ADB:Sylburg, Friedrich

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Artikel „Sylburg, Friedrich“ von Friedrich Koldewey in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 282–285, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sylburg,_Friedrich&oldid=2088037 (Version vom 31. Oktober 2014, 17:55 Uhr UTC)
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Sylburg: Friedrich. – S. wurde im J. 1536 zu Wetter, einem nicht weit von Marburg gelegenen Städtchen der preußischen Provinz Hessen-Nassau, als der Sohn eines dortigen Ackerbürgers geboren. Auf der Schule seiner Vaterstadt, der er die Grundlage seiner Bildung verdankte, waren seine Lehrer die Rectoren Joh. Fönilius und Justus Vultejus, von denen der Letztere später Pädagogiarch und zuletzt Professor der hebräischen Sprache zu Marburg wurde. Auch der gelehrte Pfarrer des Ortes, Joh. Pincier (s. A. D. B. XXVI, 148), von dem unter dem Namen Elias Palingenius mehrere Schriften über das heil. Abendmahl veröffentlicht worden sind, nahm sich des begabten Jünglings an und erklärte ihm die Schrift des Kirchenvaters Theodoret über die Vorsehung. [283] Von Wetter ging S. auf die Universität Marburg, wo er sich hauptsächlich mit dem Studium der beiden altclassischen Sprachen und der Geschichte beschäftigte. Sodann nach Jena. Die von J. A. Fabricius in seiner Bibl. Graec. III, 169 vorgebrachte und dann vielfach nachgeschriebene Angabe, S. sei dort ein Schüler Lorenz Rhodomann’s gewesen, erweist sich schon dadurch als unrichtig, daß dieser seiner Zeit vielgepriesene griechische Verskünstler und Historiker zehn Jahre jünger war als S. und erst 1591 nach Jena gekommen ist (s. A. D. B. XXVIII, 393). Im J. 1559 befand sich S. in Genf und wendete sich von dort nach Paris. Hier schloß er sich eng an den gelehrten Buchdrucker und Buchhändler Henri Estienne (Henricus Stephanus) an, um sich von ihm noch tiefer und gründlicher in die Kenntniß der griechischen Sprache einführen zu lassen. Zum Dank dafür hat er später seinem Lehrer für dessen bekannten Thesaurus Graecae linguae (1572, 5 Bde.) werthvolle Beiträge geliefert, ohne daß dieser, als sich die Gelegenheit dazu darbot, zu einer ähnlichen Dienstleistung sich hätte bereit finden lassen. Neben den altsprachlichen Studien benutzte S. seinen Pariser Aufenthalt auch dazu, sich in der französischen Sprache zu vervollkommnen. Nach seiner Rückkehr von Paris nach Deutschland übernahm S. an der Lateinschule zu Neuhaus bei Worms neben dem Rector Pithopöus und dem Conrector Crell die dritte Lehrerstelle, folgte aber nach einiger Zeit einem Rufe nach Lich in der Wetterau als erster Rector einer Schule, die dort von den Grafen von Solms ins Leben gerufen wurde. Auch an seinem neuen Wohnorte widmete sich S. neben seiner Unterrichtsthätigkeit im Lateinischen, Griechischen und Französischen mit rastlosem Eifer seinen wissenschaftlichen Studien und ließ als Frucht derselben 1580 zu Frankfurt eine Bearbeitung der „Institutiones in Graecam linguam“ des Niederländers Nicolaus Clenards (Cleynaerts, s. A. D. B. IV, 322) erscheinen. Dieses Werk, das zum ersten Male 1530 zu Löwen in die Oeffentlichkeit getreten, dann aber wiederholt neu aufgelegt war, umfaßte nur die griechische Formenlehre. S. erweiterte dieselbe durch umfangreiche Anmerkungen und fügte außerdem noch als ganz selbständige Zugabe eine Syntax hinzu, die, wenn man den damaligen Stand der Sprachwissenschaft als Maßstab anwendet, Anerkennung verdient. Jedenfalls fand das Werk den Beifall der Zeitgenossen. Der ersten Ausgabe in 4° folgten verschiedene andere, theils in demselben Formate, theils in 8°, und schließlich hat der gelehrte Gerh. Joh. Vossius es für der Mühe werth gehalten, die Clenard-Sylburg’sche Grammatik noch einmal einer Ueberarbeitung zu unterziehen und sie 1650 neu herauszugeben. Auch die hessischen Landgrafen wußten Sylburg’s Kenntniß des Griechischen zu schätzen und boten ihm gegen Ende des Jahres 1581 die erledigte ordentliche Professur der griechischen Sprache auf der Universität Marburg an. S. aber lehnte die ehrenvolle Berufung ab, um durch das akademische Amt nicht in seiner schriftstellerischen Thätigkeit behindert zu werden. Bald verzichtete er auch, um noch mehr Muße für seine gelehrten Arbeiten zu gewinnen, auf das Rectorat zu Lich und zog nach Frankfurt a. M., wo er für die berühmte Wechel’sche Buchdruckerei – Andreas Wechel hatte dieselbe infolge der Protestantenverfolgung in Frankreich 1573 von Paris an das Ufer des Mains verlegt – als Corrector sowie als Bearbeiter und Herausgeber griechischer Schriftsteller thätig war. Von seinen eigenen Werken widmete er die Ausgabe des Aristoteles (5 Bde. 4°, 1584 bis 1587) den hessischen Landgrafen Wilhelm IV., Ludwig IV. und Georg I. Wilhelm IV. ließ ihm dafür als Zeichen seiner Anerkennung aus den Einkünften der Marburger Universität einen jährlichen Ehrensold zufließen, „damit er dadurch zur Bearbeitung und Herausgabe anderer gelehrter Werke Aufmunterung erhalten möge“. Im J. 1591 siedelte S. dann nach Heidelberg über, wohin ihn vor allem der Reichthum der kurfürstlichen Bibliothek an griechischen Handschriften [284] lockte. Hier trat er zu dem gelehrten Buchdrucker Hieronymus Commelius (s. A. D. B. IV, 436) in ein ähnliches Verhältniß, wie er es in Frankfurt zu den Besitzern der Wechel’schen Officin gehabt hatte, erhielt 1595 eine Anstellung an der Bibliothek, starb aber bereits am 17. Februar 1596, nach einem Vermerk in den Acten der Artistenfacultät, „febri ardente et pestilentiali“, nach der Inschrift des ihm von seinem Erben gewidmeten Grabsteins „nimiis vigiliis ac typographicis laboribus consumptus“. Wenige Tage vor seinem Tode hatte er für die zu besetzende Professur der griechischen Sprache mit Aemilius Portus auf der engeren Wahl gestanden, und vielleicht war es nur der Zweifel an seinem Wiederaufkommen, der bei der Entscheidung gegen ihn in die Wagschale fiel. Verheirathet war er mit der ältesten Tochter seines ehemaligen Lehrers, des Pfarrers Pincier zu Wetter, doch ist über seine Familienverhältnisse so gut wie nichts bekannt. Seine vorzügliche Privatbibliothek fiel zunächst an seinen Erben, den Doctor beider Rechte Joh. Friedr. Gernandus aus Wetter. Was später daraus geworden ist, liegt völlig im Dunkel.

S. gehört zu den bedeutendsten Kennern der griechischen Sprache und Litteratur, die das 16. Jahrhundert aufzuweisen hat. Wie gewandt er die Sprache selbst zu handhaben verstand, zeigen seine zierlichen griechischen Gedichte und seine Uebertragung des Heidelberger Katechismus ins Griechische. Von seiner Bearbeitung der Grammatica Clenardina ist bereits oben die Rede gewesen. Die von ihm veranstalteten Ausgaben einer nicht geringen Anzahl griechischer Schriftsteller sind mit großer Genauigkeit und Sorgfalt gearbeitet und lassen überall Scharfsinn und Feinheit in der Beobachtung des Sprachgebrauchs erkennen. Seine eigenen Verbesserungen wagte er aus übertriebener Aengstlichkeit und Bescheidenheit meist nicht in den Text aufzunehmen, sondern theilte sie in den Anmerkungen mit, in denen sie sich nur allzu leicht der Beachtung entziehen. Einen ganz besonderen Vorzug bilden die den Ausgaben beigegebenen, mit äußerster Sorgfalt zusammengestellten sprachlichen und sachlichen Indices. Außer dem bereits erwähnten Aristoteles edirte er u. A. die Reisebeschreibung des Pausanias (Frankfurt 1583, fol., nach den Vorarbeiten des 1576 verstorbenen Heidelberger Professors Wilhelm Xylander, eig. Holzmann, neu aufgel. Hanau 1618, fol.), Herodot (Frankfurt 1584, 8°), die sämmtlichen Werke des Dionysius von Halikarnaß (2 Bde., Frankfurt 1586, fol.), eine seiner vortrefflichsten Arbeiten, deren Werth namentlich von dem Historiker Niebuhr sehr hoch gestellt wurde, Apollonius Dyskolos περἱ συντάξεος (Frankfurt 1590, 4°), das Etymologicum magnum Graecum (Heidelberg 1594, fol.), die gnomischen Dichter Theognis, Phokylides, Pythagoras, Solon u. a. (Heidelberg 1597, 8°), ferner von den griechischen Kirchenvätern Clemens Alexandrinus (Heidelberg 1592, fol.), Theodoret’s Werk Ἑλληνικῶν θεραπευτικὴ παθημάθων (Heidelberg 1592, fol.), Justinus Martyr (Heidelberg 1593, fol.), Andreas von Kreta’s Commentar zur Apokalypse (Heidelberg 1596, fol.), sodann auch einige christliche Dichter, des Apollinaris Paraphrase der Psalmen (Heidelberg 1596, 4°) und des Nonnus Paraphrase des Johannesevangeliums (Heidelberg 1597, 8°). Seine Sammlung der „Scriptores historiae Romanae“ (3 Bde., Frankfurt 1588 f., fol.) enthält neben den griechischen auch die lateinischen Quellenwerke der römischen Kaisergeschichte. Außerdem hat er von lateinischen Schriftstellern nur die Scriptores de re rustica (Heidelberg 1595, 8°) herausgegeben; wie sehr er aber die lateinische Sprache beherrschte, zeigen neben seinen Briefen, Vorreden und Anmerkungen auch die Uebersetzungen, die er den griechischen Texten beigefügt hat. Sein Katalog der in der Bibliotheca Palatina vorhandenen griechischen Handschriften (abgedr. Miegii Monum. piet. et litt. Frankfurt 1631, 4°) läßt erst erkennen, welch schmerzlichen Verlust Heidelberg, ja, welchen Verlust ganz [285] Deutschland 1623 durch die Fortführung jenes unvergleichlichen Bücherschatzes nach Rom erlitten hat.

Vgl. J. G. Jungius, Vita Frid. Sylburgii (Berleburgi et Francof. 1745). – Fr. Creuzer, De Frid. Sylburgii vita et scriptis orat., in Nova Acta soc. Lat. Jenensis ed. Eichstädt, vol. I (Lips. 1806), S. 79–102. – K. W. Justi, Friedrich Sylburg, in Strieder’s Hessischer Gelehrten-Geschichte, Bd. 18 (Marburg 1819), S. 481–494. Auch als Sonderdruck, Marburg 1818. In diesem Werke findet sich auch die ältere Litteratur über S. angegeben. – Schoell, Biographie universelle ancienne et moderne, vol. 18 (Paris 1826), S. 301 ff. – Fr. Creuzer, Frid. Sylburgi epistolae quinque ad Paulum Melissum (Francof. 1827). Auch in Creuzer’s Opera. sel. (Lips. 1854), S. 195–213. – L. Kayser, Heidelberger Philologen im 16. Jahrhundert, abgedr. in der Festschrift zur Begrüßung der 24. Philologenversammlung (Leipzig 1865), S. 142–147. – Die Schriften Sylburg’s werden verzeichnet bei Jungius a. a. O. S. 35–38, in Jöcher’s Gel.-Lexikon, Bd. IV, Sp. 956 f., in Zedler’s Univers.-Lexikon, Bd. 41, Sp. 555–557, am vollständigsten bei Justi a. a. O. S. 490–492.
F. Koldewey.