ADB:Walpers, Wilhelm Gerhard

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Artikel „Walpers, Wilhelm Gerhard“ von Ernst Wunschmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 40 (1896), S. 769–770, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Walpers,_Wilhelm_Gerhard&oldid=2044472 (Version vom 3. September 2014, 07:00 Uhr UTC)
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Walpers: Wilhelm Gerhard W., Botaniker, geboren am 26. December 1816 zu Mühlhausen i. Thüringen, † am 18. Juni 1853 zu Köpnik bei Berlin, studirte, nachdem er das Gymnasium seiner Vaterstadt absolvirt hatte, zuerst 1836 in Greifswald und dann in den beiden folgenden Jahren in Breslau Naturwissenschaften, vorzugsweise Botanik. Einen vorläufigen Abschluß seiner Studien bildete seine Promotion zum Dr. phil. durch die Greifswalder Universität, worauf er nach Berlin übersiedelte und sich dort am 7. Januar 1848 bei der philosophischen Facultät habilitirte. Seine Thätigkeit währte nur kurze Zeit; denn er endete, erst 36½ Jahre alt, freiwillig sein Leben, indem er sich in Köpnik nahe bei Berlin erschoß. Ueber die Motive zu dieser That liegen nur Vermuthungen vor. Walpers’ Freund Seemann, der Herausgeber der Zeitschrift Bonplandia, glaubt, daß Kränkungen, die W. in seiner Eigenschaft als Mitglied der pharmaceutischen Prüfungscommission erfuhr, ihn in den Tod getrieben hätten. Es ist indessen wahrscheinlicher, daß die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen, sich eine feste Lebensstellung zu verschaffen, den Hauptgrund zu der verzweifelten That gebildet hat. W. war eine sehr selbstbewußte und streitbare Natur, besaß deshalb im Kreise seiner Fachgenossen nicht viele Anhänger und so scheint der Mißmuth über die nach seiner Ansicht zu geringe Würdigung seiner Leistungen ihm die Pistole in die Hand gedrückt zu haben.

Was W. für die Botanik geleistet, liegt auf systematischem Gebiet. Er begann zwar seine litterarische Thätigkeit als Uebersetzer der Bravais’schen morphologisch-physiologischen Abhandlung: „Ueber die geometrische Anordnung der Blätter und Blüthenstände“ 1839 und 1840, ging aber bald zur beschreibenden Botanik über. Neben einer Reihe kleinerer Abhandlungen in den Zeitschriften Flora, Linnaea, Bonplandia, der Botan. Zeitung und Allgem. Gartenzeitung in den Jahren 1838–53, war sein Hauptwerk die Herausgabe des Repertorium botanices systematicae, wovon 6 Bände von 1842–48 erschienen sind. Ursprünglich dazu bestimmt, eine Ergänzung des bekannten De Candolle’schen Prodromus zu bilden, insofern darin alle, in jenem berühmten Werke noch nicht angeführten, seither neu bekannt gewordenen Pflanzen mit kurzen Diagnosen und unter genauer Angabe der Litteratur, Synonymie und Varietäten aufgeführt werden sollten, gab der Verfasser seiner Arbeit vom dritten Bande an 1844/45 einen mehr monographischen Charakter, in der Absicht, eine möglichst vollständige Aufzählung aller bekannt gewordenen Pflanzen zu geben, zum Theil Pflanzenfamilien [770] vorweg nehmend, die der Prodromus noch nicht enthielt. In den folgenden Bänden ist dieses Princip indessen auch nicht mehr aufrecht erhalten worden. Das Walpers’sche Unternehmen bietet ohne Zweifel ein nützliches Hülfsmittel für jeden auf systematischem Gebiete arbeitenden Forscher, zeugt auch von großem Fleiße und seltener Arbeitskraft, trägt jedoch auch den solchem Sammelwerk leicht anhaftenden Fehler, nicht absolut Vollständiges zu bieten und ist auch von Uncorrectheiten nicht frei. Mit dem Jahre 1847 schloß W. das Repertorium und ließ dafür von 1848 an seine: „Annales botanices systematicae“ erscheinen, die den Zweck verfolgten, jährlich fortgesetzte Angaben über sämmtliche neue Erwerbungen in der beschreibenden Botanik zu liefern. Drei Bände, die bis zu Walpers’ Todesjahr laufen, sind von seiner Hand erschienen, vier weitere gab von 1857–68 Dr. Karl Müller heraus. Der letzte Band beschränkt sich auf Addenda ad litteraturam botanicam annorum 1856–66.

Bonplandia I. 1853. – Pritzel, thes. lit. bot.
E. Wunschmann.