ADB:Weber, Michael

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Artikel „Weber, Michael“ in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 41 (1896), ab Seite 352, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: http://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Weber,_Michael&oldid=890768 (Version vom 11. Dezember 2009, 12:55 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
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Band 41 (1896), ab Seite 352. (Quelle)
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Weber: Michael W., Doctor und ordentlicher Professor der Theologie, f 1833. W. ist der Vater von Wilhelm W., der als Göttinger Professor 1833 mit Gauß den ersten Telegraphen in Göttingen construirte und 1891 dort starb. Michael W. wurde in Gröben, einem Dorfe zwischen Weißenfels und Zeitz geboren, erhielt seine Vorbildung auf der Stiftsschule zu Zeitz und studirte von 1774 an auf der Universität zu Leipzig. Hier empfing er Eindrücke von dem [353] o theosophischen Crusius, aber auch von dem kritischen Ernesti. 1778 habilitirte er sich in der philosophischen Facultät daselbst, wurde Vesperprediger, bald darauf auch Baccalaureus der Theologie und Frühprediger an der Univerfitätskirche. Da seine Predigten und Vorlesungen Beifall fanden, wurde er nach etlichen Jahren außerordentlicher Professor der Theologie daselbst. Im J. 1784 folgte er einem Rufe als vierter Professor der Theologie nach Wittenberg. Hier stieg er allmählich zur ersten theologischen Professur auf, ward Prediger an der Schloßkitche und Ephorus der Stipendiaten. In diese Periode seines Lebens, wo ihm 1804 sein nachmals berühmter Sohn Wilhelm geboren wurde, fällt die schlimme Kriegszeit, in welcher bei der Belagerung von Wittenberg im Befreiungskriege sein Haus ein Raub der Flammen wurde, sodaß die Familie Weber’s nach dem benachbarten Orte Schmiedeberg flüchten mußte. Als die Wittenberger Universität mit der Hallischen vereinigt wurde (1815), siedelte W. nach Halle über, und wirkte hier als Professor, Mitdirector des theologischen Seminars und seit 1828 als Mitglied der theologischen Examinationscommission. Das Jahr 1828 brachte ihm die Feier seines fünfzigjährigen Docentensubiläums, wobei er den rothen Adlerorden dritter Classe erhielt. Er starb als Senior der Halleschen Theologenfacultät am 1. August 1833. – Als Mensch ein „frommer Biedermann“, wie ihn Zeitgenossen schildern, beherrschte er als Gelehrter eine Fülle dogmatischer und exegetischer Kenntnisse, und noch in Halle hat er, wie man dort etwa im J. 1869 erzählte, seine Vorlesungen in lateinischer Sprache gehalten; aber als Theologe läßt er eine einheitliche Geistesrichtung vermissen; denn mit seiner fuptanaturalistischen Grundstimmung verband er absonderliche aufklärerische Elemente, und seine sonderbaren kritischen Operationen am Texte des Neuen Testamentes haben dem gelehrten Manne wenig Beifall eingebracht. Mit dem Texte des Neuen Testaments war er so vertraut, daß er es wörtlich im Gedächtnisse hatte, und es daher in seinen Vorlesungen, in Disputationen und bei der Prüfung von Candidaten höchst selten aufzuschlagen brauchte. Auch vom Alten Testamente hatte er sehr viele längere Stellen wörtlich inne. Gründlich war seine Kenntniß der hebräischen Sprache, und auch das Studium der übrigen semitischen Sprachen, besonders das der syrischen, hatte er mit Eifer betrieben. Seine zahlreichen Schriften erstreckten sich auf alle Zweige der Theologie.

Schriften: Als die wichtigsten gelten seine „0pus(:u1z wz(1emjOs. ezq11e :1so1ogetj(:a„ 7jtsbergse pub1ioe S0ripts (Sammelband, von W. selbst im J. 1828 veröffentlicht, erschienen zu Leipzig). Hierin hat er alles zusammengestellt, was sich von seinem Standpunkte für den Ursprung des Christenthums „aus wunderthätiger Offenbarung“ sagen läßt. Sodann „kIO1ogse“ [e1egetj(:o–0rjtj0ze A11 mrjos Rossi ’1’stamenti 1ocos]- Universitätsprogramme: 1, u(1 epjsto188 l’zu1i mz–jores, 1.ips. 1791; 111„ 8ä episto1-1S 1’zu1i minores„ I.ips. 1791–1794. – Dazu kommen vielerlei andere Programme und Editionen: „00111mentztj0 mj 1oOum S-t1. Z- 19–22“ (1-jps. 1777); „001nments.tjo 8(1 1–Db1–. 2“ (1bj(1. eo(1.); „Versuch einer Uebersetzung des B1–iefs Pauli an die Galater“ (ebd. 1777); „0omment. e1eg. Orjt. mj Il ’1’im. 3, 16“ (jbj(1. 1778); „Versuch einer Uebersetzung der Briefe Johannis (ebd. 1778); „l)e usu versioujs N. ’1’. 8)srjs(:86 be1–111O116utio0 et(:.“ (jh. e0(1.); „8peoj111jus S1egeti(:O–crjti0z mj uo111un1os N. `1’. 100os (ibiC1. eo(1.); „Etwas für junge Freunde der Philosophie“ (ebd. 1779); „Kurzer Entwurf der allg. christl. Tugendlehre“ (ebd. 1780); „Hat der Dekalogus weis lich keine verbi1;dende Kraft mehr?“ (ebd. 1782); „1)ubit-1tjones miye1–8us 13e011to1(1i ormJio11em- (1us 13esj0j „ju(1jcjum (1e 1)Sca1ogo18tum (1ekenä9re con:-xtur“ (ibiä. ooe!.); „Morgenund Abendandachten für vernünftige und fromme Christen auf alle Tage u. s. w.“ 1l.l. 23 [354] (ebd. 1782, 2. Aufl. 1783); „?rogr. miit. C10 j11te1npestjy8 Ao njmjs t 1eotio11is emsn(1mi(1ze (:urz“ (jbj(1.1783); l)js. „0rjsjs 10oi1)8-u1j11j 1. ’1’jm. Z- 14–16“ (l.jps. 1784); „Predigt am 1. Ofterfeiertage 1785 über 1. Cor. 5, 6–8“ (Wittbg. 1785); „Tischandachten für vernünftige und fromme Christen“ (ebd. 1785); „krogr. (10 i11tsmpestiy8, 1e0tiO11js Cora o .1eremiz j11ustrzts.“ (jbj(1. e0(1.). Dazu noch eine große Anzahl von lateinischen Programmen, veröffentlicht zu Wittenberg,–dann zu Halle bis herauf zum Jahre 1824. (Ihre Titel in Schmidt’s Nekrolog, und bei H. Döring s. unten.) Als besonderer Freund der lateinischen Sprache gab er „Lateinische Gesangbücher“ heraus, „für studirende Jünglinge“ Leipzig 1800 und 1825, aber auch eines (lat. Gesangbuch) für meine Kinder und Andere, auch für Erwachsene, die es brauchen können und wollen, ebd. 1800. – Die Editionen umfassen die symbolischen Bücher (1810) und noch speciell die 0011kesjo :zugustA.11a (1810 und 1830). Den Wortlaut ihrer Titel und die Titel –der hier nicht aufgeführten minder bedeutenden Schriften Weber’s in Schmidt’s Nekrolog und bei H. Döring s. unten.

Vgl. Hallesche Lit. Ztg. 1834, Intell. Blatt Nr. 27. – Preuß. Staatszeitung 1833, Nr. 217, S. 896. – Dr. Fritzsche, Rzrratio C18 I1. Websro Sto. 1Ir0gr.l:lu1. 1834. – [Schmidt’s] Neuer Nekrolog der Deutschen. Elster Jahrg. 1833, zweiter Theil (Weimar 1885), S. 531–586. – Richter, Lexikon geistlicher Liederdichter S. 430. – Allg. Kirchenzeitung 18:34, Nr. 61, S. 490 f. – Erdmann, Lebensschreibungen Wittenberger Theologen S. 150 f. – Meusel, Gelehrtes Deutschland D’ll1, 369ff; 2c, 797; RN, 159 ff.; XL1, 384 ff. – H. Döring, die gelehrten Theologen Deutschlands. Bd. 4, S. 663 ff.

P. Tschackert.
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