1. Letzte Hose, die mich schmückte, fahre wohl, dein Amt ist aus;
ach, auch dich, die mich entzückte, schleppt ein andrer nun nach Haus!
2. Selten hat an solchen Paares Anblick sich ein Aug erquickt.
Feinster Winterbuckskin war es, groß karriert und nie geflickt!
3. Mit Gesang und vollen Flaschen grüßt ich einst in dir die
Welt; zum Hausschlüssel in der Taschen klang noch froh das bare Geld!
4. Aber längst kam das Verhängnis, die Sechsbätzner zogen fort,
und das Brückenthorgefängnis ist ein dunkler, stiller Ort.
5. Längst entschwand, was sonst versetzlich, Frack und Rock und
Mantels Pracht. Nun auch du, es ist entsetzlich! „Letzte Hose, gute
Nacht!!“
6. Tag der Prüfung, o wie bänglich schlägt mein Herz und fühlt es
hell: Alles Irdsche ist vergänglich, und das Pfandrecht schreitet schnell!
7. Nirgends winkt uns ein Erlöser, letzte Hose! Es muss sein!
Elkan Levi, dunkler böser Trödler, nimm sie, sie sei dein!
8. Doch wenn auch ein Beinkleidloser, werd ich nie zum Sanscülott.
Ha! noch schützt ein faltger, grosser Schlafrock vor der schwersten Not.
9. Er auch wäre längst entschwunden; doch, o Glück, er ist zerfetzt;
Vor des Ellenbogens Wunden hat selbst Elkan sich entsetzt.
[651]
10. Stiefelfuchs, du alter treuer, komm und stütz mein Dulder=
haupt! Noch ein einzger Schoppen Neuer sei dem Trauernden erlaubt!
11. Dann will ich zu Bett mich legen und nicht aufstehn, wenn’s
auch klopft, bis ein schwerer goldner Regen unverhofft durchs Dach
mir tropft.
12. Zeuch denn hin, die ich beweine, grüß den Rock und’s Kamisol!
Weh, schon friert’s mich an die Beine! Letzt Hose, fahre wohl!
J. V. Scheffel. Um 1845.