Ammoniten- und Belemnitenmarmor (Anhang)

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Textdaten
Autor: Johann Friedrich Bauder
Titel: Beschreibung des kostbarn Altdorfischen Ammoniten- und Belemniten-Marmors […] Mit einem Anhang, der die neuesten Entdeckungen des 1770 und 71sten Jahres Encriniten, Astroiten, und Nautiliten, auch andern höchstseltenen Versteinerungen, beschreibet
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage: 2. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1771
Verlag: Selbstverlag
Drucker: Johann Adam Hessel
Erscheinungsort: Altdorf
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons, ursprünglich von Google
Kurzbeschreibung: Anhang der zweiten Auflage zu Ammoniten- und Belemnitenmarmor
Hier sind nur Titel und Anhang der zweiten Auflage vorhanden, da der Rest weitgehend mit der ersten Auflage identisch ist, wobei die zweite Auflage gar leicht gekürzt ist. Eine Auflistung wichtiger Unterschiede findet sich unter Anmerkung.
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[1]

Beschreibung

des kostbarn

Altdorfischen

Ammoniten- und Belemniten-

Marmors,

wie solche

zum erstenmal im Jahr 1754. gemacht und in dem Drucke

vorgeleget worden ist

von dem Erfinder

Johann Friederich Bauder,

Burgermeister und Weinhändler zu Altdorf.


Mit einem Anhang,

der die neuesten Entdeckungen des 1770 und 71sten Jahres

von

Encriniten, Astroiten, und Nautiliten,

auch andern

höchstseltenen Versteinerungen,

beschreibet,

wieder herausgegeben.

Altdorf,

gedruckt bey Johann Adam Hessel, der wollöblichen Universität Buchdruckern.

1771.


[WS: Hier folgt in der Vorlage der Text, der mit der ersten Auflage weitgehend identisch ist. Vergleiche Anmerkung.]


[7]

Anhang.
Beschreibung der neuesten Entdeckungen von Encriniten, Astroiten und Nautiliten, auch andern höchstseltenen Versteinerungen.

     Die Kummervollen Monate des 1770. und 1771sten Jahres, und das Elend der Armen erregte in mir so vieles Mitleiden, daß ich den lezten ganzen Winter durch allerhand Verbesserungen im Felde vornehmen lies, um denen, die sich noch nähren möchten, Arbeit und Brod zu verschaffen. Unter andern lies ich auch etliche hundert Fuder Steine brechen, womit ich sumpfigte Wiesen austrocknen wollte. Wo möglich suchte ich in der Nähe um Altdorf die Steine dazu zu erhalten. Mir fiel ganz natürlich mein ehemals gefundener Altdorfischer Ammoniten- und Belemniten-Marmor ein, zumal da ich bey Abbrechung alter Gebäude fand, daß man in den vorigen Zeiten allhier durchgehends von diesem Steine gebauet habe. Denn selbst die Altdorfische von Quatersteinen aufgeführte schöne Stadtmauer ist inwendig mit diesem Marmor ausgemauert.

     Wie ich in der 1754 herausgegebenen, und hier wieder abgedruckten, Marmorbeschreibung angeführet, so ist dieser Stein rings um Altdorf herum anzutreffen. Allein wo er am besten und wohl zu gebrauchen ist, da liegt er im Wasser, daß man seiner wenigstens nicht habhaft werden kan, bis man das Wasser abgeleitet hat. Ich gab mir Mühe, die Gegend auszuforschen, wo ehehin dieser Stein gebrochen worden, und wo man ihn zu brechen aufgehöret habe; lies also deswegen hin und wieder graben. Endlich war ich so glücklich, daß ich das Ende des alten Steinbruchs fande. In meiner ersten Marmorbeschreibung habe ich gemeldet, daß sich dieser Stein 19. Zoll dick vorfinde: wo ich aber dermalen eingeschlagen habe, ist er über drey Schuhe dick. Die beyden obern Platten behalten ihre ordentliche Dicke, und der Stein schälet sich im siebenden, und nun im dreyzehenden Zoll. Alsdann fängt sich der zum Marmor untüchtige Stein an, welcher in diesem Orte aber über 2. Schuhe dick ist, und sich noch einmal spalten läßt. In besagter meiner vorausgeschickten Beschreibung habe ich angeführet, daß sich in der untersten Lage dieses Steins runde Stücke eines ächten Marmors finden, die aber von der Farbe des andern Steins etwas abweichen und auch Cornua Ammonis, jedoch nicht so häufig in sich haben; mithin blieben diese Steine bey meiner ehemaligen Marmor-Fabrik in der Erde liegen. Seit dieser Zeit aber lernte ich die Lage des Steins [8] so, wie dessen Natur und Beschaffenheit immer mehr und besser kennen, und bey dieser Gelegenheit nun, da ich den unnützen Marmor zur Austrocknung der Wiesen brauchen konnte, lies ich ihn auch mit ausbrechen, gab aber meinen Steinbrechern Befehl, daß, wenn sich eine Veränderung in der Farbe des Steins, oder dessen Versteinerungen, zeigen möchte, die sich nicht ordentlich findet, sie mir solches melden, und die Stücke aufheben sollten. Auf diesem Platz fand ich nun zwar den Stein nach seiner gewönlichen Art und Natur, ausser daß oben ein Schiefersplitterähnlicher halbversteinter lettiger Körper von 2. Schuhen dick lag, welcher sich im Brechen schälte, nicht aber wie der übrige Stein in seine Gleisen gespalten, sondern in seiner Erdenfläche sich gänzlich als ein Fels gezeiget, und übrigens zerbrechlich ist. Die Schaalen werden nicht grösser, als 1. höchstens 2 Schuhe, und bey denselben finden sich allerhand Muscheln und Schneckenschaalen, und zwar in grosser Menge. Ich habe ein Stück gefunden und dem Eindruck einer Jacobs-Muschel, von 1 und einem halben Schuh groß, und noch zwey derselben von 10. Zollen. Dieser halb gezeitigte Stein zerfällt im Wetter, und besonders im Frost, und man siehet mit Erstaunen die Menge der Muscheln und Schneckenschaalen und Belemniten, die jedoch durch das Wetter zerfallen, so, daß man solche nicht ganz erhalten kan.

     Wenn dieser lettige oder leimigte Stein abgeräumet ist, so fängt sich der Ammoniten-Stein an, wie ich ihn ehehin beschrieben habe. Nur zeiget sich folgender Unterschied. Wenn sonst in der ersten Schicht sich ordentlich weiße, silberfarbe und blaulichte Cornua Ammonis finden, so sind auf diesem Platze solche fast alle schwarz, und ist der Marmor deswegen auch nicht so schön, als der erstere. Doch fand sich auch hier ein Streif ungefehr 4. Schuhe breit mit eitel weißen Schnecken, die so helle und durchsichtig, wie der feinste Crystall waren. Im dritten, vierten und fünften Zolle aber waren die Cornua Ammonis fast alle voller Löcher, und die Schneckenhäuser waren leer, doch hin und wieder weiß crystallisirt angeschossen. Ich suchte durch gewaltsame Hammerschläge diesen Stein nach seiner Länge gespalten zu erhalten, um hiedurch ihn besser kennen zu lernen. Ich war auch so glücklich ein Paar Stücke von 12. Bis 15. Zollen zu erhalten. Diese Stück habe ich unten und oben schleiffen und poliren lassen und Doubletten gemacht, die von Naturliebhabern nicht anders als mit der grösten Bewunderung betrachtet werden. Durch das Spalten erkennet man, daß der ganze Stein aus puren Schnecken und Muscheln, und etwas Wasserschlamm bestehe. Neben diesem Streife Steins fand sich sogleich daran ein anderer, der keine Cornua Ammonis hat, sondern der ganze Stein ist eine Massa ohne einigen Schlamm von lauter kleinen Brutmuscheln und Schnecken von allerhand Arten. Die größten dieser Schnecken sind wie kleine Erbsen; ja es sind so kleine darunter, die man nur durch Hülfe des Vergrösserungsglases erkennen kan. Man sollte kaum glauben, daß dieser Stein so vest aneinander haltend wäre und nicht zerfiele: allein das pure Muschelwerk ist so compact auf und in einander gewachsen, das es wirklich an Vestigkeit dem andern Marmor nichts nachgiebt. Auch an diesem Streif war sogleich wieder ein anderer, ohngefähr 3 Schuh breit. In demselben fanden sich lauter Miesmuscheln von ein bis 2 Zollen in die Länge, deren Körper die Steinfarbe haben, und sich von dem Stein bloß durch ihre Schaalen unterscheiden lassen, die zum Theil weißlicht, zum Theil goldgelb sind. Ich war so glücklich durch gewaltsame Hammerschläge und Sprengung des Steins nach seiner Länge auch ein Paar Doubletten-Stücke davon zu erhalten, wo sich die Muscheln auf der einen Seite erhaben, auf der andern eingedruckt zeigen.

     [9] In der zweyten Schichte des Steins, wo sich der Belemniten-Stein zeiget, war keine Veränderung zu sehen, sondern eben das, was ich in meiner ersten Beschreibung angegeben habe. Dieser Stein aber strich nicht fort, und hielte an, sondern es war ein bloßer Streif, der ohngefähr 10. Schuhe in die Länge und Breite hatte, und alsdann zeigte er sich wieder wie ordentlich. Bey so vieler Veränderung des Steins wurde ich aufmerksam und prägte meinen Arbeitsleuten auf das nachdrücklichste ein, bey dem untern Stein mit dem Brechen sorgfältig zu seyn, und mir aufzuzeigen, so oft sich etwas besonderes vorfände. Ehehin ließ ich den unächten Stein, worinnen die kugelförmigen Stücke sind, in der Erde liegen, weil er zur Marmor-Arbeit nicht füglich zu gebrauchen war, wol aber als ein ordentlicher Stein überall hin diente; nun aber muste er gebrochen und herausgenommen werden. Diese kugelförmige, auch länglicht runde Stücke sind öfters 3. bis 4. Schuhe lang und 2. bis 3. Schuhe breit, schälen sich oben und unten von dem andern Steine ab, sind mit Erdpech fast völlig überzogen, und haben, obwol nicht häufig, Cornua Ammonis, doch viel kleine Muscheln. Es fanden sich auf diesem Platze, wo ich die Veränderung in den obern Schichten bemerket, in diesen kugelförmigen Stücken neben andern kleinen Cornubus Ammonis auch Stücke, die 8. 10. bis 12. Zoll groß im Durchschnitte sind. Ich ließ daher diese runden Stücke nach Hause bringen, und versuchte, ob nicht solche sich mit Eisen ausspitzen, und herausbringen liesen. Ich gab mir nebst meiner Tochter, die eine Liebhaberin von Petrefactis ist, viele Mühe und wendete alle Behutsamkeit an, solche loß zu schälen; aber es war vergebens. Wir fanden diese Cornua Ammonis mit ihrer Schaale umgeben, welche zum Theil weißlicht, zum Theil braun und goldgelb, und nachdem der Schnecken groß oder klein, auch dicker und dünner war. In den größten Schnecken war die Schaale so dick, als ein Messerrücken. Die Schnecken sind vorne bey ihrer Oeffnung von einer Schlamm-Erde, worunter allerley Muscheln sich finden, angefüllet; wenn sie aber etliche Zolle in ihrer Rundung fortlaufen, so finden sie sich hohl und mit weißen oder gelblichten Crystall angeschossen. Alsdann fangen sich die Kammern der Schnecken an, welche öfters stark, auch subtil crystallisirt, und wunderschön anzusehen sind. Einige dergleichen Kugeln sind durch die gewaltsamen Hammerschläge, welche sie auf die schmale Seite erhalten, zersprenget worden. Hier fand sich auf der einen Seite die Helfte des Schneckens, und auf der andern die andere Helfte. Von diesen habe ich alsdann den übrigen Stein abschneiden, oder abspitzen lassen, und dadurch einige schöne Dubletten erhalten. In einem dergleichen runden Stücke zeigte sich ein Cornu Ammonis auf der schmalen Seite, und man hatte die Hoffnung, weil sich der Stein allda vom Schnecken etwas abschälte, es ganz heraus zu bringen. Wir arbeiteten daher den Stein mit Spitzeisen immer mehr und mehr zu, bis er ohngefähr noch 8 Zoll dick war. Auf der obern Seite, wo das Cornu Ammonis auf der Höhe lag und kaum mehr 2 Zoll Stein hatte, sprengte sich ein Stück von der Schaale auf der Seite, wo solches vom Stein abgelöset war, loß, welches bey mir grosse Aufmerksamkeit verursachte. Der Schnecken war hohl, und man fand hier, statt des sonst gewöhnlichen Crystalls, Spuhren einer Vermoderung, die versteinert war. Ein zweyter Hammerstreich mit dem Spitzeisen, glückte so gut, daß der oben noch auf dem Schnecken sitzende Stein mit samt einem Stücke des Schneckens absprengte, da sich dann an dem obern Stücke die Kammern, wie an dem Schnecken selbst sehen ließen. Man gab hierauf dem Schnecken mit dem Hammer durch das Spitzeisen noch einen Streich auf die Schaale, die sich alsobald in einer Rundung bey 6. Zollen so accurat von dem Körper absprengte, daß die Rückstreifen von dem Schnecken an dem Körper und der Schaale sich wunderschön zeigten. Durch das Feilen ließ ich dieses Stück gar in die Rundung bringen. Die beyden abgesprengten [10] Stücke passen accurat aufeinander, so, daß man solche abheben, und wieder aufsetzen kan. Ich muß noch hinzufügen, daß oben an dem abgesprengten Stuck nicht allein die schönsten crystallisirten Kammern, sondern neben her sich eine Mießmuschel von 1 und einem halben Zoll lang findet, welches eine Dublette machet.

     Ich komme wieder zurück auf den zweyten glücklichen Schlag, den meine Tochter durch Sprengung der Schaalen vollführet hatte. Sie kam dadurch mit mir in die aüsserste Verwunderung. Der Anblick war auch in der That rührend. Hier lag ein Geschöpfe in seiner versteinerten Wohnung als in einem Sarge vermodert. Die groben Theile, die unten unordentlich liegen, sind von dunkler oder schwarz-brauner Farbe, so schön, als die schönste Mumie: die subtilen Theile der Fäulung aber sind an dem obern Theile der Schaale angedünstet und fein crystallisiret, von eben der Farbe, als die groben Theile seines Fleisches. Alles dieses ist so herrlich anzusehen, als etwas, und bey der Rührung der Verwunderung entsteht zugleich ein wichtiges Nachdenken mit dem daraus sicher abgeleiteten Beweise, daß dergleichen Figuren kein blindes Spiel der Natur, sondern wirkliche Versteinerungen der Körper seyn müssen. Aber wo kommen die Seeschnecken hieher, die nirgends anders, als in dem grossen Weltmeere und in dessen unergründlicher Tiefe sich aufhalten? Liegt nicht hier der stärkste Beweis, daß bey uns die hohe See gestanden? Muß nicht dieser Stein das ehrwürdigste Alterthum von vielen tausend Jahren seyn? Und hat wol je die Welt und der erfahrenste Naturforscher dergleichen Stück gesehen und untersuchet? Ich glaube kaum. Bey mir hat inzwischen Freude und Rührung die Bemühungen verdoppelt und vervielfachet; ja ich habe mich bey Brechung der Steine von nichts, weder von Kälte noch Wind, Schnee oder Regen abhalten lassen. Ich begab mich nicht nur täglich in den Steinbruch, sondern blieb auch ganze Tage allda, um alles genau zu untersuchen. Da ich einstmalen auf einige Tage verreisen mußte, zeigten mir bey der Heimkunft die Steinbrecher ein Stückgen von einem Steine, mit der Sage: sie hätten eine Kugel gefunden, die lauter kleines Gezeug, als wie kleine weiße Maden, in sich gehabt hätte. Ich hielte das Stückgen für etwas besonders, und fragte sogleich nach dem Steine, von dem es abkam. Mir wurde zur Antwort: daß sie ihn erschlagen hätten, und die Trümmer unter dem andern Haufen der Steine lägen. Dabey gaben sie mir noch ein Stückgen in die Hand, welches ein Arbeiter, den ich bey meiner ehemaligen Marmor-Fabrik ehehin gebraucht habe, sich auf die Seite geleget, um sich eine Zwinge auf seinen Maasstab davon zu machen, weil es eine so gar schöne Farbe hatte. Ich erkannte ohnschwehr, daß in diesem Steine solche Körper vorhanden waren, die meines Wissens zur Zeit noch in keinen Versteinerungen in der Welt angetroffen worden. Sogleich lies ich also alle Arbeiter den grossen Steinhaufen Stück für Stück durchsuchen, und alle vorgefundene Stücke mit Sorgfalt nach Hause bringen, um zu untersuchen, ob die Stücke des Steins nicht durch eine Kütte könnten zusammengefüget werden. Allein meine Mühe war vergeblich.

     Dieser Encriniten-Stein war also beschaffen. Polypen und Miesmuscheln vermengen sich mit einander und streichen in der Dicke von 3 Zollen das kugelförmige Stück bis auf das äusserste Ende durch. Der Polype ist fleischfarbig; das obere Theil gleicht einem ausgebreiteten Ferderbusch; der Kopf ist eyrund und besteht aus etwas starken ordentlich abgesetzten steinernen Gelenken, die sich oben zusammen ziehen und die Krone oder den Kopf vorstellen. Alsdann kommt der Stiel oder Körper, welcher im Schleifen das schönste Fisch-Rückgräte vorstellet. Der ganze Körper besteht aus Gelenk-Steinen, und die Fasern, die er auf der Seite hat, sind ebenfalls alle subtil abgesetzet, und stehen ordentlich und dicht aneinander, und stellen in dem rauhen Stein kleine Maden vor.

     [11] Die Miesmuscheln sind zum Theil hohl, und das Hohle fein crystallisiret; andere sind voll und mit einem Crystallähnlichen Stein ausgefüllet. Ihre Schaale ist bräunlicht. Es finden sich auch einige, die mit einem Crystall ausgefüllet, der hellblau, wie ein Saphir spielet und das schönste Ansehen giebt. Von drey gesprengten Stücken habe ich Doubletten von 8 bis 12 Zoll erhalten. Ich lies solche abschneiden und schleifen, da sich dann die Polypen und Muscheln als Dubletten roh und auf der andern Seite geschliffen und poliret finden. Es sind Haubtrare Stücke, und nur Schade, daß man dergleichen nicht mehrere antrift. Ich habe schon mehr als 3000 Fuder dieses Marmors brechen lassen, aber niemalen die geringste Spur von dieser Art Körper entdecket.

     Von dem zerschlagenen Kugelförmigen Stück des Encriniten-Steins habe ich die Stücke alle in kleine Plättgen schneiden lassen, und wenn solche nur 2 Zoll groß waren. Auf allen diesen Stücken finden sich zum wenigsten die Fasern des Encriniten, auf einigen der Federbusch, Kopf und ein Theil des Körpers, auf andern nur der Federbusch, auf den 3ten der Kopf und ein Stück des Körpers, und sind bey mir zu verkaufen. Der Preiß ist nach der Schönheit der Stücke, ob sich viel von den Encriniten auf der Platte zeiget oder ein Astroit sich dabey zugleich findet.

     Wenn die Kugelähnlichen Stücke zerschlagen werden, so läßt sich daraus erkennen, wie der Stein entstanden ist. Er ist gestreift, und zwar sind die Steifen alle Aschenfärbig, doch immer ein Streif heller, als der andere. Der eine ist von purer Brut der kleinsten Seethiere; alsdann kommt feiner Schlamm, und so geht es durch den Stein durchaus.

     In diesen Kugelförmigen Stücken haben sich nicht allein Encriniten, sondern auch Astroiten gefunden, die sich hin und wieder wie Sterne in der Grösse als Pfenninge, auch wie Kreutzer, zeigen. Da die wenigsten derselben horizontal liegen, so verschleifen sie sich. Weil ich aber, wenn der Stein geschnitten ist, weis, ob solche schief liegen und noch im Stein vorhanden, oder sich verlohren haben, so lasse ich mit scharfen Eisen graben und bringe alsdann den Stern durch die Hohlung zum Vorschein. Es sind diese Sterne wunderschön gezeichnet, und in der Mitte sieht man allezeit ein subtliles Röhrgen durch einen Punct.

     Was den Encriniten, oder vielmehr den in dem Stein befindlichen Seepolypen anbetrift, so präsentiret sich erstlich die Figur eben als ein ungemein schöner ausgebreiteter Federbusch. Dann kommt der eyförmige Kopf, an dem sich unten der Mund, oder Saugrüssel zeiget. An diesem ist der Körper gefüget, der sich als das schönste Fischrückgrad darstellet. Man erkennet dabey deutlich, daß das Thier sich gleich einem Regenwurm ausstrecken und zusammen ziehen konnte: denn oben erscheinet es sehr enge zusammen gezogen, und unten ausgestrecket. Kurz, es ist dieses eine Schönheit, die wol ihres gleichen nicht haben wird.

     Der andere von den zwey vorgefundenen Steinen, deren einer ganz zerschlagen worden, zeiget einen sehr grossen Seekörper. Ich lies von dem zerschlagenen ein Stück abschneiden. Der Körper hat Porphyrmäßige Härte. Auf dem abgeschnittenen Stück präsentiret sich ein lang auslaufendes Laubwerk mit 18 Spitzen. Es ist solches nach meiner jetzigen Kenntniß von dem Körper der Quere nach abgeschnitten. Ich lies es chimisch probiren. Es ergab sich, daß es ein würklicher Körper sey: was es aber eigentlich vorstellen mag, wird aus diesem Stücke vielleicht auch kein Kenner abzunehmen im Stande seyn. Nach der Sage meiner Arbeiter, und nach den Stücken, die sich gefunden haben, muß es ein Körper gewesen seyn, der 3 Schuhe lang und 2 Schuh breit war. Da nun bey dieser Erfindung der Platz, wo die oben gemeldete Veränderung bey dem Brechen sich zeigte, noch nicht völlig ausgebrochen war; so lies ich auch nunmehr nicht anders, als in meinem Beyseyn brechen und blieb [12] etliche ganze Tage im Steinbruch. Ich war endlich so glücklich, noch zwey solche kugelförmige Stücke zu erhalten. Das eine war ein Encriniten-Stein von 2 ½ Fuß lang, und das andere, welches ein Stück 16 Zoll groß war, enthielt den bemeldeten unbekannten Körper in sich. Ersteres lies ich abspitzen, in drey Platten schneiden, und Wandtischgen daraus verfertigen. Das andere, welches ohngefähr 16 Zolle lang und 10 Zolle dick war, lies ich nach der Länge, wie es in der Erde gelegen war, in dünne Platten zerschneiden. Ich bin nicht im Stande, den Körper dieses Steins ordentlich zu beschreiben, doch will ich folgendes davon anführen. Der Körper hat eine Härte, wie Porphyr. In dem ersten Schnitt war kaum an zweyen Orten eine Spur vom Körper zu sehen. In dem zweyten zeigten sich zwey länglichte zackigte Streifen; in dem dritten aber wurde der Körper breit und ist fast als ein aufgeschnittenes vierfüßiges Thier, wenn man es aus einander spreitzet, anzusehen. Im vierten Schnitt verliehrt sich der Körper und wird schmäler; im fünften nimmt er wieder zu, im sechsten und siebenden aber ist er iust wie im dritten, zweyten und ersten zu sehen. In der Mitte des Steins ist das mittlere Theil des Körpers nur ¾ Zoll, das obere und untere aber über 3 Zoll breit. So wenig ich diesen Körper genau beschreiben kan, so wenig kan ich sagen, was er eigentlich sey oder vorstelle. Ein gewisser Gelehrter sagte mir, er hielte ihn für eine Quale, welche sich häufig in der Ostsee finden sollen. Weil ich aber dergleichen Thiere niemals gesehen, so kan ich auch davon nicht urtheilen.

     Ausser diesen Petrefactis habe ich einen Nautiliten erhalten, welcher in einem versteinerten Holze steckte. Er ist 8. Zolle groß und hat sich die Helfte aus dem Holz und Stein ausgeschälet: neben finden sich in dem versteinerten Holze viele hundert schöne Muscheln. Ich habe dieses Stück unten vom Steine abschneiden lassen, wo sich dann nun solcher Schnecke, wie auf einem Postamente im versteinerten Holze stehend, gleich als die grossen Perlenschnecken zu Trinkgeschirren gefasset werden, präsentiret.

     Noch ein Stück Marmor erhielt ich, so ich sprengen lies. Es ist 1 ½ Schuh groß, und gehet ein Stück versteinertes Holz 4 Zolle breit durch den Stein, der viele 1000 kleine Muscheln, auch grössere von 1 Zolle, in sich fäßt und eine Doublette macht. Mit einem Worte: es sind 15 Stücke verschiedene Petrefacta auf diesem Platze erhalten worden, dergleichen wenige, und nach ihrer Vollkommenheit vielleicht gar keine, sich in dem berühmtesten Kabineten finden lassen. Ich suche deswegen auch diese Haubtstücke in ein Fürstliches Kabinet zu bringen und mit einander zu verkaufen, in der sichersten Ueberzeugung, daß selbiges, welches es auch sey, dadurch einen wahren und beneidenswerthen Zuwachs und Vorzug erhalten werde.

     Wie man meinem Vaterlande in der That Glück zu wünschen hat, daß es wider alles Vermuthen solche Haubtrare Versteinerungen und einem Reichthum von Petrefactis zeiget, dergleichen sich etwann noch in keinem Lande gefunden hat: so erkenne auch ich es gegen die göttliche Fürsehung mit dem ehrerbietigsten Dank, daß sie mir diesen Platz, wo ehehin zu brechen aufgehöret worden, und diesen Schatz von Steinen aufbewahret und hiemit meine Mühe und Arbeit, so wie den Aufwand bey meinem Nachforschen, gesegnet hat. Ich bin erböthig, der gelehrten Welt alle diese Entdeckungen vor Augen zu legen und sie entweder einem andern berühmten Naturwerke einzuverleiben und als ein Sublimat beyzufügen, oder sie in einem ganz eignen Werke ausführlich zu beschreiben und in Kupfer stechen zu lassen. Wenn sich noch künftig beym fernern Brechen der Steine Veränderungen und Schönheiten entdecken sollten, will ich auch diese beim gelehrten und Naturliebenden Publico mitzutheilen nicht ermangeln.


Anmerkung (Wikisource)

Die zweite Auflage von 1771 unterscheidet sich nur geringfügig von der ersten Auflage von 1754. Siehe die Anmerkung zu Ammoniten- und Belemnitenmarmor.