem ersten, überhaupt nur herausgekommenen Theile vier colorirte Tafeln enthaltend. Die „Flora germanica“ [430] selbst, 1806 veröffentlicht, war ein seiner Zeit classisches Werk, durch musterhafte ausführliche Beschreibungen ausgezeichnet, brachte es aber in dem einzigen erschienenen Bande nur bis zur dritten Classe des Linné’schen Systems. Seine „Analecta ad Floram Capensem“ 1832, bringen die Cyperaceen des Gebietes und zwar im ganzen 49 Arten. Von denen 21 ganz oder zum Theil auf den beigefügten vier Tafeln dargestellt und analysirt sind. Die Beschreibungen von selteneren, in den Gärten cultivirten Pflanzen bringen zwei Arbeiten: „Sertum Hannoveranum, seu plantae rariores, quae in hortis regiis Hannoverae vicinis coluntur“ ein Foliowerk mit 24 colorirten, von Joh. Christian Wendland gelieferten Tafeln, wozu S. die Beschreibungen gab und mit vier Fascikeln, 1795 bis 1798, seinen ersten Band beschloß und „Hortus Gottingensis, sive plantae novae et rariores horti regii botanici Gottingensis“, vom Jahre 1809, ebenso in Folio und mit sechzehn colorirten Tafeln. Einzelne Pflanzengattungen behandeln: „Nova genera plantarum“ I. Theil, 1797, ein Foliowerk mit sechs Tafeln und „Genera nonnulla plantarum emendata et observantionibus illustrata“ 1809, mit fünf Tafeln. Auf Grund seiner Studien über die Cryptogamen gab S. als eine der ersten verkäuflichen Sammlungen 1796 und 1797 in zwei Lieferungen eine „Systematische Sammlung cryptogamischer Gewächse“ heraus, bestehend aus 174 Arten. Endlich seien noch seine auf einzelne Pflanzenarten sich beziehende Arbeiten erwähnt: „Abermalige Revision der Gattung Usnea“ in Hoffmann’s Flora Deutschlands, II. Theil, 1799, eine Erwiderungsschrift auf eine in der Jenaer Litteraturzeitung desselben Jahres veröffentlichte Recension, die an einen Aufsatz Schrader’s über die genannte Gattung in dem von ihm herausgegebenen Journal, Stück 1, 1799, anknüpft. Ferner: „Commentatio super Veronicis spicatis Linnaei“ 1803, „De Halophytis Pallassii, respectu imprimis ad Salsolam et Suaedam habito commentatio“ 1810, „Monographia generis Verbasci“, 2 Sectionen 1813 – 1823, „De Asperifoliis Linnaei commentatio“ 1820, „Blumenbachia, novum e Loasearum familia genus, adjectis observationibus super nonnullis aliis rarioribus aut minus cognitis plantis“ 1827. Das Werthvollste aus Schrader’s litterarischem Nachlasse ist im zwölften Bande der Zeitschrift Linnaea 1838, unter dem Titel: „Reliquiae Schraderianae“ veröffentlicht worden. Es sind unvollendet gebliebene Monographieen über Berberideen, über Philadelphus, Cucurbitaceen und Gräser. Nicht minder verdient wie durch seine litterarische Thätigkeit machte sich S. durch die Herausgabe einer botanischen Zeitung, der freilich ein längeres Leben auch nicht beschieden war. Unter dem Titel „Journal für die Botanik“ erschienen von 1799 – 1803 fünf Bände und nach dreijähriger Pause eine Fortsetzung des Unternehmens: „Neues Journal für die Botanik“, das mit dem vierten Bande 1810 sein Ende erreichte. Inhaltlich brachte das Journal Originalabhandlungen aus dem ganzen botanischen Gebiet, Auszüge aus fremdländischen Werken, Litteraturangaben und Correspondenzen und kann seiner Anlage nach als Vorläufer und Muster der im J. 1818 gegründeten und noch heute blühenden Zeitschrift „Flora“ gelten. Der botanische Garten zu Göttingen, welcher unter Schrader’s Vorgänger Hoffmann in Verfall gerathen war, wurde durch ihn bedeutend gehoben dadurch, daß er ihn sowol räumlich erweiterte, als auch das in ihm vorhandene Pflanzenmaterial vermehrte und durch sichere Bestimmung und zweckmäßige Einrichtung der wissenschaftlichen Benutzung zugänglich machte.

Nekrolog in Linnaea XII, 1838. – Pritzel, thes. lit. bot.
E. Wunschmann.