Beschreibung des Oberamts Blaubeuren/B 14
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a. Herrlingen, ein kathol. Pfarrdorf, an der Ausmündung des Lauterthals ins Blauthal, 2½ St. von Blaubeuren an der Lauter gelegen, mit 336 Einwohnern, kathol. Dekanat Ulm. Grundherr: Freyherr v. Bernhausen. Den großen Zehnten bezieht der Staat, den kleinen, den Obst- und Blutzehnten die Pfarrey, eben dieselbe hat auch den Großzehnten von Äckern und Ländern mit Gartenrecht zu beziehen. Das Patronat ist königlich.
b. Ober-Herrlingen, ein gutsherrschaftliches Schloß des Freyherrn v. Bernhausen, mit Schloß-Nebengebäuden, einer Maierey und 5 Wohnhäusern, auf dem Berge bey dem Dorf Herrlingen (s. oben). Zehentherr ist der Staat, vormals das Deutsche Haus zu Ulm. Kraft Verträge von 1538 u. 1564 mit dem Deutschorden, wird von dem Grundherrn für den Zehnten ein Frucht-Surrogat gereicht. Das Schloß liegt auf einer vorspringenden, waldigen Bergecke, ist gut unterhalten und von einfachen, aber gefälligen Anlagen umgeben, mit welchen es einen eben so malerischen als freundlichen Anblick gewährt. In dem Schlosse befindet sich eine Hauskapelle mit einer Kaplaney-Stiftung, wovon oben schon die Rede war. Nicht weit von dem Schlosse steht die niedliche Kapelle Mariahilf mit Stationen; sie wurde 1708 von der Gutsherrschaft gebaut. Unten im Thale, am Fuße des Schloßberges, befindet sich ein 1785 erbautes Brunnenwerk, wodurch das Schloß mit Wasser versehen wird. Die alte Burg Ober-Herrlingen, die in dem Städtekrieg von den Ulmern zerstört wurde, stand in dem Garten, der Burschel (Burgstall), genannt.
Das Rittergut Herrlingen hatte vor Zeiten seine eigene Herren, die Herren von Hörningen, welche 1339 auch die Frühmeß stifteten. 1339 verkauft Otto von Hörningen 5 J. | Acker zu Jungingen an die Frühmeß zu H. An eben diesen Otto verkauft, 1362, Berchtold v. H. sein Reichslehen Herrlingen für 225 Pfd. In demselben Jahre verträgt sich Thomas v. H. mit Joh. v. Stein wegen eines Gutes zu Bermaringen, und in einer Urkunde von 1336 kommen aus Veranlassung der Stiftung der Kaplaney Bermaringen 6 Ritter v. Hörningen vor. Auch im 15ten Jahrhundert findet man die v. H. noch häufig, und noch 1517 verkaufen Claus und Hans v. H. 2 Lehen an den Deutschorden. Nach den von Hörningen findet man die von Bach und auf diese die von Bernhausen im Besitz von Herrlingen. Ein Burkhard von Bach hat nach obigen Angaben 1349 die Schloßkaplaney zu Ober-Herrlingen gestiftet, und wieder ein „Burkhard von Bach zu Hörlingen gesessen“ siegelt eine Urkunde vom J. 1471. In einer Helfensteinischen Urkunde vom J. 1421 - über einen Kauf zu Laichingen, wird Otto von Hörnlingen der Ahnherr Burkards v. Bach genannt; es ist also zu vermuthen, daß Herrlingen und vielleicht auch Lautern durch Erbschaft auf die v. Bach gekommen sey. Wie aber die v. Bernhausen zu dem Besitze von Herrlingen gelangten, ist auffallender Weise gänzlich verborgen, und selbst die dermalige Administrations-Commission des Ritterguts, deren gefälliger Mittheilung diese Arbeit manche schätzbare Beyträge verdankt, vermochte nichts darüber aufzufinden. Von den Söhnen Wilhelms v. Bernhausen, der 1492 starb, schrieb sich, nach Buccelini „Constantia stematographica“ S. 12 - 16, der eine „Wilhelm v. Bernhausen in Klingenstein,“ der andere „Burkhard v. Bernhausen in Hörlingen.“ Nach einer, gleichwohl unerwiesenen, Behauptung soll der Vater schon 1490 im Besitze von H. gewesen seyn. So viel ist wenigstens gewiß, daß K. Maximilian I. im J. 1513 einem v. Bernhausen zur Aufnahme eines Capitals auf das Lehen Hörlingen den Comsens ertheilt. In einer amtlichen Darstellung des Oberamts Blaubeuren vom J. 1802 findet sich die Stelle: „Das Umgeldsrecht zu Wippingen erhielt Nobilis v. Bernhausen zu Herrlingen bei einem mit Würtemberg getroffenen Tausch seines | unweit Stuttgart gelegenen Stammschlosses und Fleckens Bernhausen gegen die Herrschaft Herrlingen.“ Aber Niemand will mehr wissen oder finden können, worauf diese Angabe beruht, und bei der Art wie sie gefaßt ist, möchte sie auch noch sehr zu bezweifeln seyn. Uebrigens hatte Würtemberg schon in frühern Zeiten die geleitliche Obrigkeit bis an die durch Herrlingen gehende Lauter. In dem Orte, mitten in der Lauter, steht noch der Grenzstein mit dem würt. Wappen auf der einen — und dem der Reichsstadt Ulm auf der andern Seite und mit der Inschrift: „Gleit 1682.“ Auf eine possirliche Weise wurden hier Verbrecher und andere Transportirte mitten im Flusse von einem Karren auf den andern geschoben. Herrlingen soll von dem Gegenkonig Heinrich Raspo zerstört worden seyn; er belagerte 1247 die Stadt Ulm. Im J. 1378 wurden Dorf und Schloß von den Ulmern verbrannt. Bemerkenswerth ist noch, daß sowohl Ober-Herrlingen, als die Kirche zu H. sowie das Gut Hohenstein und die Kirche zu Lautern Reichsgut waren. Der gegenwärtige Besitzer von Herrlingen, Freyherr Franz Gerhard von Bernhausen, ist der letzte seines Stamms und mit seinem Tode fallen die Lehen heim. c. Weidach, ein katholischer Weiler auf der Alp, 3 Viertelstunden von Herrlingen mit 121 Einwohnern; Filial von Herrlingen. Die Zehnten sind zwischen dem Staat (vormals Deutschorden), der Universität Tübingen und den Pfarreyen Herrlingen, Asch, Wippingen und Bermaringen getheilt. Der Ort hat eine im J. 1782, unter großem Kampf mit der Stadt Ulm, von der Gemeinde neu erbaute Kapelle zum h. Wendelin, die jedoch ohne Stiftung und ohne öffentlichen Gottesdienst ist. Schule und Begräbniß sind zu Herrlingen. Die hohe und forsteyliche Obrigkeit hatte vormals die Reichsstadt Ulm; die Grundherrschaft war getheilt, die Deutschordens-Commende Ulm hatte 6, der Freyherr v. Bernhausen 4, das Kloster Söflingen 2 und die v. Krafft 1 Unterthanen. 1802 kamen die Landeshoheit und die söflingischen | Höfe und 1806 die deutschherrischen Höfe an Bayern, 1810 an Würtemberg. Die bernhausischen Höfe kaufte Conrad von Bernhausen im J. 1568 von dem Kloster Elchingen um 2236 fl. Diese Höfe wurden neuerlich, mit Vorbehalt der Gefälle, allodificirt; das v. Krafftische Söldgut ist ein Zugehör von Hohenstein.Auf der Grenze der Markung, am Rande des Lauterthals, ¼ St. unterhalb Hohenstein, auf dem s. g. Winkelacker, findet man auf einer Felsenecke noch die Spuren eines Schlosses, wovon aber nicht einmal der Name mehr bekannt ist.