ADB:Spanheim, Friedrich (reformierter Theologe)
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Spanl)eim: Fri edrich S. der Aeltere, reformirter Theologe, Hauptkämpfer für die calvinische Orthodoxie, f 1649. Die Spanheim’8, Vater und Söhne, strahlten als ein glänzendes Gestirn am Gelehrtenhimmel der reformirten Kirche deZ 17. Jahrh.; unserS Friedrich’8 Glanz leuchtete voran; seine Söhne Ezechiel und Friedrich folgten ihm mit gleichem Ruhme. Friedrich S., der Aeltere wurde am 1. Januar 1600 zu Amberg i. d. Oberpfalz geboren; sein Vater war Wigand S., Doctor der Theologie und kurfürstlich pfälzischer Kirchenrath, der am pfälzischen Hofe unter Friedrich 17. und Friedrich 7. großeS Ansehen genoß. Nach- dem der junge Friedrich S. al8 Knabe seine Vorbildung in der Stadtschule zu Amberg biZ 161Z genossen hatte, gab ihn der Vater nach Heidelberg, wo sich der Jüng- ling biS 1619 eine vortreffliche philologjsche und philosophische Bildung erwarb. So auSge1üstet zog er auf Wunsch seines Vaters in diesem Jahre nach Genf, um daselbst refo1mirte Theologie zu studiren. Da brach nach Beginn dez 30- jäl)rigen Kriege?- daß politische Unglück über die Pfalz herein, wodurch eS dem Vater schwer gemacht wurde, den Sohn im fremden Lande bei den Studien zu erhalten; zum Unglück für S. aber starb nun der Vater im Jahre 1620 selbst, so daß er fortan bedacht sein mußte, sich ökonomisch selbst zu erhalten. Zu diesem Zwecke nahm er für drei Jahre eine HauZlehrerstelle bei dem Gouverneur von Embtün (Ambrün) in der Dauphim-S, einem Herrn v. Vitrolle8, an. Diese Stellung wurde indeß auch für seine eigene Bildung wichtig, weil er hier Ge- legenheit fand, mit Jesuiten zu di8putiren und dadurch in seiner eigenen Er- kenntniß fester zu werden. Später finden wir S. wieder in Genf, darauf in Paris, in dessen Nähe, zu Charenton, ein Verwandter von ihm, der Prediger Samuel Durant, lebte. Schon damal-z muß sich der erst 25jährige S. so vor- theilhaft bekannt gemacht haben, daß er jetzt einen Ruf alS Professor der Philo- sophie nach Lausanne erhielt. Er lehnte indeß diesen Ruf ab, machte 1625 eine Reise nach England und zog über PariS wieder nach Genf zurück. Dort sollte zunächst seinesS BleibenS sein: 1626 erhielt er hier eine philosophische und 1681 (nach Benedict Turretin’S Tode) eine theologische Professur. ,Jn dieser Stellung fühlte er sich so wohl, daß er verschiedene Berufungen an andere Hochschulen auß- schlug; er genoß in Genf allgemeine Achtung, war zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden und bekleidete von 108 bis 1637 daß Rectorat der Akademie daselbft. Da in diese Zeit die 100jährige Jubelfeier der Genfer Reformation fiel, die 16Z5 begangen wurde, so war er es, dcr ihr zu Ehren eine glänzende Rede über daß Thema »(3eu(z7u reStjtute1« hielt. Auch hat er hier die fran- zösische Sprache so elegant handhaben gelernt, daß zwei Arbeiten zeitgeschicht- lichen JnhaltS von ihm in Frankreich gerade umih1«er Sprache willen besonderen Anklang fanden. (ES waren »I1erOur8 8ujS8S« und der »801(18t 8uS(1oi8«, fran- zösisch, Rouen 1634 in 80; letzterer, bid3 1641 fortgeführt, enthält eine Geschichte des Z0jährigen Krieges bi8 dahin. Wegen ihrer feinen Sprache wurden diese Schriften damals Balsac zugeschrieben, vgl. unten.) Dennoch blieb S. den Genfern nicht erhalten; denn als ihn1642 ein Ruf nach dem damals classischen Lande der Bildung, der GeisteSfreiheit und der reformirten Frömmigkeit, nach Holland auf die Universität Leiden, traf, konnte er nicht widerstehen; er nahm den Ruf an, ptomovirte (weil in Holland jeder Professor den Doctorgrad besitzen mußte, waZ in der Schweiz nicht nöthig war) aus der Reise dahin zu Basel als Doctor der Theologie und begann 1642 zu Leiden seine akademische Thätig- keit. Nicht bloß durch Vorlesungen hat er hier als hochgeachteter Lehrer ge- wirkt, sondern er hat alZ Gelehrte-r und Rathgeber durch Schriften und Briefe [60] weithin Einfluß ausgeübt; bei der Exkönigin Elisabeth von Böhmen und bei dem Prinzen von Oranien galt er viel; die Königin Christine von Schweden bezeugte ihm brieflich ihre Hochachtung und versicherte ihm, daß sie seine Schriften mit Jnteresse gelesen habe. AlZ charakterfester Calvinist hatte S. auS seinen orthodox-dogmatischen Anschauungen nirgends Hehl gemacht; als daher der Theo- loge Moses Amyraut von Saumür in Frankreich einen hypothetischen Universa- litzmu8 der göttlichen Gnade lehrte, vertheidigte S. die ganze Schroffheit des calvinischen Dogma8 unermüdlich, biS der Tod ihm die Feder aus der Hand nahm. Ueberarbeitet und von häuSlichen Sorgen niedergedrückt starb S. früh, schon 1649. Gerade und ehrlich hatte er gestritten; daher haben Freund und Feind in gleicher Weise ihm Achtung zu Theil werden lassen. Seine lateinischen Schriften sind theilZ theologische theil8 historische: »1)ubiz eym1ge1iO8.« (Genf1654 in 4o). – »13zce1–0it:-1tj01:1eS (1S grztj8. uniye1–8A1j« (gegen Amyraut, in Octav, 1856 Seiten, Leiden 1645); »1IJpiSto1a zc1 00ttjerju111 (1S 0o11(:i1jztiomz grztizS uni7er8z1iS« (Leiden 1648 in 80), die kürzeste Zusammen- fassung der Spanheimischen Lehre gegen Amyraut, Cxcrpt. bei Schweizer (s. u.) 1l, 338 ff.; »kJpjSt01u 8(1 1311cb8m811um C10 (Jo11tr0yS1s8iiS Ang1j(:8ni8; 1!1piSto1-x mj A11är. RiyOtum 00ntrz tlo8. ll:1s11i 1jbrum» qu0ä epj8Oop8.tu8 Sit jurj8 äi7i11i; 7jw, 1.u(1oyj(J8O .1u1iz11ae» 131ectri0i8 1Iz1:1ti1189- 1s’1–i(19rj(:j 7. matri8« (Leiden 1645); »00mmeutajre8 l1jSt.0riqu6S (1o 1a 7jS et (i1e18. 1no1–t (1e 011rjSt0pb1e 7jOomt6 C16 1)o11nz« (Genf 1639); »I–e1uc1-mo ku11ebrj8 1?’ri(1e1–i0i kle11ri0i .41«zu8jo11j8 1’1«.« (Leiden 1647); »1)izt1«ib9 bj8t0ri0e1- C16 originS» progre8Su, 8e0tjS et 11omjnjbuS Knzb8ptj8t8.1–um« (in Cloppenburg’8 Oper. tl1eo1., ’1’. 1l- p. 249); endlich »l’j11(1j– 0j8e pro 8Jcer0itzti011ibu8 (1O gr8ti8 u11iyerSz1i«» sein letztes Werk, das er unter Händen hatte, al?- er starb; fein Sohn Ezechiel S. schrieb einen Anhang (.4ppen(1i1 vjuc1i(:j:-u–um) dazu und Andrea?- Rivetu8 gab eZ1649 in 4o zu Amsterdam her- aus. Neben dem Vater haben sich seine Söhne einen Namen erworben: Ezechiel S., der Staate3mann f 1710 (s. d.) und Friedrich S. der Jüngere, geb. 1632 in Genf, Prof. der Theologie in Heidelberg 1655–––1670 und in Leiden1670– 1701, f 1701, 18. Mai. Ueber letztem handelt die Herzog’sche Realencyklopädie 2. A., 14. Band (1884), S. 475. Ueber Spanheim’Z Leben handeln 1zbre1l18muS klei(18nu8- ’1’11e01. 1?r0k. 1.S)7(1. in seiner 01–atjo kunebrj8 k’rjä8rjcj 8p81111emji. –– 1s’1–e11er. ’k11e8.trum 7ir0rum (:18r01«um 1688, p. 543. 599. ––– 13a)–1e, 1)jotio11najrS 11i8torjqu9 et 0rjtjque (Rotterdam 1697, 1l- 1080). –– B81880- 1.9ttrSS, (vgl. Boyle a. a. O. S. 1082). –– Allgemeines historisches Lexikon, (Gottsched) Leipzig 1732 ; Zedle1«8 Universallexikon. Z8. Bd. 1743, 1099ff. –––Alexander Schweizer, die Central- dogmen der reformirten Kirche 11. (1856), 336 ff., 352ff., 46() ff. –– Herzog, Realencyklopädie, 2. A., 14. Bd. (1884), 473ff. – Spanheim’s Bild bei Freher ll. ll.