ADB:Vondel, Joost van den

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Artikel „Vondel, Joost van den“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), ab Seite 290, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Vondel,_Joost_van_den&oldid=718319 (Version vom 24. Dezember 2009, 07:11 Uhr UTC)
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Voudel: Joost van den V., der größte Dichter der Blüthezeit Hollands. Der Familienname bedeutet „von dem Brückchen“ und weist darauf hin, daß die Vorfahren an einem Wasserlaufe wohnten. Der Dichter war geboren am 17. November 1587 zu Köln, wohin seine Eltern sich vor der Verfolgung der Wiedertäufer aus Brabant geflüchtet hatten. Die Mutter, Sara Kranen, war sogar als junges Mädchen katholisch getauft worden, weil ihre Mutter nur so vom Feuertode in Antwerpen hatte gerettet werden können. An seiner Geburtsstadt hing der Dichter mit Liebe, und richtete an Gustav Adolf, als man diesen 1632 in Köln erwartete, ein Gedicht, worin er für Köln um Gnade bat. Ebenso widmete er der Stadt Köln sein Trauerspiel von S. Ursula „(1S Mzr.Og11c1e1r 1639. Etwa 10jährig .kam der Knabe nach Amsterdam, wo sein Vater, der bis dahin als Hutmacher seinen Unterhalt gefunden hatte, einen Strumpfladen eröffnete. Joost lernte in der Schule zu Utrecht, wo sein Vater sich aufhielt, ehe er nach Amsterdam kam, nur die Anfangsgründe, während sein Bruder Willem die Rechte studirte, aber früh starb. Nach dem Tode des Vaters heirathete V. Maria (Mayken) de Wolf, aus einer ebenfalls brabantischen Flüchtlingsfamilie, die Schwester seines Schwagers. Die tresfliche Frau besorgte nicht nur daß Hauswesen, sondern auch daß Geschäft ihres Mannes, der sich nun ganz seinen dichterischen Neigungen hingeben konnte.

Früh schon hatte er zu reimen begonnen, stand aber anfangs noch ganz in den Anschauungen und Gewohnheiten der Redetyker, deren schlotteriger Versbau, deren unreine, bald mit niedrigen, bald mit fremdsprachlichen Wörtern gemischte Sprache sich bei Vondel wieder findet. Sein erstes Gedicht, welches erhalten blieb, war ein Hochzeitsgedicht, ein 8c11rit’tusi–1)so1e 13ru)–10kts rekkers)7u von 1605. Dann konnte er in der brabantischen Kammer zu Amsterdam, der Lavendelblume, sein erstes Drama aufführen sehen, welches 1612 auch im Druck erschien mit dem Titel -„ll(-dt?e18O11a 0kte c1e yer10S8j11gb0 . . . 18rze18 we 1JIgypten. ’1’1–zge– come(1jsc:be1– wzse . . . opt to1111Ser gsre1r“. Hier zeigt sich bereits der Grundzug der Bühnendichtung vondel’s, ihre Bezüglichkeit auf die politisch-kirchlichen Creignisse und Zustände. Moses ist Wilhelm von Oranien, der sein Volk auß- der spanischen Tyrannei erlöst. Der Druck war mit einer französischen Episte l in Alexandrinern einem reichen Gönner zugeeignet.

Den Einfluß französischer Poesie läßt nun auch die sonstige Dichtung Vondel’s in dieser Zeit erkennen. Inä-besondere ist es der Hugenott Saluste du Bartas (1544–1590), dessen auch in Deutschland nachgeahmte Bearbeitung des Alten Testaments V. zum Vorbild diente: s. K. ll911c1rj158- .1o08t mu (1en Vor1(1er en 0. C19 88.1usts Sk (1u B8-rts„?rosks011rjkt„ l-eic1Sn 1892. Schon im Pascha ist Vieles aus du Bartas entlehnt, den der Dichter in der französischen Epistel rühmt. 1616 ließ er „(1e Rsac1ere1r, aus der 2. Woche von du Bartas übersetzt, erscheinen, und 1620 „l)e lleer1)sO1c11ej(1 mn 88.1omon“„ beides Stücke, die er wohl schon früher verfaßt hatte; er entlehnte eben daher manchen Zug um seine „Helden des A. zu schmücken. Auch der Hymnus auf den christlichen Ritter 1620 ist dem ’1’rj0miz11e C18 1z 1s’o)s vielfach nachgebildet. Ebenso sind in den späteren Gedichten zu Ehren Friedrich Heinrich’s von Nassau noch manche Spuren dieses Einflusses zu finden. Hier konnte V. Manches ge- [291] brauchen, was du Vartas an Heinrich 17. Von Frankreich gepriefen hatte. Selbst im Palamedes ist der berühmte Chor der Euböer wohl eher aus du Vartas. als aus einem sonst vielfach ähnlichen Stücke von R. Garuier oder aus dem beiden zu Grunde liegenden Chor im Hercules furens des Seneca genommen. Die directen Uebersetzungen sind allerdings nicht ohne Fehler, nicht ohne leere Füllsel; sie sind zuweilen unklar, zuweilen gedehnt. Und das Vorbild des Franzosen konnte zwar Erhabenheit des Ausdrucks, Reinheit in Sprache und Vers lehren, verführte aber auch zum Prunken mit einer Gelehrsamkeit, die sich gelegentlich in natürlichen Dingen zu Plattheit und Rohheit verirrte; zugleich brachte es ein Schwelgen in froftigen Allegorien, eine Spielerei mit neuen Wortbildungen, mit Schallnachahmungen und Verkleinerungsformen mit sich, die auch Vondel’s spätere Werke oft entstellten.

Die nächsten Dichtwerke, welche auf daß Pascha folgten, tragen noch dazu theilweise den Stempel der bestellten Waare: es sind Erläuterungen in Alexandrinern, welche sich in Bilderbüchern vorfinden: 1)S (3tuläot1 Wino11z1 (der goldne Laden) (1er 1c0118c1is7et1(1S N9äSr1811(1or8- Amsterdam 1613, wobei aus einer älteren, u. d. T. Mikrokosmus zu Antwerpen erschienenen Sammlung die Stiche wiederholt wurden; 1617 7O1–8te1ij(J1(8 W8.r:-wä0 (fürstlicher Thiergarten) t191- (1ieren; 1620 DS 11e1(19u (30ä98 (1es 0Un-c1en 7SrbOu(18 (die Gotteshelden des alten Testaments). Inzwischen aber suchte V. die Lücken seiner litterarischen Bildung eifrig auszufüllen, indem er lateinischen Unterricht nahm. Noch wirksamer erwies sich der Umgang mit den vorzüglichsten Schriftstellern in Amsterdam, wodurch der junge bürgerliche Dichter selbst in daß Haus Roemer Visschers und in den um Hooft versammelten vornehmen Kreis Zutritt erhielt. Hier lernte V. vor allem die antiken Dichter näher kennen, deren Muster noch über denen der Renaissancepoesie standen: aus Seneca, später aus Sophokles und Euripides entnahm er seine Vorbilder, die er theilweise durch Uebersetzung sich ganz anzueignen suchte. Von den gleichzeitigen Philologen stand ihm besonders Gerhard Vossius nahe, der ihm über die Form der antiken Tragödie Ausschluß gab. Geradezu in Verbindung mit den Freunden bearbeitete V. die Troades des Seneca, die er nach ihrer Prosaübertragung in Verse gebracht als 1)e 1zmstsiä8„msOlle k1S1(nbs t 1625 drucken ließ.

Doch 1620 war er auch als Tragiker noch einem französischen Vorgänger gefolgt. Sein ’l’reu1–8p0r lli0rus9„1S1n y9rWoest„ worin er die Zerstörung durch Titus darstellt, benutzt vielfach 1A- ’1’roA(1O und 8ödc1SOjs ou 19S .1uiky88 von Robert Garnier, wenn schon hier Nebucadnezar als der Eroberer erscheint. Es war das erste Stück, welches V. auch noch in späterer Zeit anerkennen wollte. Um diese Zeit überstand er eine lange krankhafte Schwermuth, nahm dann aber einen um so feurigeren Antheil an dem gerade damals überaus bewegten Leben seines Volkes. Eben war im Streite zwischen Moritz von Oranien und Oldenbarnevelt der Sieg auf die Seite des monarchistischen Princips, des strengen Calvinismus, des Krieges gegen Spanien gefallen. Es war vor allem die confessionelle Engherzigkeit der Dordrechter Synode und ihrer Anhänger gegen die freieren Remonstranten, .was den Dichter empörte. Als Diakon der freigesinntesten Gemeinde unter den Wiedertäufern, der Waterlanderen, womit sich übrigens seine Antheilnahme am Theater wohl nicht leicht vereinigt haben mag, war er nicht unmittelbar von diesen Verfolgungen betroffen, zog sie sich aber durch sein Eingreifen in den Streit zu. Der Tod Oldenbarnevelt’s auf dem Schaffot 1619 erschien auch V. als der schändlichste Justizmord. Ein vornehmer Schöffe, Albert Koenraedts Burgh, trieb ihn an, eine Tragödie darüber zu dichten und er benutzte das Schicksal des Palamedes, der vor Troja durch die Verleumdung:n des Ulysses und den Haß Agamemnon’s seinen Untergang 19* [292] gefunden haben sollte, zu einem außerordentlich wirkungsvollen Gegenbild jener Zeitereignisse (s. meinen Aufsatz im Archiv für Littgesch. 111, 202–224). V. „ arbeitete an dem Stücke, als Prinz Moritz 1625 auf dem Sterbebette lag. Sein Bruder und Nachfolger, der freisinnige Friedrich Heinrich, nahm am Palamedes weniger Anstoß als die freilich mit den dunkelsten Farben gemalten Vertreter der Priesterschaft und die Verwandten der Ankläger Oldenbarnevelt’s. Ein Haftbefehl ward erwirkt, und wäre B. vor dieRichter im Haag geführt worden, so hätte es ihm leicht den Kopf kosten können. Aber er konnte sich auf dem Landgute seines Gönnets Laurens Joosten Baeck zu Scheibeck bei Beverwyk verborgen halten, und die Amsterdamer Richter begnügten sich mit einer Geldbuße von 800 Gulden, welche der von V. nicht verrathene Anstifter der Dichtung bezahlte. Noch später fand es V. gerathen, eine eingehende Deutung seines Stückes, die er für den Druck ausge-arbeitet hatte, lieber zu verbrennen. Begreiflich, daß das Schauspiel, welches unter dem Titel: 1)818.ms(1es ok vsrmOor(1c–z omiOose1bszsä (Crmordete Unschuld) 1625 erschien und in demselben Jahre noch sechs Auflagen erlebte, den Namen des Dichters rasch berühmt machte. Er trat mit dem größten Eifer auch als Lyriker in den Kampf der Parteien. Rührend beklagte er auch in dieser Form Oldenbarnevelt’s Schicksal, u. a. in einem Lied auf das Stöckchen, daß den Greis auf das Schaffot begleitet hatte, und jubelnd begrüßte er die Befreiung des Hugo Grotius, der als Wortführer der Remonstranten auf ewig eingekerkert, durch eine List seiner Gemahlin entkommen war; der große Gelehrte und Staatsmann ist zeitlcbens ein warmer Lobredner des bürgerlichen Poeten geblieben, dem er für seine Tragödien fachkundigen Rath ertheilte, während V. selbst Werke des Grotius in niederländische Verse brachte.

Scharf dagegen –trat V. in l–le1ct-1c1jcJ11ten d. h. Satiren den reformirten Prädicanten entgegen, welche allerdings den Pöbel Amsterdams immer von neuem gegen die Anhänger freierer Ansichten aufhetzten. Im Volkston, der auch sehr niedrige Ausdrücke zuließ, verfaßte er 1627 Romm91pot mut l–rme1cOt „Mischtopf des Hühnerhofs, mit Anspielung auf den Namen des Predigers Hanekop, welcher die Aufruhrstifter getadelt hatte und deshalb vom Kirchenrath abgesetzt ward. 1630 folgten Rosies m, llm–p0en und Ben Otter in’t b01– v7er1c. Seinen ganzen Ak-scheu vor der harten Lehre Calvin’2 von der Gnadenwahl ergoß er in sein 1)eOretum borrjbj1e 1631. Anderseits verherrlichte er den Prinzen von Oranien und dessen siegreiche Feldzüge gegen die spanischen Niederlande, mit der Begroetenjs beim Antritt seiner Statthalterschaft 1626, mit der (3eboOrt1c1Oo1e y:-m Willem y:-m Rs8uu, „ dem späteren Wilhelm II. 1626, mit der 7erON-ring s.u 0ro1 1627 u. a. Friedrich Heinrich erwies dafür dem Dichter keine klingende Dankbarkeit, vielleicht um die strengealvinistische Partei, seine festeste Stütze, nicht zu verletzen. Als Patriot und Protestant erwies sich V. auch in einem Gedicht an Gustav Adolf von Schweden, welchs er 1628 auf einer Reife im Sund abfaßte und worin cr dem Könige den Sieg über Oesterreich und Rom prophezeite. Den Fall Magdeburgs beklagte er in seinem 1.)–o1(oiker ys u I1zegllc1(-burg 1631. Doch nicht lange darauf änderten sich seine Ansichten und zwar so völlig, daß er, um dem Kirchenzwang der Reformirten zu entgehen, sich den Jesuiten ganz in die Arme warf. Als Künstler hatte ihn schon früher die katholische Kirche angezogen, 1620 verfaßte er bereits einen l-ok2-v.ng op (1e 1cujsot1S eu go(1esyru011tjgs ms u–te1m–OsSe St. Ag11S8. Dann brachte er seine Bewunderung der mittelalterlichen Festpracht zum Ausdruck in einem Stücke, welches zur Einweihung des neuen Theaters, der Schouburg, 1637 aufgeführt wurde und als localpatriotisches Drama noch jetzt alljährlich aufgeführt wird: (3y8breg11t wu [293] .Su-mste1. Es schildert den Ueberfall von Amsterdam durch die Anhänger des y Grafen von Holland am Weihnachtsabend 1296. Die nächtlichen Kämpfe, ja die Kriegslist der Eroberer sind dem II. Buch der Aeneis nachgeahmt. Eine echt holländische Gestalt ist die starkherzige Gattin des Helden. Allerdings wird in anachronistischer Weise die Stadt Amsterdam ungefähr so geschildert, wie sie kurz vor der Reformation war. Der Clarissenchor, der fromme Bischof sind vom Dichter mit vollster Sympathie gezeichnet. Immer deutlicher wird seine Hinneigung zur katholischen Kirche in den Maegheden 1689, der Legende von Ursula und den 11000 Jungfrauen, in Deter S11 19-um918 1641- während DS 0tsb1osc1ers (der Untergang der Söhne Saul’s), .l0SSpb ju 1)0t11x-m und .losOp11 ju 13gz-ptsn 1640 nur die biblische Geschichte wiedergeben und dabei das Studium der französischen Dichter Garnier und Jean de la Taille verrathen. Im J. 1640, am Geburtstage vondel’s fand seine Conversion statt, welche in dem damaligen Berichte der Jesuiten als ein bedeutender Gewinn bezeichnet wird. Außer ihnen und anderen katholischen Geistlichen waren besonders Verwandte des Dichters dafür thätig gewesen. Im Februar 1635 war seine Frau gestorben; seine Tochter Anna zeigte früh katholische Neigungen; eine jüngere weibliche Verwandte trat gleichzeitig mit V. über. Dagegen wird es wohl nur Klatsch sein, wenn vondel’s Wunsch eine reiche katholische Wittwe heirathen zu können – man dachte in neuerer Zeit an Tesselschade, die Tochter Roemer Visschers, die kurz vorher ihren Gatten verloren hatte – zu seiner Conversion beigetragen haben sollte. Bei seinen bisherigen litterarischen Freunden fand der Uebertritt begreif1icherweise starke Mißbilligung, namentlich Hooft verbot ihm nun seine „Geusentafel“. Allerdings trieb nun V. auch den Ausdruck der neugewounenen Anschauungen auf die Spitze. Nicht blos, daß er die Legenden der heiligen Frauen in der Form der Heroiden Ovid’s 1643 behandelte: 13rie7S11 11er 11ej1ige mmeg11(1On ms.rte13.rssS11„ daß er 1645 die A1ts.Srgsi1SimenjsO1j- eine Deutung der Messe, in drei Büchern veröffentlichte; er suchte nach dem Tode des S Grotius in estrotjus 1’sts„mmt 1645 aus dessen Schriften zu beweisen, daß der große Gelehrte Katholik gewesen sei.

Die Ausfälle, welche er in I19„1–js. 8tumr ok gems„rte1(1S r118.„jestsjt 1646 gegen den Protestantismuis gerichtet hatte, zogen ihm wieder eine Buße von 180 Gulden zu, welche der Buchhändler für ihn bezahlte. Als der Dichter 1644 seine Ders(Jbs)-(1(z 0e(1i(:11ten, bOstsen(19 in 2egO2811gsu„ l(1in1((1jO11tsi1„ I.ok– en Berrzsm911’ B1–u(1ot’tc1iO11ten- I.sic- Su (3srs„k(1iObten- 1llenge1rjIm eu 33.ng911herausgab, und nicht nur die unvollkommeue Jugendpoesie, sondern auch die protestantisch gesärbten späteren Gedichte gusschloß, wurden diese gegen seinen Willen als 7ers(:11e.y(1e 0Sc1io11t011„ meeäe 1)SS1 1647 gesammelt. Der Herausgeber war G. Brandt, der sich damals nur mit dem Buchstaben 1). bezeichnete, später aber sich dem Dichter entdeckte und dessen Verzeihung erhielt.

Immerhin wurde wieder ein Stück Vondel’s aufgeführt, als der westfälische Frieden zu feiern war, der für Holland den Schluß des0jährigen Krieges gegen Spanien und die völlige Anerkennung seiner Unabhängigkeit bedeutete. Es war das I.emtsp(si d.h. Schäferspiel 1)e lseuWO11(181ers 1648. Mit Benutzung von Guarini’s 1’s„8tor ü(1o„ den übrigens schon 1616 der Ritter Herman Rodenburg in seinem Drama `Jl’1–ouv7en B8teuNi9r bearbeitet hatte, sowie des Aminta von Tasso wird eine Allegorie auf den vergangenen Zwist und das gehoffte Bündniß von Nord- und Südniederland, Holland und Belgien vorgeführt. Es fehlt nicht an menschlich liebenswürdigen Zügen. wie sie besonders an der jungfräulichen Hageroos, der Vertreterin des Südens hervortreten. Aber das Ganze erhält eben nur durch die Beziehung auf die politischen Verhältnisse vollen Sinn, und es ist nicht zu leugnen, daß der Süden dabei besser wegkommt. [294] Noch stärker tritt wieder die katholische Auffassung des Dichters hervor in seinem l-uOjker 1654, worin das Verhalten des abtrünnigen Erzengels wesentlich auf Wilhelm von Oranien paßt. Daher auch die rasche Beseitigung des Stückes von der Bühne. Um die Theaterverwaltung. welche für Waisenhaus und Spital geführt wurde, für ihre Unkosten bei Anschaffung des Bühnenhimmels zu entschädigen, dichtete V. seinen 8z1m0m-us 1657. Um diese Zeit trafen ihn harte Schicksalschläge. Von seinen Kindern waren zwei früh gestorben: Constantin und Sara. Dem Knaben hatte der Dichter 1622 ein rührendes Leichengedicht in sanft schwebenden Tönen gewidmet. Den Namen hatte er ihm von Kaiser Constantin gegeben, dem er unter Beirath von H. Grotius ein Epos widmen wollte, ohne es jedoch vollenden zu können, weshalb er auch zuletzt die bereits geschriebenen Stücke wieder vernichtete. Noch ein Sohn war übrig, der nach dem Tode der Mutter das Geschäft übernahm. Leichtsinn und besonders der Einfluß seiner zweiten Frau führten ihn 1657 an den Rand des Bankerotts; er mußte sich nach Ostindien einschissen, starb aber unterwegs. Der Vater opfe1te sein Vermögen, 40000 Gulden. Vergebens suchte er durch Eintreibung alter Ausstände daß Geschäft wieder zu heben. Da fand die Verehrung für den Dichter einen Ausweg. Hatten schon 1653 die Maler bei ihrem S. Lucastag V. bekränzt, so sorgte jetzt die kunstliebende Gattin des Bürgermeisters für ein Unterkommen. Er ward 1658 am Leihhaus angestellt, allerdings ein Posten, der ihm wenig gefiel, so daß er anstatt Rechnungen Verse schrieb und darin auch nicht gestört wurde. Noch hatte er Kraft zu lyrischer und dramatischer Production: es folgten sich 1659 .l0pt11z Ok 0kkerbsiOkte (Opfergelübde), bemerkenswerth durch den Gebrauch der Un-1–8 czou1mmi8 nach Ronsard8 Rath, 1660 1cOuj11g 1)msj(1 in bs t11i11gsc118p (in der Verbannung) sowie 1L. V. ll(zrste1c1 (wieder eingesetzt) und 8emiS0n ok heilige- 33rzeO1e (Rache), 1661 .-!(1o11iE18 Ok 1–8mi:D881ige ILr0112uOllt (unglückselige Herrschbegier), 1668 138.t:2usjs(:116 (3ebr0e(1ers (die Geschichte von Claudius Civilis, welchen V. Nicolaus Burgerhart nannte), 1663 14’seto11 ok reu1(e1o2S 8t0utbejt (ruchlose Kühnheit), 1664 1zc1iun in b:ct11j11gs(:11e1p ok 811er treurspsiS11 treursper nach H. GrotiuS’ Adam Exul, 1667 2ung011in ok o11(1e1–gsi1g eier 8j11es0119 l–1e9rsObMP)’9- ein Gegenstand aus der Zeitgeschichte, endlich 1667 sein letztes Originaldrama Ros.11 ok 0mjergA11g 11er 8rste N–ersit.

Zu den angeführten Originalstücken kommen noch folgende Uebersetzungen: llecubz nach Seneca 1625, 8opbompsi1eas 1635 (die Geschichte Joseph’s nach H. Grotius bearbeitet, ebenso wie .Ec1e1.m j11 bs11i11gsc118,p). l–1jppo1yt11S ok rAmp– 8z1ige Iiuz7811ej(1 nach Seneca 1628, 131eOtra mn 8op1101(1es 1639„ l5011jvg 1?J(1j– pus ujt 80k0151es 1660- 1ügsi1ie j11 ’1.’suren uit kJu1jpjäes 1666- 13Ju1–jpi(1es 1?enj– cjzmi18c:lle Ok gsbroe(:16r8 mn Tl’r1Sbe 1668 und 8oko1c108 ltlsr0u1es ju ’1’ru0bin ysic1ujts0bt 1668.

Im Ganzen sind es 32 Dramen, außer dem einen I-111tsiz(-1 nur Tragödien. Mehr und mehr schloß sich der Dichter eng an die antiken und neulateinischen Vorbilder, wie er auch die darauf gebauten theoretischen Schriften eifrig gelesen hatte. Infolge hiervon sind seine Stücke höchst einfach gebaut: meist Eröffnung durch Monolog, Schluß durch Botenrede; lange Declamationen werden durch die Chöre (Rejen) in gereimten Strophen unterbrochen. Die Auseinandersetzung namentlich der theokratischen Ansichten, wozu die biblischen Stücke Gelegenheit darboten, war dem Dichter Herzensfache: von Charakterentwickelung ist wenig zu spüren. Ueber die Nachahmung Seneca’s durch V. handelt J. A. Worp, De j113-sl0ec1 M11 8S11eOs„’s `1’reurspe1en op 0118 t0011ee1- Amst. 1892, S. 192–235. Reicher, leichter Fluß der Rede und des Versed ist auch den Lehrgedichten Vondel’s eigen, von denen Vtsoude:es im J. 1662 seine 13esiJjege1j11g911 mn 0oät en [295] 6’s0(1ts(1iOnst„ sein .I08.unes (1e B0Stg02811t„ 1663 V9 11Oenzso1111Oi(1 (1Sr 1c(-1–o1c(s 118.er jvgs.ng, 0pgs.r1g Su 7o0rtgmig in drei Büchern erschienen. Hieran schließen sich seine Uebersetzungen aus den lateinischen Epikern an. Birgit hatte er 1645 in Prosa übersetzt und Huygens gewidmet, der jedoch ebenso wie Barläus darüber absprach; 1660 erschien der ganze Virgil in Alexandrinern, 1671 die Metamorphosen OVid’s: 1J. 0. N5-12oos lls18o11Sppj11gs. Weit mehr verdient jedoch Vondel’s Lyrik auch heute noch gelesen zu werden. In ihr spricht sich vor allem der Antheil an den großen Geschicken seines Vaterlandes in seiner Zeit mächtig aus. Namentlich die Seekämpfe mit England zwischen 1650 und 1670 entlockten dem Dichter jubelnde Zurufe an die Admirale Tromp, de Ruiter u. a. Noch 1672 betrauerte er die vom orangistischen Pöbel ermordeten Brüder de Witt. Das letzte Gedicht vondel’s war ein Hochzeitsgedicht von 1674. Lyrisch sind auch die Reien der Dramen: berühmt ist das Lied vom Schwan im Noah, selbst ein Schwanengesang des Dichters. Nach zehnjährigem Dienst im Leihhause war er pensionirt worden. Der Greis lebte, vielbesucht von dem jüngeren Geschlecht, noch einige stille Jahre bei den Verwandten. Er starb am 5. Februar 1679. Neidlos, aber mit treffendem Urtheil hatte er wie früher die vornehmen Genossen, insbesondere Hooft, so zuletzt die jüngere Dichterschaar anerkannt. Es waren namentlich G. Brandt, der aus näherem Umgang über vondel’s Leben 1683 berichtete, R. Anslo, J. Qudaan, J. Vollenhoven, J. Antonides van der Goes. Bei der großen Lesewelt galt allerdings der platte, aber glatte Cats mehr. Bald sollte die Nachahmung des französischen Sjßo1e c1S 1.oujs R17. auch in Holland den Vorläufer von Corneille in den Hintergrund drängen. Heute ist in Amsterdam dem Dichter ein Park und eine Statue gewidmet; die Züge des Dichters werden durch sein Porträt, welches Filips de Koning 1 651 gemalt hatte, der Nachwelt bewahrt. Ein wirksameres Denkmal ist die große Gesammtasgabe: l)e N-27Sr1(O11 mn 7On(1e1 j11 ye1–bs11(1 g0brsO11t met 2j„j11 1.e7en, c-11 700r2jen mn ysrr18rj11g eu m-111t(-615011– j11get1 (100r Mr. 2l. y-m I.enue1J. Met p18.ten en 8kb0e1äingen. Amsterdam 1855 bis 1869, F11. Volkssausgaben hat J. van Bloten veranstaltet 1864 u. ö. Eine von Unger besorgte ist noch im Erscheinen begriffen.

Selbst nach dem Ausland wirkte vondel’s Dichtung. Zwar sein Einfluß auf Milton ist von G. Edmundson, I1j1to11 mi(1 70mie1- London 1885, übertrieben worden, wie die Dissertation von Aug. Müller, Berlin 1891, gezeigt hat. Aber in Deutschland fand V. einen Nacheiferer an A. Gryphius, der die S8- br0e(1ers als Gibeoniter übersetzte und in der „geliebten Dornrose“, die Leeuwendalers übrigens in geistreicher Weise benutzte: S. R. A. Kollewiin, Ueber den Einfluß des holl. Dramas auf Gryphius, Amersfort (1880). Neuerdings hat Alex. Baumgartner 8. J. die Uebersetzung mehrerer Gedichte eingefügt in: J. v. d. V., sein Leben und seineWerke, Freiburg i.B. 1882: seine Schilderung gilt vor allem dem Convertiten.

J. H. W. Unger, Bibliographie mn 7011(1e1’s Wzr1((-u. -4mst. 1888. – Die treffendste Würdigung ist wol noch immer die von Jonckbloet, 0880ll. (1. n1. I.ette1–15unC1S8 4, 181–345. E-

Martin.
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