Ach wie flüchtig, ach wie nichtig

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Textdaten
Autor: Michael Franck
Titel: Ach wie flüchtig, ach wie nichtig
Untertitel:
aus: Das deutsche evangelische Kirchenlied des siebzehnten Jahrhunderts. 4. Band, S. 221-222
Herausgeber: Albert Fischer, Wilhelm Tümpel, Ancus Martius.
Auflage:
Entstehungsdatum: um 1650
Erscheinungsdatum: 1908
Verlag: Bertelsmann
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Erscheinungsort: Gütersloh
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA*, Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Evangelisches Gesangbuch (EG 528), vgl. Gotteslob 657
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[221]

254. Ach wie flüchtig, ach wie nichtig.

1.
     Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Leben!
     Wie ein NEBEL bald entstehet
Und auch wieder bald vergehet,
So ist unser LEBEN, sehet!

2.
     Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Sind der Menschen Tage!
     Wie ein Strohm beginnt zu rinnen
Und mit lauffen nicht helt innen,
So fährt unsre Zeit von hinnen!

3.
     Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Freüde!
     Wie sich wechseln Stund und zeiten,
Licht und Dunckel, Fried und streiten,
So sind unsre Fröligkeiten !

4.
     Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Schöne!
     Wie ein Blümlein bald vergehet,
Wenn ein rauhes Lüfftlein wehet,
So ist unsre Schöne, sehet!

5.
     Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Stärcke!
     Der sich wie ein Löw erwiesen,
Überworffen mit den Riesen,
Den wirfft eine kleine Drüsen!

6.
     Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Glücke!
     Wie sich eine Kugel drehet,
Die bald da, bald dorten stehet,
So ist unser Glücke, sehet!

7.
     Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Ehre!
     Über den, dem man hat müssen
Heüt die Hände höflich küssen,
Geht man morgen gar mit Füssen!
[222]
8.
     Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Wissen!
     Der das Wort kunt prächtig führen
Und vernünfftig discurriren,
Muß bald alle Witz verlieren!

9.
     Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Tichten!
     Der, so Kunst hat lieb gewonnen
Und manch schönes Werck ersonnen,
Wird zu letzt vom Todt erronnen !

10.
     Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Sind der Menschen Schätze!
     Es kan Gluht und Fluth entstehen,
Dadurch, eh wir uns versehen,
Alles muß zu trümmern gehen!

11.
     Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Herrschen!
     Der durch Macht ist hoch gestiegen,
Muß zu letzt aus unvermügen
In dem Grab erniedrigt ligen!

12.
     Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Prangen!
     Der im Purpur hoch vermessen
Ist als wie ein Gott gesessen,
Dessen wird im Todt vergessen!

13.
     Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Sind der Menschen Sachen!
     Alles, alles, was wir sehen,
Das muß fallen und vergehen:
Wer GOtt fürcht, wird ewig stehen!