Das alte Freiburg

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Autor: Leonard Korth
Titel: Das alte Freiburg
Untertitel:
aus: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten Seite 196-233
Herausgeber: Badischer Architekten- und Ingenieur- Verband
Auflage:
Entstehungsdatum: 1898
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: H. M. Poppes & Sohn
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Erscheinungsort: Freiburg
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DAS ALTE FREIBURG.
Von L. Korth.

Die Geschichtsforschung, ehedem fast ausschliesslich auf die Feststellung der Ereignisse gerichtet, beschäftigt sich heute mehr denn je mit der Betrachung des Werdens und der Zustände. Dieser erfreulichen Wandlung verdanken wir es, wenn wir von den wirth-schaftlichen, geistigen und sittlichen Verhältnissen der Vergangenheit immer lebendigere und sicherlich auch getreuere Vorstellungen gewinnen.

Mit besonderer Liebe wendet sich die wissenschaftliche Arbeit wie die Theilnahme weiterer Kreise der Geschichte des deutschen Bürger-thums zu, jenes merkwürdigen Gebildes, in welchem wir nach vielen Seiten hin den Hauptträger unserer gesammten staatlichen und kulturellen Entwickelung erblicken dürfen. Recht und Verfassung der mittelalterlichen Stadt bilden seit Jahrzehnten den bevorzugten Gegenstand eingehender Untersuchungen und nicht minder lenkt sich die Aufmerksamkeit auf die wechselnde Bedeutung des Handels und der Gewerbe.

Allein wir begehren auch zu wissen, wie unsere bürgerlichen Vorfahren lebten, wie sie sich nährten und kleideten, vor Allem, wie sie bauten und wohnten. Kaum etwas mag anziehender sein, als die Entstehung einer deutschen Stadt und ihr rein äusserliches Heranwachsen zu verfolgen [197] folgen. Die Betrachtung gewinnt an Reiz, wenn es sich um ein Gemeinwesen handelt, das gewissermassen durch den Willen eines Einzelnen aus dem Nichts in das Leben gerufen ist.

Freiburg gehört, wie wir wissen, zu jenen Städten, welche fürstlichem Unternehmungsgeiste, wenn auch keineswegs einem ganz uneigennützigen Wohlwollen ihr Dasein verdanken; es gehört aber zugleich zu den wenigen, an welchen die Hoffnungen des Gründers vollauf in Erfüllung gegangen sind.

Leider ist es unmöglich, auf dem zugewiesenen Räume eine geschichtliche Ortsbeschreibung im eigentlichen Sinne von den frühesten Anfängen an zu bieten: es muss dafür auf die sorgfältigen Veröffentlichungen von A. Poinsignon verwiesen werden. Wer jedoch ein wahrhaft lebensvolles Bild des alten Freiburg sich verschaffen will, der lese die in schwungvoller Sprache geschriebene und mit acht künstlerischem Sinne durch Abbildungen erläuterte Darstellung von Fritz Geiges. An diese ausgezeichnete Schilderung lehnen die folgenden anspruchslosen Ausführungen vielfach sich an. Sie werden dennoch den Eindruck des Lückenhaften machen, weil sie im Wesentlichen nur Bruchstücke aufzählen: weitaus die meisten Denkmäler, welche noch bedeutsam und grossartig in unsere Zeit herüberragen, sind in besonderen Aufsätzen behandelt.

In das Dunkel vorrömischer Zeit reichen hier keine monumentalen Spuren zurück, wenn man nicht etwa die Steintrümmer am Rande der Schönbergfläche für Ueberbleibsel einer keltischen Hochburg halten will. Auf frühe Besiedelung weist jedoch die günstige Lage des Ortes selber hin und uralte Strassenzüge haben unzweifelhaft die Thaleinschnitte und Pässe benutzt, welche hier die Rheinebene mit Schwaben verbinden. Die italischen Eroberer haben dann auf dem Schlossberge, der gleich einer natürlichen Warte das breite Dreisamthal wie die Rheinebene beherrscht, ein Bauwerk errichtet, auf dessen Bedeutung und Ausstattung vielleicht die spärlichen Mosaikreste schliessen lassen, welche dort oben aufgefunden wurden. Genannt aber wird diese römische Niederlassung nirgends. Schweigend gehen auch die Quellen aus der Zeit germanischer Staatengründung über unsere Gegend hinweg. Allein sogleich mit dem Eintritte dieses Gebietes in das hellere Licht der Geschichte begegnen die Namen der Dörfer Herdern, Wiehre und Adelhausen, die sämmtlich auch schon in weit zurückgelegener Zeit im Besitze von Kirchen sich befinden. Die Patrocinien St. Einbet und St. Cyriakus insbesondere deuten auf hohes Alter. Gegen den Mooswald hin lag ausserdem die Leutkirche St; Peter, eine Filiale der Pfarrei Umkirch. [198] Mitten zwischen diese ländlichen Niederlassungen schob sich nun zu Beginn des 12. Jahrhunderts die planmässig neu gegründete Kaufmannsstadt


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Der Verlauf ihrer Hauptstrassenzüge war bestimmt durch di alten Verkehrswege, die nach Schwaben und nach Burgund führten. Ihren Mittelpunkt aber fand sie zunächst in dem älteren Marktplatze, [199] auf welchem sich die Kapelle des hl. Martinus erhob, jenes fränkischen Nationalheiligen, der von Alters her als Schutzpatron kaufmännischer Niederlassungen galt. Nicht unmöglich erscheint es, dass eben diese Kapelle gleichbedeutend ist mit dem viel umstrittenen Oratorium, in welchem der hl. Bernhard seine Kreuzpredigt gehalten hat.

Die Frage, wann der Schlossberg befestigt worden sei, möge hier unerörtert bleiben. Zu erinnern ist nur daran, dass überall schon früh germanische Vertheidigungsbauten den römischen Anlagen gefolgt sind. Was über die Baugeschichte der eigentlichen Stadtkirche zu sagen ist, wird an anderer Stelle dieses Buches mit gebührender Ausführlichkeit dargelegt.

Das wesentliche Kennzeichen der mittelalterlichen Stadt bildet die schützende Ringmauer mit ihren Thorburgen und Thürmen.

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Durch eine solche Mauer war die Altstadt bereits im 13. Jahrhundert von ihren gleichfalls befestigten Vorstädten, der Neuburg, der Lehener Vorstadt und der Schneckenvorstadt geschieden. Vor der Mauer lag ein etwa 12 m breiter und 5 m tiefer trockener Graben. Diese Befestigung verlief vom Schwabenthor westlich bis zum Martinsthor zwischen der Grünwälderstrasse und der Gerberau, dann in grossem Bogen zum Lehenerthor, welches etwa zwischen der jetzigen Synagoge und dem Gymnasium gestanden hat. Von dort ging sie weiter über den Rottecksplatz bis zum Predigerthor in nächster Nähe des Vincentiushauses, alsdann um das ehemalige Predigerkloster herum die Ringstrasse entlang bis zum Christophsthor, welches die grosse Gasse, die heutige innere Kaiserstrasse, nach Norden hin abschloss. Von dort zog sie sich in der Richtung der Kasernenstrasse bis zum Schlossberge und weiter an dessen Fuss hin bis wieder zum Schwabenthor. [200] Die Mauer, welche die genannten drei Vorstädte umschloss, ging vom Wasserthurm unweit des Schwabenthores bis zum Schneckenthor, später Katzenthurm genannt, sodann in einer gebrochenen Linie


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über das Petersthor und das Butzenthörlein bis zum Gerberthor am Reuerinnenwinkel. Von dort lief ein trockener Graben am der Aussenseite des Mönchsthores vorbei bis zum Johanniterthurm [201] Diese äussere Umwallung wurde im Jahre 1677 bei der französischen Befestigung zugleich mit den Vorstädten selbst niedergelegt. Auch von der inneren Ringmauer sind nur noch geringfügige Reste erhalten. Ein Stück derselben, nach dem Plane des Gregorius Sickinger vom Jahre 1589 erneuert, bildet gegenwärtig den malerischen Hintergrund einer neugeschaffenen gärtnerischen Anlage am Theaterplatz. Ein anderer Rest ist am Zapfenhofe noch sichtbar.


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Umso stattlicher nehmen sich die beiden gewaltigen, dem Ausgange des 12. Jahrhunderts entstamm enden Thorthürme aus, welche als ehrwürdige Zeugen einer grossen Vergangenheit dauernd erhalten bleiben sollen. In ihrer ursprünglichen Gestalt sind freilich auch diese Denkmäler nicht auf die Gegenwart gekommen. So hat das Schwabenthor, das mächtigere von beiden , den nach dem Graben vorgebauten Zwinger eingebüsst. Ferner hat man die innere Seite des Thores, welche, wie noch deutlich erkennbar, vollständig offen oder doch nur mit Bohlen verschalt war, später mit Mauerwerk ausgefüllt. Der Bau, über der spitzbogigen Thoröffnung drei Geschosse zählend, hat bei je 11 m Seitenlänge von der Strassensohle an gerechnet, die ansehnliche Mauerhöhe von 26 m; nach der Aussenseite beträgt die Stärke des in den einzelnen Geschossen abgesetzten Gemäuers unten mehr als 3 1/2 m und im obersten Geschoss noch zwei Drittel dieses Maasses. Das Steinwerk besteht im unteren Theile aus schweren Buckelquadern von rothem Sandstein, oben aus Bruchstein mit starken Eckbossen. Der Thorweg ist gleich den einzelnen Geschossen ungewölbt. [202] Bemerkenswerth ist über dem Scheitel des Thorbogens an der Innenseite eine Sculptur, welche ein sitzendes Männlein mit übergeschlagenem Beine darstellt, dem antiken Dornauszieher freilich nur in der Haltung vergleichbar.

Aus später Zeit stammt eine allerdings jetzt sehr verblasste und beschädigte Malerei, welche gleich jenem Männlein Gegenstand volks-thümlicher Deutung geworden ist.

Schlichter in seiner ganzen Erscheinung ist das vielleicht ein wenig früher entstandene Martinsthor. Rundbogig und ringsum geschlossen hat es von der Strassensohle aus bei einem Seitenmaasse von 10 auf 11m nur eine Höhe von ungefähr 22 m. Die Mauerstärke nach Süden beträgt unten 3,10m und im Obergeschoss 2,70m; die Seitenmauern sind etwas schwächer. Der Zugang befindet sich bei beiden Thoren an der Westseite auf der Höhe der Ringmauer. Die jedenfalls niedriger als die ursprünglichen Helme gestalteten Bedachungen mit den bekrönenden Glockenthürmchen gehören dem 17. Jahrhundert an.

Es besteht die Absicht, beide Thore stilgerecht wiederherzustellen.

Die Ringmauer der Altstadt umschloss gegen das Ende des 14. Jahrhunderts etwa 1100 Häuser und Hofstätten. Dazu kamen noch die Gebäulichkeiten der ebenfalls dicht bewohnten Vororte.

Den weitaus grössten Raum bedeckten hier, wie anderwärts, die geistlichen Niederlassungen. Wir gedenken zunächst der sehr stattlichen Zahl von Klöstern, unter welchen dasjenige der Dominikanerinnen zu Adelhausen durch Alter und Reichthum besonders hervorragte. Schreibt doch die Ueberlieferung seine Gründung und fürstliche Ausstattung einer Schwester Rudolfs von Habsburg zu.

Grössere Bedeutung für das kirchliche Leben der Bürgerschaft besassen die Dominikaner und der volksthümliche Orden der Franziskaner.

Die Predigermönche hatten sich dort angesiedelt, wo jetzt das St. Vincentiushaus gelegen ist. Mit dem Bau ihrer Kirche, welche nach einer alten Ueberlieferung schon zwanzig Jahre vor dem Münsterthurme vollendet war, bringt man den gepriesensten Gelehrten des Ordens, Albert den Grossen, in Verbindung. Erhalten ist von den Klostergebäuden wenig mehr, als der stattliche hochaufsteigende Giebel, der leider durch moderne Zuthaten viel von seiner einfachen und wirkungsvollen Form eingebüsst hat.

Die Barfüsserkirche, welche im 13. Jahrhundert an die Stelle der alten St. Martinskapelle getreten war, wird unten eingehender beschrieben.

Hervorragendes Ansehen genossen die Niederlassungen der geistlichen Ritterorden, der Johanniter und Deutschherren. Ihnen schlössen [203] sich die Herren von St. Antonius an, welche in der Salzstrasse sesshaft waren. Ihr nicht besonders umfangreiches Anwesen ist heute noch erkennbar durch das reizende, für zwei Glöcklein eingerichtete Giebelchen, das um die Wende des 14. Jahrhunderts erbaut sein mag. Dieses zierliche Architecturstück besitzt Reste eines Maasswerkkammes, welcher jenen an den Strebebögen des Münsters auffallend ähnelt.


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Dem Hause der Antoniter gegenüber lag das Kloster der Augustiner-Eremiten, ein weitläufiges Gebäude, das heute in seinen Räumen das Stadttheater und die Alterthümersammlung beherbergt. Von alten Architecturtheilen ist noch der frühgothische Kreuzgang in seinem ganzen Umfange vorhanden, wenn auch zum Theil verdeckt. Bedauerlich ist nur, dass man fast aus allen Bögen das Maasswerk entfernt hat. Im Gange selbst befindet sich eine grössere Anzahl von Grabplatten, während im Quadrum architectonische Ueberbleibsel von untergegangenen Bauwerken Aufstellung gefunden haben. Es möge an dieser Stelle überhaupt auf den verhältnissmässig reichen Inhalt der Sammlung hingewiesen werden. Sie umfasst neben kulturgeschichlich merkwürdigen Gebrauchsgegenständen eine stattliche Reihe von Erzeugnissen der Kunst und des Kunstgewerbes. Besondere Erwähnung verdienen die Waffen und die an Brakteaten reiche Münzsammlung.

Von den hier nicht genannten mittelalterlichen Klöstern Freiburgs sind keinerlei nennenswerthe Baureste auf die Gegenwart gekommen. Es hat sich jedoch Manches von dem innern Schmucke der Gotteshäuser erhalten. So bewahrt die ebengenannte Sammlung mehrere Tafelbilder aus dem im Jahre 1677 niedergelegten Frauenkloster Adelhausen, während sich eine schöne, noch dem 14. Jahrhundert angehörende Bildsäule der hl. Katharina aus dem gleichnamigen Kloster in der unteren Wiehre jetzt in der neuen Adelhauser Kirche bei der Gerberau [204] befindet. Alle übrigen Ordensniederlassungen der Stadt sind uns in ihrer geschichtlichen Erscheinung nur noch aus den Urkunden, in ihrer äusseren Gestalt aber einzig aus den oftmals mangelhaften und unzuverlässigen Abbildungen der alten Stadtpläne bekannt.

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Es schliesst sich hier jedoch passend eine kurze Erwähnung der oberhalb im Dreisamthale am Abhänge des Rosskopfes lieblich gelegenen Karthause St. Johannesberg an. Freilich wurden auch dort die in der Mitte des 14. Jahrhunderts aufgeführten Bauten durch stattliche neuere Anlagen vollständig verdrängt und ebenso sind die aussergewöhnlich reichen Kunstschätze des Gotteshauses spurlos verschwunden, allein die grosse Bedeutung, welche gerade dieses Kloster für das o-eistige und kirchliche Leben der Stadt besessen hat, verschafft ihm das Recht auf besonders liebevolle Erinnerung. Schon seine landschaftliche Lage macht es zu einem der reizvollsten Punkte in der näheren Umgebung Freiburgs und es ist mit Freuden zu begrüssen, dass die Stadtverwaltung das Besitzthum erworben hat, um es neuerdings einer segensvollen Bestimmung zuzuführen.

Als erstes Gotteshaus diente wohl der neugegründeten Marktstadt Freiburg, wie oben schon angedeutet wurde, die an der Stelle des späteren Barfüsserklosters gelegene, dem hl. Martinus geweihte Kapelle. Allein auch vor den Thoren der inneren Stadt lagen mit Pfarrgerechtsamen ausgestattete Kirchen von hohem Alter. Unter ihnen scheint St. Nicolaus in der Neuburg die bedeutendste und umfangreichste gewesen zu sein. Die geringfügigen Architecturreste, welche in der Nähe des jetzigen Karlsplatzes gefunden worden sind, weisen auf das 13. Jahrhundert als Enstehungzeit hin. Vor Allem gerühmt wird der Thurm, der an Höhe nur der Münsterpyramide nachgestanden haben soll. Darf man dem Sickinger'schen Stadtplane von 1589 glauben, so stellte er sich damals noch als ein rechts neben dem Westgiebel angebrachter, fünfgeschossiger Thurm von achtseitigem Grundrisse dar.

In der Lehener Vorstadt lag die unzweifelhaft gleichfalls sehr alte Leutkirche zum hl. Petrus, die, wie schon oben gesagt wurde, noch lange Zeit nur eine Filiale der 1 1/2 Stunden entfernten Pfarrei Umkirch bildete. Bei dem gänzlichen Mangel an monumentalen Ueber- [205] bleibseln und an zuverlässigen Abbildungen vermögen wir nicht zu sagen, welcher Kunstperiode dieses Gotteshaus angehört hat. Auch was die Urkunden für die Baugeschichte ergeben, beschränkt sich darauf, dass die Pfarrgemeinde um die Mitte des 15. Jahrhunderts mit den Bewohnerinnen einer dicht bei der Kirche gelegenen Klause wegen der Neuanlage einer Sakristei in Zwist gerieth. Im Uebrigen wissen wir nur noch, dass die Kirche ursprünglich von einem Friedhofe umgeben war, der jedoch schon gegen Ende des Mittelalters sich nicht mehr im Gebrauche befand.


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Als Pfarrkirche für die seit den frühesten Zeiten vereinigten Gemeinden Adelhausen und Wiehre diente das der hl. Einbet gewidmete Gotteshaus, wahrscheinlich das älteste des ganzen Freiburger Gebietes. [206] Auf eine weit zurückliegende Gründungszeit deutet wenigstens schon das selten vorkommende, in unserem Lande bloss noch bei einer Kapelle oberhalb Gengenbach begegnende Patronat der Schicksalsjungfrau Einbete hin Neben dieser noch an altgermanische Ueberlieferungen gemahnenden Schutzheiligen verehrte die Kirche den hl. Cyriakus, der gleichfalls bereits im 10. Jahrhundert als Patron des Klosters Sulzburg erscheint. Nach der Abbildung auf dem mehrfach genannten Stadplane trug der Bau noch gegen Ende des 16. Jahrhunderts das äussere Gepräge einer schlichten Dorfkirche, die von einem grossen Friedhofe umgeben war. Sie war etwa dort gelegen, wo jetzt die Geleise der Höllenthalbahn die Güntersthalstrasse kreuzen.

Neben den Pfarrkirchen gab es, wie aller Orten, kleinere gottesdienstliche Gebäude, so die mit drei Altären ausgestattete Todtenkapeile bei dem Beinhaus auf dem Münsterplatz und die St Michaelskapelle bei dem Armenspital in der Neuburg, die Vorgängerin des Kirchleins, das jetzt noch auf dem alten Friedhofe erhalten ist.


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Die frommen Gesinnnungen der Vorzeit bethätigten sich aber nicht nur in der Errichtung von Gotteshäusern und in der bereitwilligen Förderung klösterlicher Einrichtungen: schöner und unmittelbarer treten sie hervor in den Schöpfungen werkthätiger Nächstenliebe. Es bildet einen der Ehrentitel Freiburgs, dass seine Bürgerschaft schon in den Anfängen städtischer Entwickelung auch den Armen und Kranken besondere Zufluchtsorte bereitete. Die vornehmste dieser Anstalten, welche alle nach römischem Vorbilde dem Schutze des hl. Geistes unterstellt waren, ist das grosse oder »mehrere« Spital.


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Es bestand aus einem umfangreichen Geviertbau gegenüber dem Münster, an der Stelle, wo gegenwärtig das Gesellschaftshaus Museum, der Gasthof zum Geist und drei grössere Privathäuser stehen. In ihm befanden sich, ausser den Räumen für die Pfründner und Kranken, der Weinkeller, die Bäckerei, die mit mehreren Altären versehene Hauskapelle und in dem inneren Hofraum ein eigener Begräbnissplatz. Diese Bauten gehörten zumeist dem eigentlichen Mittelalter und theil weise noch der romanischen Periode an, wie aus einzelnen Fund- [207] Seite:Freiburg Bauten 207.jpg [208] Seite:Freiburg Bauten 208.jpg [209] Seite:Freiburg Bauten 209.jpg [210] Seite:Freiburg Bauten 210.jpg [211] Seite:Freiburg Bauten 211.jpg [212] Seite:Freiburg Bauten 212.jpg [213] Blüthe. vornehme Herren vom Lande hatten hier ihren Wohnsitz, auswärtige Stifter und Klöster bedurften städtischer Absteigequartiere, die Zünfte und Gesellschaften schufen sich jede ihr eigenes Heim. So entstand denn in verhältnissmässig kurzer Zeit jene grosse Zahl architectonisch hervorragender Bauten, welche trotz so vielfältiger Zerstörung heute noch ganzen Strassen ihr eigenartiges Gepräge geben.

Pfosten mit Magazin der Münsterfabrik

Der Fremde, der vom Rathhause her die Franziskanerstrasse betritt, wird überrascht durch eines der schönsten Denkmäler bürgerlicher Baukunst. Es ist das Haus zum Walfisch, jetzt gewöhnlich Falkenstein'sches Haus genannt, welches den Blick fesselt, ein Werk, das auch Städten wie Nürnberg und Rothenburg zu hoher Zierde gereichen würde.

Im Jahre 1515 durch den kaiserlichen Schatzmeister Jakob Villinger an Stelle von vier oder fünf kleineren Häusern errichtet, war es zunächst zum Ruhesitze des Kaisers Maximilian bestimmt; später (1529–31) wohnte darin Erasmus von Rotterdam. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte es dem Magdeburger Domprobste Wilhelm Boecklin von Boecklinsau (gest. 1585). Während dieser Zeit diente es auch einmal Kaiser Ferdinand I. als Absteigequartier, der das Weihnachtsfest 1562 hier feierte und damals einen gedeckten Gang hinüber zur Barfüsserkirche herstellen liess. Unter den späteren Besitzern nennen wir den berühmten kaiserlichen Feldherrn Lazarus von Schwendi (1612), die Grafen von Fürstenberg und den kaiserlichen Landescommissar Grafen von Schauenburg (1756). In den Besitz der Freiherrn von Falkenstein gelangte es erst im Jahre 1796. Seit 1873 ist es Eigenthum der altangesessenen Freiburger Familie Pyhrr. [214] Der Bau hat trotz des häufigen Besitzwechsels verhältnissmässig


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wenig Umgestaltungen erfahren; insbesondere ist die Vorderfaçade heute noch fast ganz in ihrer ursprünglichen Schönheit erhalten. Ihren

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[217] köstlichsten Schmuck bildet der reich gegliederte Erker, der schon durch die eigenartige Behandlung der Ueberführung in hohem Grade bemerkenswerth ist.

Auf dem der Façade ein wenig vorgeschobenen Sockel bauen, zierlich vermittelt, die Säulen sich auf, welche aus mehrfach sich durchkreuzendem Stabwerk zusammengesetzt erscheinen. Ungefähr auf Kämpferhöhe des stichbogigen Portals schneidet sich sodann die gesimsartige stark profilirte Ueberführung ein, welche im Grundriss und Aufriss einen aus gleichem Radius construirten kämpferlosen Bogen darstellt. Die Ueberschneidung wird rechts durch einen Wappenschild, links durch ein nacktes Männchen verdeckt. Die hierdurch gebildete halbrunde Kappe ist verputzt und von Rippen mit Nasen durchzogen. Um die rechteckige Grundfläche zu erzielen, wird die Ueberführung abermals von Gesimsen durchquert. Diese bilden seitlich Eselsrücken und vorn umgestellte Halbkreisbögen, beide mit Krabben besetzt, um schliesslich in elegant gezeichnete Kreuzblumen sich aufzulösen. So ist mit spielender Leichtigkeit und unbemerkt die Basis hergestellt, auf welcher der Erker sich aufbaut. Aeusserst zierliche Maasswerkbögen füllen auf der Vorderseite die Brüstung des zweiten Stockes, während die Seitenflächen mit Wappenschildern geschmückt sind. Darüber öffnet sich ein dreitheiliges Fenster, das von einem gemeinsamen Wimperg überragt ist. Dieser wiederum endet in eine schlanke Kreuzblume. Zwei groteske Wasserspeier beleben die Quaderfläche. Ein Balkon mit reich durchbrochener Maasswerkbrüstung bildet den Abschluss dieses reizenden und eigenartigen Werkes, an welchem die frei schaffende künstlerische Phantasie in gleichem Maasse hervortritt, wie die technische Gewandtheit. Die Façade ist, wie gesagt, fast ganz unversehrt, nur sind die Fensterkreuze durchweg herausgebrochen. Im Innern zeigt die Rückseite des Portals, welche durch eine später eingefügte Treppe zum Theil verdeckt ist, ein scheinbar wild und regellos sich durchkreuzendes Stabwerk. In die Architectur ist das höher gelegene Fenster des Treppenhauses mit einbezogen.

Während bei diesem wahrhaft vornehmen Patrizierheim nahezu die gesammte architectonische Anlage gleichmässig und einheitlich durchgebildet ist, fallen andere Bauten mehr durch schöne oder doch eigenartige Einzelheiten in’s Auge. Das gilt insbesondere von den ansehnlichen Absteigequartieren, welche auswärtige Prälaten, darunter fast alle geistlichen Mitglieder der breisgauischen Landstände, sich hier geschaffen hatten. Wie diese Wohnungen meist an die Stelle ganzer Gruppen von kleineren Gebäuden und Hofstätten getreten waren, so [218] Seite:Freiburg Bauten 218.jpg [219] Seite:Freiburg Bauten 219.jpg [220] Seite:Freiburg Bauten 220.jpg [221] Seite:Freiburg Bauten 221.jpg [222] Seite:Freiburg Bauten 222.jpg [223] Seite:Freiburg Bauten 223.jpg [224] Seite:Freiburg Bauten 224.jpg [225] Seite:Freiburg Bauten 225.jpg [226] Seite:Freiburg Bauten 226.jpg [227] Seite:Freiburg Bauten 227.jpg [228] Seite:Freiburg Bauten 228.jpg [229] Seite:Freiburg Bauten 229.jpg [230] Seite:Freiburg Bauten 230.jpg [231] Seite:Freiburg Bauten 231.jpg [232] Seite:Freiburg Bauten 232.jpg


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