Christliche Symbolik/Gral

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Textdaten
Autor: Wolfgang Menzel
Titel: Gral
Untertitel:
aus: Christliche Symbolik. Erster Theil, S. 358
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: G. Joseph Manz
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Erscheinungsort: Regensburg
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[358]

Gral,


(Schüssel). Unter dem heiligen Gral verstand man im Mittelalter die Schüssel, aus welcher Christus seinen Jüngern das letzte Abendmahl austheilte und in welche man nachher auch das Blut und Wasser aus seiner Seitenwunde am Kreuze rinnen liess. Joseph von Arimathia soll diese Schüssel aufbewahrt und nach dem Abendlande gebracht haben. Niemand aber war würdig, sie zu besitzen, weshalb Engel sie schwebend in der Luft hielten, bis Titurel, ein Prinz von Frankreich, sie zum Lohn seiner Tugend erhielt und auf der Burg Montsalvaz in einem wundervoll erbauten Tempel aufbewahrte und von einem eignen Ritterorden, den Templeisen, hüten liess. Dem heiligen Gral wohnte die höchste Zaubermacht inne. Wer ihn besass, dem mangelte kein irdisches Gut; wer ihn ansah, der konnte nicht alt werden, noch sterben. [359] Jede Woche kam eine Taube vom Himmel und legte eine Hostie in den Gral, wodurch dessen Wunderkraft stets erneuert wurde. Später, als die Christenheit verderbte, wurde der Gral fern nach Asien entrückt in’s Fabelland des Priesters Johannes. Die Genueser aber behaupten, in ihrem sacro catino (einer Schale von grünem Glasfluss, den man lange für Smaragd hielt) den echten Gral zu besitzen.

Die beste Erklärung des Namens Gral ist wohl sang real, Blut des Königs. Was dieser Reliquie eine so erstaunliche Bedeutung in Frankreich gab, ist ohne Zweifel nur die Beziehung derselben auf das grösste Heiligthum der vormaligen Druiden, das Waschbecken der Göttin Ceridwen. Die zahlreichen altfranzösischen Rittergedichte, deren Mittelpunkt der heilige Gral oder die Tafelrunde des Königs Artus ist, wurzeln alle in ältern keltischen Liedern. Als Gallien christlich wurde, erhielten sich diese Dichtungen nur, indem man sie christianisirte. Vgl. Grässe, Sagenkreise d. Mittelalters S. 137 f. San Marte, Wolfram von Eschenbach II. 362.


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