Consonanzen und Dissonanzen

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Autor: unbekannt
Titel: Consonanzen und Dissonanzen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 4, S. 64
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger
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Erscheinungsort: Leipzig
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[64] Consonanzen und Dissonanzen. Unter diesem Titel hat vor kurzem unter langjähriger und sehr geschätzter Mitarbeiter, Herr Professor Lobe, der literarisch vielfach verdiente Kunst-Veteran aus Weimar’s goldenen Tagen (Leipzig, Baumgärtner’s Buchhandlung), eine Sammlung seiner Aufsätze aus älterer und neuerer Zeit erscheinen lassen, von denen manche ihre erste Veröffentlichung in der Gartenlaube gefunden hatten. Im Interesse des Publicums freuen wir uns aufrichtig, daß Lobe diese so mannigfaltige, in den verschiedensten Journalen, zum Theil wohl in musikalischen Fachzeitschriften umhergestreueten Arbeiten der Mit- und Nachwelt nicht verloren gehen ließ. Denn in ihrem gegenwärtigen Nebeneinander erscheinen sie nicht als flüchtige Tagesproducte, sondern als innerlich zusammenhängender Ausdruck der feinen, klaren und edlen Gesichtspunkte, von denen aus eine gereifte und besonnene Individualität, ein denkender, gemüthreicher, welt- und kunsterfahrener Mann, die künstlerischen Uebungen seiner Zeit, namentlich in der musikalischen Sphäre, mit klug und scharf blickendem Auge beobachtet hat. Lobe bewahrt der lebendigen Strömung der Gegenwart jene warme Theilnahme, die ihr der Zeitgenosse schuldig ist. Als alter Weimaraner wurzelt er mit seiner Bildung und seinen Erinnerungen in der Schule jener classischen Zeit, die von dem Kunstwerke vor Allem noch durchsichtige Reinheit der Formen, deutliche und bestimmte Ausprägung des Inhalts verlangte. Unklar und unfertig gährende Richtungen und Elemente unserer Tage finden daher an ihm keinen Bewunderer und er kämpft um so lebhafter gegen dieselben, je mehr sie mit Anmaßung auftreten, neue Bahnen gebrochen und alles Große und Vollendete der Vergangenheit übertroffen und in den Schatten gestellt zu haben. Lobe ist nicht blos ein Feind der hohlen und aufgeblasenen Phrase, mit besonderem Geschick weiß er ihr auch die blendenden Hüllen abzustreifen und unter ihnen das leere Nichts oder den baaren Unsinn zu zeigen. Die sogenannte Zukunftsmusik, soweit sie eine Herrschaft aufstrebt und unberechtigte Ansprüche macht, hat bis jetzt keinen gefährlicheren Gegner gehabt, als unseren musikalischen Publicisten. Doch ist es nicht allein dieser charaktervolle Ernst der Ueberzengung, diese auf den innersten Kern der Erscheinung dringende Schärfe, was seinen Artikeln einen auszeichnenden Werth verleiht. Sie berühren den Leser auch wohlthuend durch die frische Munterkeit und heitere Naivetät des Anschauens, durch anziehende Lebendigkeit der Darstellung und besonders durch jenen Zug bescheidenen und anmuthigen Wohlwollens, den man früher als liebenswürdige Urbanität bezeichnete, ein Begriff, welcher der heutigen Gesellschaft mit dem Gebrauche des Wortes abhanden gekommen ist. So viel über die kritische Seite des Buches, in welchem das gebildete Publicum auch eine hübsche Auswahl von unterhaltenden Partieen finden wird. Sie bestehen in bedeutsamen Lebenserinnerungen des Autors, in Gesprächen zum Beispiel, die er mit Karl Maria von Weber und Felix Mendelssohn geführt, in einem Potrait Karl August’s, der Schilderung eines Quartetts bei Goethe etc.