ADB:Stutzmann, Johann Josua
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Stutzmann: Joh. Josua St., Fichte-Schelling’scher Identitätsphilosoph, ist am 17. April 1777 im württembergischen Friolsheim geboren, war Gehülfe an der Deutschen Schule in Weißach (Württ.), habilitirte sich in Göttingen, war seit 1804 Privatdoceut in Heidelberg und lebte zuletzt – nachdem er eine Zeit lang in Würzburg und Bamberg privatisirt und in Cannstadt eine politische Zeitung redigirt hatte – als Gymnasiallehrer in Erlangen, wo er zugleich seit 1806 der Universität als Privatdocent angehörte. Er ist am 18. December 1816 gestorben. Seine Metaphysik („Philosophie des Universums – hiermit ist identisch: „Versuch einer neuen Organisation des philosophischen Wissens, zur Ankündigung und Einleitung meiner philosophischen Vorlesungen" – Erl. 1806, 11. Aufl. 1818; „Grundzüge des Standpunktes, Geistes und Gesetzes der universellen Philosophie", Erl. 1811) bewegt sich auf dem Boden des Schelling’schen Identitätssystems, das sie Fichte’s späterer Lehre anzunähern sucht. Auch seine Religionsphilosophie („Betrachtungen über Religion und Chtistenthum“, Stuttg. 1804; „Syftematische Einleitung in die Religionsphilosophie“, Gött. 1804, erster – einziger – Theil) faßt das Absolute als Identität des Realm und ,Idealen. Religion besteht darin, alles Jrdische als Symbol des Ueberirdischen hinzunehmen. Sie entspringt aus denselben Quellen wie die Dichtung: dem Gewissen als dem Vermögen für Recht und Pflicht und der Phantasie als dem Vermögen, daß Unendliche im Endlichen anzuschauen. Bei Uebergewicht des letzteren (idealen) Factors ergibt sich Poesie, bei Uebergewicht des ersteren (realen) Religion, in deren geschiek)tlicher Entwicklung bald das eine, bald das andere diefer beiden Momente vorherrscht. Seine „Philosophie der Geschichte der Menschheit“ (Nürnb. 1808) leidet an zu starker Constructionslust. Den göttlichen Personen entsprechen die drei Hauptperioden (von drei-, ein- und zweitausendjähriger [82] Dauer): orientalische Urzeit (Kindheit, Religion), griechisch-römische Welt (Jugend, Poesie), christlich-deutsche Welt (Matmesalter, Wissenschaft), auf die eine viertausend Jahre währende Zukunft folgt. Fernere Schriften: „System der Politik und des Handels von Europa“ (Nürnb. 1806); „’1’rs.ots.tus (1e re1–um pub1i(:eu–um wterjs 0rsOis.9 i11geui0 Atqu9 i11(1o19„ pars prims (Erl. 1806, 2. Aufl. 1818); „1?18.to (1e r9pub1i03.„ g1–zeo9 1ztjne, cum zuimmi7Srs. 0rit. et (:0mmonts.tiOnibuscc (Erl. 1807, 2. Ausg. 1818); „l)1ztO11i08. E10 1zl1i10S0pl1is ju usum prsi90tio1111m e(1.“ (Erl. 1807); pseudonym: „Denkmal dem Jahre 1813 gesetzt, von Macchiavelli dem Jüngeren“ (Germanien [Nürnb.] 1814); „19ro– grs mms,„ o11j i118unt; ob8or7atjo11S8 0ritic-as in n0nnu118 yswrum (3rso0orum 1oos (Erl. 1814); „1)1s0gr. C10 linguzrum in 0rbO t9rrmsum 11S1u“ (Erl. 1815). Außerdem eine Anzahl von Artikeln in Zeitschriften (s. Meusel). Endlich findet sich auf der Erlanger Universitätsbibliothek ein Manuscript „Methodologie“, vorgetragen im Wintersemester 1809.
- Vgl. Hamberger u. Meusel, Das gclehrte Teutschland Bd. R7, Lemgo 1811. Dasselbe, Supplem. Bd. 71II, 1825. – Noack, Philosophiegeschichtl. Lexikon, Leipz. 1879, S. 859. – Ueber Stutzmann’s religions und geschichtsphilosophischen Standpunkt finden sich kurze Angaben bei Pünjer, Gesch. d. christl. Religionsphilof., Bd. 1l, Braunschw. 1883, S. 116–117, und bei Rocho II, Die Philos. d. Gesch., Gött. 1878, S. 152–153.