ADB:Wagner, Tobias (lutherischer Theologe)
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Wagner: Tobias W., evangelischer Theologe, † 1680, ein polemischer Lutheraner in der Zeit der Streittheologie des 17. Jahrhunderts. – W. wurde zu Heidenheim in Württemberg am 21. Februar 1598 geboren, erhielt seine Vorbildung im Kloster Maulbronn und studirte Theologie zu Tübingen, wo er im zwanzigsten Lebensjahre Magister wurde. In daß Predigtamt eingeführt wirkte er zwanzig Jahre zu Eßlingen, erst als Diakonus, dann als Pfarrer; [583] darauf wurde er 1653 nach Tübingen berufen und erhielt hier außer der Aufsicht („Suverintendentur“) über das dortige Stift („Stipendium“) die Professur der polemischen Theologie („c:outro 7Orsisrum“) aus der Universität, dazu später auch die Würde eines Propstes und 1662 die des Kanzlers. In dieser Stellung hat er als Theologe zum Wiederaufbau der theologischen Facultät nach der Zeit des 30jährigen Krieges beigetragen und als Kanzler 98 Candidaten die Doctor- und 691 die Magisterwürde ertheilt. Er erreichte das hohe Alter von 82 Jahren und konnte 56 Jahre amtlich thätig sein, bis ihn der Tod am 13. August 1680 hinwegnahm. Sein Wahlspruch war „imioOs11tor- p.–ztjeut9r„ 0ot18tzmter“; das Streben nach diesen Tugenden spricht zwar für einen guten Willen Wagner’s; aber er hat im Zeitalter der Polemik den Streit nicht vermieden, sondern geschürt, unter Collegen wie unter anderen Gelehrten, so daß er als Kanzler dreimal von Herzögen zur Ruhe verwiesen werden mußte, und ihm auch einmal ein Buch confiscirt wurde. So lange er lebte, haben die theologischen Händel in Tübingen nicht aufgehört, so daß ein Visitationsreceß von 1675 behauptete, es kämen deswegen keine auswärtigen Studenten mehr dorthin. Schriften hat er in seinem langen Leben nicht wenige veröffentlicht. Sehen wir ab von der Aufzählung seiner historischen Schriften, deren Titel sich u. a. bei Zedler (s. unten) Sp. 685 finden, so kommen als theologische hauptsächlich folgende in Betracht: „1)iztribe (1S pers0ner Ollristi cum mit1e18 orstj0ns (10 i110:-Mr-1tio11S ki1ji 1)9j“ (Tüb. 1654); „1)e justiü08-tione 11o111iuis peO(r1toris (:0rmn 1)e0“ (Tüb. 1656); „1JJ1er0itzti011es„ zu 1.utbOrs mj 11Abes mt E-ers.m 8oriptur:mi“ (Tüb. 1658); „1Mu1u(111Otjo po1emjoz„ 1Ic11 c1jsputatjo11jbus (1e 8uOru 8Orjptursi118tituts.“ (Tüb. 1659); „1s’s0jcu1us 08m011ic0–tsi1eo1Ogj0us (Tüb. 1660); „1)S osmsjs 6(1ei 881yisese“ (Tüb. 1663); „111q11isjtjo tllSo1ogi0zi11 Kotz lleu0tjcz- 1108t1–0 pOtisjr1111m t0n1p0re inter tbe010g08 Augustzms (:o11ks8io11is er rekor- 1118ts.e eO01esjs a Rekormztjs resus0jts.w.“ (Tüb. 1664); „1uqujsjtjo i11 0rsOu18. 8z–bj11a1sum (1e (I111–jsto“ (Tüb. 1664); „1)jstrjbe c1o 8ubsjstentjs eoO188ise N. ’1’. Sub i11o0mm0O1js (Tüb. 1673); „13:am911 81enobtjcum 8.t11ejsmi 8pecu1m-iyj“ (Tüb. 1677); „Oisputs.ti0- A11 0llrjstus (1us„ 110mo er quz me(1izt0r„ Sit et(1o– rmi(1us (Tüb. 1678); „k’r0empticam iu(1j0ium tlleo1ogj(:um (1e 80riptis .19.0. B0911mii„ 811t0rjs (1j(Jtj teut011iOi p11j1080p11i“ (Tüb. 1679). Dazu zwölf feierliche lateinische Reden (0rztjov98, deren Titel bei Zedler, s. unten, Sp. 686) und fünf lateinische Dissertationen (deren Titel ebd. S. 689). – Viel verbreitet war eine philosophische Schrift von ihm unter dem Titel „0ompen(1ium (1js„– 1e0ti(:um„ 11uO1enm p1–8eoept0rum (1jsizctj001–um e1clljben8“ (Ulm 1658, 1661 und 1680). – Das confiscirte Buch Wagner’s hatte den Titel „1)e (1us.1jts„te pogo:-w inter t11001ogjsm er p11j1oso1311jsm- js.m ä11m Sub prae1j0 Su(1z118 trz0w.tusec1 mit0re t1ugustas c0mmors.nte„ jusu 191–j11oj1yjs i11bjbjtus 68c0que 8.ääjOtus (Tüb. 1671). Außer diesen gelehrten Arbeiten erwies sich W. als erbaulicher Schriftsteller in deutscher Sprache recht fruchtbar. Hierher gehören neben vielen einzelnen Predigten und kleineren erbaulichen Schriften folgende Werke: „19osti118. ev-m– ge1i0-t tsitusijs oder schrift- und textmäßige Auslegung der sonn-, fest- und feyertäglichen Evangelien in 7 Jahrgängen erkläret“ (V1l Theile, Ulm und Tüb. 1650, 1659, 1660, 1672, 1677); „Casualpredigten über allerhand bedenkenswürdige schwere Fälle“ (Stuttg. 1658); „Epistel-Postill oder schriftmäßige Auslegung der sonn-, fest- und feiertäglichen Episteln des ganzen Jahres“ (Tüb. 1666); „Predigten von D. Martin Luthern“ (Frankf. 1666); „Zauberund Hexen-Predigten“ (1667); „Schriftmäßiges Bedenken, was von Jacob Böhmens Büchern zu halten samt angehängten Bann und Bußpredigten“ (Stuttg. 1682).
[584] Vgl. Fischlin, 1KlOm0riz theo1ogorum Würtemberg. k. 11„ p. 187. – Gtossens Jubel-Priester-Historie, I. Th., S. 431 ff. – Gryphius, 1)0 Scriptorjbus 11istoris.m 8mz0u1j 171l i11ustrmitibus p. 129„ 134. – Unschuldige Nachrichten, 1724, S. 696. – 13jb1jotbeou lttigisn-t 19. I., p. 199, 226, 386. – (Zedler), Universallexikon, Bd. 52 (1747) Sp. 685-–689. – Karl v. Weizsäcker, Lehrer und Unterricht an der evangelisch-theologischen Facultüt der Universität Tübingen, von der Reformation bis zur Gegenwart (Tüb. 1877, S. 66–79). Hier auch die quellenmäßige Charakteristik Wagner’s.